Sind das die aktuellen Themen, die Dillenburg weiterhelfen?

Zur Information:

Der Dillenburger Ortsbeirat beschäftigt sich auf Antrag der Grünen mit der Umbenennung der Hindenburgstraße.

Da stellt sich doch gleich die Frage:

War Hindenburg denn ein Nazi?

Der folgende kleine Ausflug in die Deutsche Geschichte könnte die Antwort zu Tage fördern.

Trotz seines Bekenntnisses zur Monarchie leistet der ehemalige Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg 1925 den Eid auf die Weimarer Verfassung und wird ein von den demokratischen Parteien weitgehend anerkannter Präsident. Bei der Reichspräsidentenwahl wird Hindenburg im zweiten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit wiedergewählt. Als Kandidat der Sozialdemokraten und der Parteien der Mitte gewinnt er 1932 gegen Adolf Hitler, der 36,8 Prozent der Stimmen erhält.

Noch im gleichen Jahr weigerte sich der damals 85-Jährige die NSDAP an der Regierung der Weimarer Republik zu beteiligen. Besonders der leichtsinnige Exkanzlers Papen riet Hindenburg jedoch zu diesem für Deutschland so verhängnisvollen Schritt.

Am 30.Januar 1933 berief er Hitler nach längerem Zögern schließlich zum Reichskanzler. Neben Hitler waren zu diesem Zeitpunkt nur zwei NSDAP-Mitglieder im Kabinett vertreten. Die Vorstellung, acht konservative Minister könnten Hitler zähmen, sollte sich schon bald als verhängnisvoller Irrtum herausstellen.

Letztlich ebnete Hindenburg mit seiner vertrauensseligen Unterzeichnung der „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28.2.1933 und dem Ermächtigungsgesetz vom 24.3.1933 den Weg Deutschlands in die schreckliche nationalsozialistische Diktatur und der daraus folgenden Katastrophe für Deutschland und die Welt.

Hindenburg starb am 2.8.1934. Nach seinem Tod übernahm Hitler ohne zu Zögern das Amt des Reichspräsidenten und nannte sich fortan „Führer und Reichskanzler“.

Ich fand leider nicht heraus ob Hindenburg ein Nazi war. Aber, warum war Hindenburg eigentlich kein Hellseher? Wenn er einer gewesen wäre, könnte man ihm sicher einen Schuldvorwurf an den späteren Nazi-Greueln machen. Aber nur deshalb, weil er offensichtlich kein Hellseher war, gleich Straßen umbenennen zu wollen, ist schon ein wenig…na ja. Wem sonst so gar nichts einfällt… Mir fällt aber noch etwas ein. Es gibt aktuell noch 18 Straßen in Deutschland, die nach Lenin benannt sind. Das wäre doch auch ein schöner Alternativname für die Dillenburger Hindenburgstraße. sig

Erdgas gegen Menschen(Un)recht

Von Siegfried Gerdau

Deutschland braucht Erdgas und das in riesigen Mengen. Mit der erfolgten und weiter geplanten Stilllegungen von Kraftwerken im Land, wird der Bedarf noch um das Vielfache steigen. 2019 lag der Jahresverbrauch schon bei 982 Milliarden KWh. Hauptlieferant mit 50,7 Prozent ist Russland und das sollte nach dem Willen der Bundesregierung durch den Bau einer weiteren Pipeline durch die Ostsee intensiviert und noch versorgungssicherer werden. Nun steht Nord Stream II kurz vor der Fertigstellung. Weniger als 150 Kilometer müssen die Verleger bis zur endgültigen Fertigstellung noch bauen. Bisher sind fast 9 Milliarden Euro auf den Ostseegrund verlegt. Den Amerikanern war das Projekt schon lange ein Dorn im Auge. Sie wollen ihr Fracking-Gas verkaufen und per Gastanker nach Europa verschiffen. Sie stört dabei nicht die enorme Umweltbelastung durch die Gasgewinnung aus dem Gestein, noch die zusätzliche Verschmutzung von Luft und Weltmeeren durch den Schiffstransport. Auch dass das sogenannte Schiefergas deutlich teurer als herkömmliches Erdgas ist, spielt dabei scheinbar keine Rolle. America First ist die Devise.. auch unter Joe Biden.

