Die Maßnahmen, um die Menschen vor dem Corona-Virus Covid-19 weitgehend zu schützen, werden Zug um Zug gelockert. Dennoch weisen die verantwortlichen Stellen der Bundesländer immer wieder daraufhin, dass Leichtsinn ein Wiederaufflammen der Pandemie hervorrufen kann. Es wird auch weiterhin das Tragen von Mund-und Nasen-Schutz angeraten und auch der Abstand von Mensch zu Mensch sollte mindestens 1,80 Zentimeter betragen. Während man zahlreiche Menschen sieht, die selbst alleine in ihren PKW oder auf einsamen Spaziergängen ihre Maske brav über Mund und Nase tragen, sieht man andernorts genau das Gegenteil davon.
Eben bekam ich einige Fotos und einen gar nicht so aufbauenden Erlebnisbericht von einem guten Freund. Er hält sich zurzeit zu einem Kuraufenthalt auf der Nordseeinsel Föhr auf und schreibt:
“ Wenn ich das Treiben rund herum so anschaue, mag ich nicht glauben, dass es immer noch eine Pandemie mit COVID-19 gibt. Die Menschen drängen sich zu hunderten durch die Straßen und vor den Geschäften und Gaststätten. Mund- und Nasenschutz ist in der Regel nicht vorhanden und Abstand hält so gut wie niemand. Den Hammer der Woche erlebte ich gestern am Eingang eines Restaurants, dass täglich von 11- 21 Uhr geöffnet hat. Ein Schild weist daraufhin, dass in den Wirtsräumen nur Menschen ohne Mundschutz gern gesehen sind. Nicht zu fassen und in der Hoffnung, dass das alles mal gut geht verbleibe ich Euer Freund.“
Da fehlen einem wirklich die Worte besonders dann, wenn man wie ich gerade erst die „Wiedergeburt“ eines guten Bekannten aus dem Corona-Koma erlebt hat. Der 50-Jährige wurde 14 Tage lang ins künstliche Koma gelegt und beatmet. Insgesamt dauerte sein Krankenhausaufenthalt vier Wochen. Jetzt kann er den linken Arm nicht mehr bewegen und hat kognitive Ausfallerscheinungen. Vielleicht sollten sich die Masken- und Abstandsverweigerer einmal auf diversen Krankenhausstationen umschauen. Aber leider ist das ja wegen der Ansteckungsgefahr nicht möglich.
Nordseeinsel Föhr am 10. und 11. 2020
Nachzulesen auch bei Facebook unter Siegfried Gerdau
Herborns Bürgermeisterin Katja Gronau hat ein nicht alltägliches Hobby und das ist die Bienenzucht. Immer wenn es ihre knappe Zeit zulässt, verbringt sie die auf der Wiese unter den schönen Obstbäumen unweit ihres Hauses in Herborn-Guntersdorf.
Hobby-Imkerin Katja Gronau
Hier hat sich die 50-Jährige ein Refugium geschaffen, dass es ihr ermöglicht den Stress langer Sitzungstage und Verwaltungs-Aufgaben abzubauen. „Wer mit Bienen verantwortungsvoll umgehen will, muss dies mit äußerster Ruhe tun“, erklärt die ehemalige Kripobeamtin.
Die Bürgermeisterin im Interview mit Mike Marklov
Schon in ihrer Zeit als Polizistin habe sie sich ihrer Bienenzucht gewidmet und in den vielen Jahren immer wieder dazu gelernt. Zwischen 30 und 50 000 der Tierchen, die in hochsozialen Gemeinschaftsformen leben, werden von Katja Gronau betreut. HR-Radio-Reporter Mike Marklov will von der Bürgermeisterin wissen, wie es dazu gekommen sei, dass sie eigene Bienen habe.
„Ja, das kann ich ihnen gar nicht so genau sagen“, antwortet sie lachend und fügt hinzu: „Da war 2010/2011 so ein Gedanke, dass ich mehr über Bienen wissen wollte.“ Sie beschaffte sich Literatur, aber dadurch konnte sie sich nicht so informieren, wie sie es sich vorgestellt hatte.
Imkerei auf der grünen Wiese.