Jetzt ist der Streit in eine neue Runde getreten. Plötzlich fordert auch Frankreich das Ende des Pipeline-Projektes und argumentiert mit der Verhaftung von Putin-Gegner Nawalny. Der hat damit zwar überhaupt nichts zu tun, aber da er mit Ansage nach seiner Heimreise nach Russland verhaftet wurde, soll Druck auf Putin ausgeübt werden und dazu bietet sich Nord Stream II nach Meinung vieler Europäer an.

Mehrere europäische Staaten, darunter auch Polen und das europäische Parlament warnen darüberhinaus vor einer zu großen Abhängigkeit von russischem Gas und damit vor negativen Folgen für viele osteuropäische Staaten.

Obwohl die Arbeiten an dem Endstück der Pipeline vor kurzem wieder aufgenommen wurden, warnen nun auch in Deutschland vermehrt Stimmen vor deren Fertigstellung. Die neue US-Regierung gibt dem Projekt keine Chance. Aber: Bundeskanzlerin Angela Merkel will (noch) kein abschließendes Urteil fällen.

Meine Meinung zum Thema:

Ehrlicher wäre den Eiertanz jetzt zu beenden und zuzugeben, dass die Bundesregierung vergaß die USA zu fragen, ob man denn diese Nord Stream II- Pipeline überhaupt hätte bauen dürfen. Jetzt möchte man freundlich sein, um den neuen amerikanischen Präsidenten nicht gleich zu Beginn zu verärgern. Aber man weiß nicht, wie man die Kuh vom Eis bringen soll. Also: Scheiß auf die paar Milliardchen und die vermeintliche Versorgungssicherheit. Stampft doch einfach die Röhrchen in den Meeresboden. Aber Achtung: Die deutsche Umwelthilfe wird sicher noch fordern, dass die komplette Konstruktion entfernt werden muss. Kein Problem das schaffen wir sicher dann auch noch. 

Ob amerikanisches Frackinggas oder Erdgas aus Russland. Den meisten Verbrauchern wird es ziemlich Schnuppe sein, was durch ihre Zähler strömt. Erst wenn die Preise noch mehr steigen, wird es unangenehm.

Ansprache des Maire der Herborner Partnerstadt Pertuis Roger Pellenc

Der Bürgermeister (Maire) der französischen Partnerstadt von Herborn Pertuis (20 000 Einwohner) Roger Pellenc (76) hält besonders in dieser schwierigen Zeit den Kontakt zur Bevölkerung. Die Ansprache von vor ein paar Tagen über Facebook möchte ich in meinem Blog veröffentlichen und damit die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass sie unseren französischen Freunden Halt gibt und vor allem das Gefühl vermittelt, nicht alleine gelassen zu werden. Wer möchte kann die Rede nach dem Klick auf den Link hören.

Roger Pellenc lässt in dieser Rede niemanden aus. Ob ganz normaler Bürger, Geschäftsmann oder die Beamten in seinem Arbeitsbereich. Er drückt sein Mitgefühl gegenüber den Angehörigen Verstorbener aus und geht auch bald wieder zur Tagesordnung über, indem er aufzeigt, dass die Zeit in Pertuis nicht stehenbleibt. Pertuis lässt sich von dem heimtückischen Virus nicht unterkriegen. Auch das ist seine Botschaft.

Danke Herr Bürgermeister Pellenc für ihr mitmenschliches Engagement. Vielleicht fühlt sich der eine oder andere Amtsbruder/Amtsschwester dadurch animiert und tut es ihnen in seinem Amtsbereich gleich.

Es ist gut wenn Amtsträger besonders in Krisenzeiten den Bürgern signalisieren, dass sie ihnen in ihren Sorgen und Nöten beistehen. Besonders aber in einer Zeit, in der gefühlt alles in Auflösung begriffen ist und in der neben Arbeitsplätzen, Familienverbünde und Freundschaften Gefahr laufen wegzubrechen, muss besonders ein Bürgermeister für die Menschen seiner Kommune da sein. Der Pertuiser Bürgermeister Roger Pellenc, dessen Stadt mindestens so schwer von der Pandemie betroffen ist, wie viele andere Kommunen in Frankreich auch, weiß gerade als Unternehmer wie wichtig das Gespräch und besonders das Zuhören ist. Corona macht es keinem leicht und so suchte er nach Wegen seine Pertuisiens ansprechen zu können. Die sozialen Netzwerke sind besonders für diese Ausnahmesituationen ein Segen Gottes. Alle größeren Unternehmen machen mittlerweile über ZOOM und CO davon Gebrauch und konferieren selbst über Kontinente hinweg. Das funktioniert auch in einer Kommune ganz besonders gut, wenn Ansprachen nicht als platte Durchhalteparolen oder nichtssagende Floskeln empfunden, sondern in einer großen Authentizität wahrgenommen werden. Die Bürger haben ein gutes Gefühl, um herauszufinden, wer es ehrlich mit ihnen und der Stadt meint. Darüber hinaus haben sie auch das Recht von ihren Gewählten mehr Einsatz zu erwarten, als diese es vielleicht für nötig halten.

Wer Kontakt mit der Mairie (Rathaus) von Pertuis aufnehmen möchte, kann dies per mail E-Mail: kommunikation@mairie-pertuis.fr gerne auch auf Deutsch tun. sig

https://www.facebook.com/Ville.de.Pertuis/videos/342657233462767/

Herborner lasst euch nicht unterkriegen

Dauerregen, niedrige Temperaturen und eine „Ausgangssperre“, genannt Lockdown, macht der ansonsten bunten und quirligen Stadt Herborn schwer zu schaffen. Es will einfach nicht mehr richtig hell werden und das Schreckgespenst Corona ist allgegenwärtig. All das quält mittlerweile auch Menschen, die „Novemberblues“ oder Winterdepression höchstens vom Namen her kennen. Zugegeben, donnerstags sah man in der Altstadt nie sehr viele Besucher auf den Straßen und bei einem solchen Wetter schon gar nicht.

Aber die Herborner Cafés waren auch an solchen Wochentagen immer gut besucht. Jetzt sind sie allesamt geschlossen. Einige Caféhaus-Besitzer nutzen den Lockdown und renovieren was das Zeug hält. Den Gaststätten und Restaurants geht es nicht anders. Viele haben sich darauf verlegt nach Art von Garküchen Speisen für den außer Haus Verkauf zu kochen und anzubieten. Die zahlreichen Herborner Friseursalons, aber auch die Kosmetik- und Nagelstudios sind Chancenlos. Sie haben ultimativ geschlossen und keine Ahnung wie es weitergeht. Das gilt ebenso für die übrige Geschäftswelt. Aber hier gibt es Ausnahmen. So dürfen Reformhäuser, Drogerien, Zeitschriftenläden, natürlich Lebensmittelgeschäfte, Gemüseläden und Tiernahrungsgeschäfte auch während er Pandemie ihre Waren innerhalb ihrer Geschäftsräume verkaufen. Eine spürbare Tristesse liegt über der Stadt und wenn sich zufälligerweise von den wenigen Menschen, die ab und zu unterwegs sind, hier und da welche treffen, ist Corona das Hauptthema und immer wieder die Frage: „Wann ist das denn endlich alles vorbei“. So wie die Experten in ihren Einschätzungen oft völlig unterschiedlich sind, ist es der Rest der Bevölkerung auch. Eine ältere Dame geht zielstrebig auf die Bäckerei zu. Die Maske bedeckt ihren Mund und auch an der Theke bleibt ihre Nase unbedeckt. Mein Gesprächspartner und ich schauen uns an, als sie beim Verlassen des Ladens die Maske hoch über die Nase zieht. Wir können uns nicht verkneifen, höflich auf diese unlogische Handlung hinzuweisen. Ja, ja sagt die Dame, wir müssen aufpassen, dass sich die Pandemie nicht noch mehr ausweitet und entfernt sich. Mein Gesprächspartner leise zu mir, „aber begriffen haben wir nichts“. Das mit dem Begreifen oder besser gesagt mit dem Wahrhaben ist leider immer noch viel zu oft verbreitet. Bei allem Verständnis für die Situation, die auch für unsere Regierenden Neuland ist, die Haare werden immer länger. Der Frustpegel steigt und die Mund,-Nasen-Schutzmasken lästiger. Dennoch: Herborn wird auch wieder heller, die Cafés sind irgendwann geöffnet und einem fröhlichen Einkaufsbummel wird dann nichts mehr im Wege stehen. Glauben wir daran und halten bis dahin durch. Mir freue sich und lassen uns von dem fiesen Winzling nicht unterbuttern. sig/Fotos: Gerdau