Sie wollte Praxiserfahrung sammeln und ein Bekannter, ebenfalls Imker, hat sie darin bestätigt es ihm gleichzutun. Reizvoll sei für sie gewesen, sich dadurch aktiv im Naturschutz betätigen zu können. Im folgenden Jahr musste sie allerdings feststellen, dass die Honigproduzentinnen richtig viel Arbeit machen. Beim Erzählen verliert sie sich im Fachchinesisch und muss immer wieder erklären was Entdeckeln, Honigwaben herausnehmen, Schleudern, Rühren bedeutet. Mit all diesen Tätigkeiten gehöre die Saison von Ende April bis Anfang August ihren Bienen.
Kontrolle muss sein
Es habe tatsächlich vom ersten Anlauf geklappt und das sei der Tatsache geschuldet, dass ein Bienenvolk zu den Naturvölkern gehöre und „wenn man die nicht ärgert kommen die ganz gut zurecht und sind vor allen Dingen friedlich.“ Ihr gebe die Arbeit mit diesen hochintelligenten Insekten einen freien Kopf. Vorrausetzung sei jedoch, dass sie vor dem Gang zum Bienenvolk ihren Stress ablege. „Wenn ich angespannt hingehe, merken die Bienen das sofort und reagieren entsprechend-auch mal aggressiv.“ Lachend gibt sie zu, dass sie das erste Mal, als sie diese Regel nicht beachtete, die volle Dröhnung abbekommen habe.
1. Lektion: Als Besucher nie die Einflugschneise verdecken.
In fünf Stöcken, ähnlich einem Mehrfamilienhaus leben Gronaus Tiere und die Nektar-Beschafferinnen unter ihnen kennen im Umkreis von drei Kilometer jede schmackhafte Blüte. Das ist Übrigens die Aufgabe einer bestimmten Kaste der weiblichen Bienen, die Männer auch Drohnen genannt stehen lediglich der Königin als Begatter zur Verfügung und da sie ansonsten nur unnütze Fresser sind, werden sie am Ende der Saison in die Wüste gejagt.
Die Drohne oder vom Imker nur Drohn genannt, hat keinen Stachel.
Jedes Volk habe nur eine Königin und die sorge unaufhörlich für Nachwuchs. Für dessen Aufzucht und Pflege seien wiederum die Arbeitsbienen zuständig, weiß die Hobby-Imkerin. „Der Sozialstaat der Bienen ist eine Demokratie, in dem die Macht ausschließlich vom Bienenvolk und nicht von der Königin ausgeht“, erklärt die Guntersdorferin.
Die Königin ist auch in Gronaus Stock mit einem Farbpunkt gekennzeichnet.
Das Volk entscheidet -ausgenommen der Drohnen- darüber ob sie ihre Königin behalten, verjagen oder sogar töten will. Wenn diese nicht in der Lage ist den notwendigen Nachwuchs zu produzieren, hat sie ihre Position verwirkt und das Volk züchtet sich eine neue. In diesem Zusammenhang ist es auch kein Imkerlatein, dass die Bienen perfekt miteinander kommunizieren.
Gut sind die Larven in den sechseckigen Waben zu erkennen. Ganz rechts schlüpft gerade eine Biene In der Bildmitte die Biene mit den auf dem Rücken gefalteten Flügel ist gerade geschlüpft.
Die Aufgabenhierarchie ist ebenfalls im Staat klar geregelt. Kaum geschlüpft, muss die Biene Putzaufgaben in den von ihren Vorgängerinnen perfekt konstruierten sechseckigen Waben übernehmen und füttert danach die Brut. Das Gleiche gilt für ihren Aufstieg als Wächterinnen, Wachsproduzentinnen, Nektarsammlerin oder sogar als Produzentin der Königinnennahrung, dem Gelee Royal. Die Königin- die von den Imkern meist mit einem Farbpunkt gekennzeichnet wird- wiederum entscheidet sich bei der Eiablage für eine Drohne oder eine Biene. Dazu misst sie mit ihren Fühlern die Waben aus. Diese sind für die Bienen rund fünf und die für Drohen sechs Millimeter im Durchmesser. „Drei, fünf, acht, Königin gemacht, bedeutet drei Tage Ei, fünf Tage Larve und acht Tage in der Puppe bis zur Reifung und die Königin schlüpft“, doziert Katja Gronau. Bei der Biene dauert es 21 Tagen und der Drohn braucht 24 Tage um das Licht der Welt zu erblicken, ergänzt sie das Gesagte.