Driedorf wird Bildungskommune

Der nachfolgende Artikel beschreibt den neuen Weg, den die Gemeinde Driedorf in Sachen Bildungspolitik geht. Ich denke das Engagement von Kommunalpolitik und Verwaltung ist es Wert, dass man darüber schreibt. gerdaus-welt hat sich des Themas angenommen und wird auch in Zukunft darüber berichten. sig

Die Westerwaldgemeinde Driedorf mit ihren neun Ortsteilen beschreitet seit geraumer Zeit neue Wege mit dem Ziel, Bildungskommune zu werden. Durch die Zusammenführung von Kompetenzen und Trägerschaften möchte Bürgermeister Carsten Braun (CDU) Synergien bündeln und noch mehr Verantwortung übernehmen, als die Gemeinde ohnehin schon hatte. Die Gemeindevertretung unterstützt den bildungspolitischen Kurs des Vaters zweier Kinder und Ehemann einer Gymnasial-Lehrerin auf breiter Basis. „Wir sind seit vielen Jahren Klima-Kommune und warum sollten wir es nicht schaffen, auch Bildungskommune zu sein“, sagte Braun. Die Kernkompetenzen wie Erziehung, Betreuung, Bildung, Beratung und Wertevermittlung seien für eine familienfreundliche Kommune, als die Driedorf wahrgenommen werden möchte, unabdingbar und die Voraussetzung wären nahezu ideal. So erweitern mittlerweile zwei Tagesmütter das bisherige Angebot zur Betreuung von bis zu zehn Kleinkindern in gemeindeeigenen Räumlichkeiten. Durch Umorganisation und entsprechende Neugliederung wird das Betreuungsangebot für Krippenkinder in der Kindertagesstätte (KiTa) Mademühlen („Wäller Schatzkiste“) von bisher 12 auf 24 Plätze erweitert. Die zweite kommunale KiTa („Rother Rabennest“) im Ortsteil Roth ergänzt die vorschulische Kinderbetreuung der Gemeinde. Die evangelische Kindertagestätte in der Kerngemeinde Driedorf komplettiert das Kindergartenangebot in der knapp mehr als 5 000 Einwohner zählenden Großgemeinde.

Die Driedorfer KiTa in Mademühlen ist in einem neuen Gebäude (rechts) und im ehemaligen DGH (heute Gemeindehaus christliche Gemeinde) untergebracht

Auch im Bereich der Driedorfer Westerwaldschule hat die Gemeinde seit dem vergangenen Jahr Zeichen gesetzt. Die bisher vereinsgetragene Betreuung der Grundschüler mit Arbeitsgemeinschafts-Angeboten, darunter auch Hausaufgaben-Betreuung und Mittagessen, liegt nun in den Händen der Kommune. Dass dies ohne finanzielle Mehrbelastung für den Gemeinde-Haushalt, alleine durch Landes- und Kreiszuschüsse sowie Elternbeiträge gegenfinanziert wird, machte die Entscheidung zu diesem Schritt relativ einfach. Die kommunale Jugendpflege in Gestalt des Jugendzentrums (JuZ) glich in Driedorf über Jahrzehnte einer unendlichen Geschichte. Immer wieder war sie Streitpunkt zwischen den politischen Parteien, wenn es um dessen Finanzierung ging. Gleichwohl war dessen Notwendigkeit niemals strittig. Zukünftig ist die fachliche Betreuung des JuZ lückenlos garantiert, glaubt Braun. Durch die Kombination der Sozialarbeit an der Westerwaldschule mit den Aufgaben im Jugendzentrum Driedorf sollte dies problemlos möglich und vor allem auch finanzierbar sein. Der Bürgermeister sieht sich mit seinen bildungspolitischen Ideen auf der Zielgerade. „Anfang 2020 waren wir Träger von zwei kommunalen Kindergärten, jetzt sind wir für die Altersklassen 0 bis 18 breit aufgestellt“, sagte Carsten Braun und vergisst auch nicht der Gemeindevertretung für ihren Weitblick zu danken. 