Was für den Mensch ein gnadenloses Gewimmel ist, hat im Bienenvolk eine sinnvolle Ordnung.
Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Züchterin Respekt vor den Tieren hat. Daraufhin angesprochen meint sie: „Wenn man mit Tieren als auch mit Menschen arbeitet muss man Respekt haben, sonst hat man es nicht verdient“, so ihre einfache Erklärung. „Wer profitiert eigentlich am Ende von ihrem Wirken, will der Rundfunkmann wissen. „Die Biene und die Natur“, antwortet Gronau wie aus der Pistole geschossen.
Blühender Lavendel ist ein Festessen auch für Wildbienen
Als Imker könne man nichts verdienen, gleichwohl sie ihren Honig gerne veräußert. Die Einnahmen flössen den Tieren wieder zu, sei es für die Winterfütterung, den Bau und die Instandhaltung der Kästen und so weiter. Der Aufenthalt beim Bienenvolk war im Übrigen wenig spektakulär. Gut behütet und mit der entsprechenden Schutzkleidung ausgestattet konnten wir uns ganz nah an den Bienenkästen bewegen.
Wenn man richtig mit ihnen umgeht, lassen sich die possierlichen Tierchen nicht stören.
Auch als Katja Gronau die Kästen öffnete und einzelne Rahmen herausnahm, blieben die Tiere auffallend friedlich. Sie spürten offenbar, dass ihnen keine Gefahr droht. Sogar einige Kostproben des edlen Honigs aus den Waben mit den bloßen Fingern entnommen, akzeptierten sie. Meine Hochachtung vor diesen Lebewesen war schon immer groß, jetzt ist sie ins Uferlose gewachsen. Text und Fotos: Siegfried Gerdau
Dieser „Netz-Fund“ hat mich dazu bewogen, zu einem Thema Stellung zu nehmen, welches mir persönlich aus den unterschiedlichsten Gründen am Herzen liegt. Nachfolgend gebe ich das wieder, was Christian Erhardt zum Thema Lokal- und Tageszeitung zu Papier gebracht hat. Was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass einige Facebook-User in ihren Kommentaren sehr konkret dazu Stellung bezogen haben.
VON CHRISTIAN ERHARDT
Chefredakteur | KOMMUNAL
9. JUNI 2020
Die Lokalzeitung vor Ort ist auch für Kommunalpolitiker und Rathäuser häufig neben dem Amtsblatt die einzige Möglichkeit, sich und seine Kommunalpolitik vor Ort zu erklären. Eine neue Studie sagt nun, dass die Lokalzeitungen in 40 Prozent aller Kommunen in Deutschland schon in fünf Jahren nicht mehr wirtschaftlich sein werden. In 4400 Gemeinden droht somit das Sterben der Lokalzeitungen. Welche Auswirkungen das hätte, zeigen verschiedene Studien.
Die Lokalzeitungen in Deutschland geraten seit wenigen Jahren in eine enorme Schieflage. Waren im Jahr 2014 noch in allen 11.000 deutschen Gemeinden Lokalzeitungen betriebswirtschaftlich zustellbar, ist dies heute schon in 720 Gemeinden nicht mehr der Fall. Laut Studie des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) können in diesen Gemeinden die Verlagshäuser die Bürger nicht mehr zu betriebswirtschaftlich sinnvollen Konditionen mit Abos beliefern. Und die Prognose für die Lokalzeitungen sieht düster aus: Bis zum Jahr 2020 soll der Versorgungsengpass 4400 Kommunen betreffen – also rund 40 Prozent aller Städte und Gemeinden in Deutschland.
Warum kommt die Lokalzeitung nicht einfach digital daher?
Viele Verlagshäuser bemühen sich bereits, digitale Angebote vorzuhalten. Hier tun sich laut Zeitungsverlegerverband aber zwei Probleme auf. Erstens: Durch die gleichzeitig sinkende Zahl der Abonnenten ist auch dieses Modell oft nicht wirtschaftlich. Denn immer mehr Leser weichen auf kostenfreie Angebote im Netz aus, verzichten im Zweifel auf eine lokale Berichterstattung. Zudem rechnet der Verband vor, dass es mit Blick auf digitale Bezahlangebote eine Übergangslücke von mindestens fünf Jahren gibt. Das bedeutete, frühestens fünf Jahre nach der Umstellung auf „digital“ greife das Geschäftsmodell. Eine Zeit, die viele Verlage nicht überstehen würden, so der Verband.