Achtung Programmänderung. Der Beitrag von hr4 wird am kommenden Montag (8.Februar) um 15.30 Uhr gesendet

sig/Foto: Gerdau 

Ins Herborner „Haus des Lebens“ hat sich vermutlich wieder ein Corona-Virus eingeschlichen.

Das Seniorenheim „Haus des Lebens“ in der Herborner Kaiserstraße hat vermutlich wieder ein Fall von COVID-19. Die Einrichtung ist seit gestern für den Besucherverkehr geschlossen. Etwas genaues wüsste man jedoch noch nicht, sagte auf telefonische Anfrage Pflegedienstleiterin Carmen Decker. In wenigen Stunden beginnt eine umfangreiche Test-Aktion, durch die man den Anfangsverdacht eingrenzen und lokalisieren will. Im Haus des Lebens ist man, wie in allen Einrichtungen dieser Art, besonders sensibilisiert, wenn es um die Verhinderung von ansteckenden Krankheiten geht. Hierbei setzt man in erster Linie auf die Prophylaxe. sig/Foto: Siegfried Gerdau

Die Türen zum Haus des Lebens sind derzeit wieder für den Besuchsverkehr geschlossen.

Die Leitung des Herborner Haus des Lebens heute 31.01.2021 auf Facebook

In den Pflegeeinrichtungen werden mittlerweile regelmäßig die Mitarbeiter und Bewohner mit einem Schnelltest auf den Corona-Virus getestet. Dabei ergab sich im Seniorenzentrum Herborn / Haus des Lebens, dass am Wochenende zwei Mitarbeiter einen positiven Befund hatten. Durch den folgenden PCR-Test wurde das Ergebnis bestätigt. Durch das Gesundheitsamt veranlasst, wurden alle Bewohner und Mitarbeiter mit Unterstützung der Bundeswehr getestet und mittlerweile liegen die Ergebnisse der sogenannten PCR-Tests vor.Die positiv getesteten Bewohner kommen aus den beiden großen Wohnbereichen, so dass sich diese Bewohner nun in Zimmerquarantäne befinden. Die Angehörigen der betroffenen Bewohner wurden umgehend verständigt. Es dürfen nur noch die nötigsten Menschen die Einrichtungen betreten. Die Geschäftsführung berichtete über eine sehr angespannte Personalsituation. Es werde daher akut Personal für den Pflegebereich gesucht. Auch ungelernte Kräfte mit Pflegeerfahrung, die in der Einrichtung arbeiten möchten, sind willkommen. Interessenten können sich im Haus des Lebens in Herborn melden, Telefon 02772/5760-0.Mehr Infos zur Situation auf www.hausdeslebens.de

Stellungnahme einer Lehrerin zum Artikel „Homeschooling unzureichend umgesetzt“ vom 21.01.2021

Hallo Siggi, schreibt Julia (Anm.Red.)

ich verfolge deinen Blog regelmäßig und habe auch den Artikel (Brief) zu Home-Schooling gelesen. Die Sicht der Mutter und auch des Schülers ist verständlich. In meinem Freundeskreis habe ich allerdings einige Lehrerinnen und kenne auch deren Sicht auf die Dinge. Ich bekomme aktuell mit, wie herausfordernd die Situation ist, wie viel Arbeit, Telefonate, Mails, Konferenzen und Logistik rund um den eigentlichen Unterricht betrieben wird und dass sich fast täglich irgendetwas für die Lehrer:innen ändert. Daher habe ich die Lehrerin, die ich kenne, gebeten, ihre Sicht der Dinge aufzuschreiben und darzustellen. Gerne kannst du ihren Brief, ebenfalls anonym, posten.

Stellungnahme einer Lehrerin (Anm.Red.)

Liebe anonyme Mutter aus dem LDK,

Homeschooling ist für alle Beteiligte: Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen eine große Herausforderung. Es ist klar, dass es nur funktionieren kann, wenn alle drei zusammenarbeiten und nicht gegeneinander. Im Folgenden antworte ich auf Ihre Fragen und Anklagepunkte:

Warum man nicht alles per VK machen kann:

Viele Schüler:innen sind technisch sehr schlecht ausgestattet, fliegen ständig aus den Videokonferenzen heraus, hören nichts – und auf diese Weise sollen sie dann sechs Stunden Unterricht verfolgen? Auf die zukünftigen (Wissens-) Lücken freue ich mich dann natürlich besonders („Sorry, ich kann die Frage nicht beantworten, während Sie die Binomischen Formeln erklärt haben, hatten wir gerade Netzprobleme!“) und die mit Sicherheit folgende Elternschelte, man ziehe rücksichtslos den Unterrichtsstoff durch ohne (technisch/netzlose/finanziell/motorisch/sinngeschädigt) benachteiligte Schüler zu berücksichtigen.

Man darf daneben auch nicht vergessen: Manche Familien haben nur einen PC. Welches der drei Kinder hat nun das Privileg, den live-online-Unterricht – wahrscheinlich mit technischen Aussetzern – zu verfolgen?

Zoom find ich total klasse, kostet aber für mehr als 30 (+10) Min echt Geld (jetzt ziehen wir mal ein paar Minuten Unterrichtszeit ab, 45min werden definitiv überbewertet!)  – wer bezahlt die Lizenz? (Von den eigenen Kosten für meine technischen Dienstgeräte erzähle ich jetzt erstmal nichts). Leider beachtet der US-Konzern die Datenschutzbestimmungen mal so grad gar nicht – ist ja kein Drama, wenn die ganze US-Welt erfährt, wie doof sich doch das eigene Kind in Deutsch, Mathe oder Bio anstellt – und das für immer abgespeichert auf irgendeinem Server.

Zusätzlich nutzen einige Schüler:innen das Angebot früh angesetzter Videokonferenz leider nicht – mit der Begründung, sie würden doch mindestens bis 10 Uhr schlafen oder sie loggen sich nur „blind und stumm“ in die Konferenz ein und schlafen dann weiter.

Abgegebene Aufgaben:

Leider korrigiere ich alle abgegeben Aufgaben der SuS und es ist viel Arbeit pro Tag 60-150 schlecht abfotografierte, hingeschmierte, mit Rechtschreibfehlern triefende Werke zu korrigieren.

Im Präsenzunterricht hetzt man zwischen zwei Klassenräumen hin und her und ist nie wirklich in einer Klasse. Das „Diensthandy“ (ALDI-Talk sei Dank!) ist dabei immer angeschaltet, muss man doch für die restlichen Schüler:innen im Homeschooling für Fragen und Unklarheiten verfügbar sein. Nebenbei halten sich die Abschlussklassen kaum an die Hygiene-Vorschriften, wenn keine Lehrkraft in der Nähe ist. Kein Problem. Wenn Corona in der Klasse ausbricht, wir können weitermachen, der Rest geht in Quarantäne. Ein Hoch auf die FFP2-Maske!

Die meisten Kollegen von uns arbeiten das Wochenende durch, da das Pensum unter der Woche aktuell nicht zu schaffen ist. Klar, es gibt viele schwarze Schafe. Das stimmt und die gibt es leider überall. Man hätte sich in der (Schul-) Politik mehr kümmern können, aber die Situation ist nicht änderbar und wir müssen alle zusammen und gemeinsam das Beste aus der Situation machen.

Mit freundlichen Grüßen

Hinzufügen möchte ich noch eine kleine Anmerkung aus IT-Sicht. Auch in Unternehmen hat man mit den Herausforderungen der Corona-Situation zu kämpfen (Home-Office, Videomeetings, IT-Infrastruktur usw.). Hier gibt es glücklicherweise oft eine Abteilung, die sich darum kümmern kann. In der Schule ist das anders. Für die IT wird meist eine einzige Lehrkraft auserwählt, die IT-affin ist und sich neben ihrem Job um Netzwerk, Laptops & Co. kümmern muss. Zudem setzt man bislang bei Lehrer:innen selbstverständlich voraus, dass sie ihre Privatgeräte (Laptops, Tablets, Smartphones) einsetzen und für Eltern und Schüler – rund um die Uhr – verfügbar sind. In einem (gesunden) Unternehmen undenkbar!

Die Corona-Situation zeigt, wie unter einer Lupe, auf, was in den letzten Jahren verschlafen und verpasst wurde. Nun bleibt nichts anderes übrig als das Beste, gemeinsam, aus der Sache zu machen und dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten einigermaßen unbeschadet herauskommen.

Liebe Grüße

Julia

Homeschooling unzureichend umgesetzt?

Was auf den Tischen des Föderalismus verhackstückt und scheibchenweise, nicht immer verständlich, an die Bürger der einzelnen Bundesländer per Verordnung oder Gesetz weitergereicht wird, kann offenbar an der Basis nur unzureichend umgesetzt werden. Die Rede ist vom Heim-Schul-Unterricht während der Covid-19-Pandemie. Eine Mutter machte jetzt ihrem Ärger Luft und wollte den nachfolgenden Brief an das Hessische Kultusministerium schreiben. Aus unbekannten Gründen scheiterte ihr Vorhaben jedoch und sie bat mich ihn in gerdaus-welt zu veröffentlichen.   

Warm angezogen und total einsam erledigt dieser Gymnasiast seine Schulaufgaben in freier Natur. Foto: Gerdau

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben heute Morgen einen Bericht bei MOMA (ARD) über eine Schule in Köln-Zollstock gesehen. Dort erhalten die Kinder per ZOOM digitalen Unterricht. Warum ist dies nicht an unserer Schule – Johanneum-Gymnasium in Herborn- möglich? Ständig werden die Lehrer hoch in den Himmel gelobt, wie sie die Schulsituation in der Pandemie meistern. Ehrlich gesagt fängt die Daseinsberechtigung der meisten Lehrer unserer Kinder an zu bröckeln. Unter Distanzunterricht stellen wir uns als Eltern etwas Anderes vor. Es wird von der Schule Material am Anfang der Woche geschickt und die Kinder müssen es innerhalb der laufenden Woche selbständig be- und erarbeiten. Bei neuen Themen müssen wir Eltern als Lehrer herhalten und es den Kindern erklären, beziehungsweise beibringen. Das hat für uns nichts mit Digital-Unterricht zu tun. Es gibt genau zwei Lehrer in der Klasse unserer Kinder, die einmal pro Woche für eine halbe oder eine Stunde eine Videokonferenz abhalten-wenn es denn über I-Serv funktioniert. ZOOM und CO ist ja angeblich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Das Erstaunliche daran ist, dass fast jedes Unternehmen aktuell Termine per ZOOM/TEAMS/GOOGLE-MEETs und anderen Videokonferenz-Tools durchführt. Jeder Workshop, jedes Seminar wird aktuell als Webinar durchgeführt. Wo also ist das Problem? Lehrer- die ja vermutlich auch eine 35-40 Stunden-Woche haben- könnten ihre Unterrichtsstunden vor der Kamera abhalten. Meiner Meinung nach, machen es sich die meisten Pädagogen sehr einfach. Selbst mein 13-Jähriger Sohn hat schon gefragt, warum nicht einfach nach Stundenplan per Video-Konferenz-Unterricht stattfindet. Das ist nicht mal das, was ich erwarte. Aber mindestens ein bis zweimal, pro Woche und Fach, vernünftiger Unterricht, wäre ja schon mal ein Anfang. Meiner Meinung nach sind es die Lehrer, die keine Lust darauf haben, sich mit den neuen Medien zu beschäftigen. Überall werden aktuell Video-Konferenzen durchgeführt (wie wir bei den vielen Pressekonferenzen ja mitbekommen – auch in der Politik). Von Unternehmen wird verlangt, dass Homeoffice-Möglichkeiten geschaffen werden. Nur die Lehrer, die aktuell mehr Urlaub als viele andere haben, gehen diesen Weg nicht und werden noch dazu, im Gegensatz zu Menschen, die aufgrund von Schließungen in Kurzarbeit geschickt werden, normal weiterbezahlt.

Es wäre schön, hierzu ein Feedback zu erhalten!

Vielen Dank

Mit freundlichen Grüßen

(Name der Redaktion bekannt)

PS: Ich habe jetzt nur vom Johanneum geschrieben, aber dieses Problem betrifft auch andere Schulen, wie beispielsweise die Johann-Heinrich-von Alstedt-Schule in Bicken-Ballersbach. Ich habe heute Morgen noch mit einer Mutter telefoniert. Sie hatte die Lehrerin angesprochen und wollte wissen, warum die Kinder (1. Klasse) überhaupt kein Feedback zu ihren Aufgaben erhalten würden. Die Antwort der Lehrerin: „Ich kann doch nicht die Aufgaben von allen Kindern durchsehen“.