Zweites Problem: Vor allem Ältere Leser sind nicht bereit und in der Lage, von der gedruckten auf die digitale Version umzustellen. Das laufe schon deshalb ins Leere, weil es bis heute in Deutschland vielerorts „an der notwendigen Netzabdeckung mangele“, so ein Sprecher.
Der Verband fordert deshalb eine Förderung bei den Zustellkosten. Diese belaufen sich deutschlandweit pro Jahr auf fast 1,4 Milliarden Euro – Tendenz stark steigend. Hier waren die Kosten mit der Einführung des Mindestlohns bereits deutlich gestiegen. In den nächsten fünf Jahren dürften die Zustellkosten auf rund 1,8 Milliarden Euro steigen. Im Gegenzug sinken die Werbeeinnahmen der Verlage seit Jahren. Die Coronakrise habe die Situation nun noch drastisch verschärft. Die Kosten für das Austragen einer Lokalzeitung belaufen sich im Moment auf durchschnittlich gut 45 Cent. Der Bund hat bereits eine Förderung bei der Zustellung beschlossen.- knapp ein Cent pro ausgetragenem Zeitungsexemplar. Das reiche jedoch nicht – der Verband verweist auf die Förderung der Computer- und Filmindustrie, in dem Bereich sei die Förderung 22 Mal so hoch, wie es für die Unterstützung der Zeitungszustellung vorgesehen sei.
Studien weisen Zusammenhang zwischen Sterben der Lokalzeitungen und Bedrohung der Demokratie nach
Inzwischen gibt es mehrere anerkannte Studien, die einen klaren Zusammenhang zwischen dem Sterben der Lokalzeitung vor Ort und der Wahlbeteiligung vor Ort sehen. KOMMUNAL hatte in einem Leitartikel bereits vor über einem Jahr ausführlich eine Studie aus der Schweiz zu dem Thema vorgestellt. Den Beitrag können Sie HIER noch einmal in Ruhe lesen.
Schon etwas älter, aber nicht weniger aktuell und dramatisch ist eine empirische Studie aus den USA. Zwei Forschern war es dort gelungen, einen klaren Zusammenhang zwischen dem Zeitungssterben und dem politischen Leben in einer Region herzustellen. Die Princeton-Wissenschaftler untersuchten dazu ein Gebiet im US-Bundesstaat Kentucky.
In der Region wurde im Jahr 2007 die Tageszeitung „Cincinatti Post“ eingestellt. somit gab es in der Region ab dem Zeitpunkt nur noch eine Tageszeitung, nämlich den „Cincinnati Enquier“. Die Forscher stellten fest, dass diese sich mit einigen Orten des Veröffentlichungsgebietes weniger stark beschäftigte, als zuvor die „Post“. In genau diesen Orten ging die Wahlbeteiligung in den darauffolgenden Jahren spürbar zurück, in den anderen Orten bei weitem nicht so stark. Die Ergebnisse wurden Jahre später durch eine Langzeituntersuchung durch Wissenschaftler aus Havard und Chicago ebenfalls bestätigt. Die Wahlbeteiligung sank auch langfristig deutlich.
Auch Politikwissenschaftler im deutschsprachigen Raum weisen Zusammenhang zwischen Lokalzeitungen und Wahlbeteiligung nach
Der Politikwissenschaftler Daniel Kübler von der Universität Zürich hat im vergangenen Jahr eine ähnliche Studie in der Schweiz durchgeführt. Die Uni hat gut 400 Gemeinden in der Schweiz untersucht. und die dortige Kongruenz des lokalen Zeitungsmarktes untersucht. Das heißt, inwiefern der Markt der Lokalzeitungen einem Raum entspricht, etwa einer oder mehrerer Wahlgemeinden. Im Interview mit dem Fachmagazin Drehscheibe beschreibt Kübler die Studie wie folgt: „Wenn alle Leser der im Verbreitungsgebiet erscheinenden Zeitungen auch im Verbreitungsgebiet leben, ist die Kongruenz gleich eins. Wenn keiner der Leser der Zeitung im Verbreitungsgebiet lebt, ist die Kongruenz gleich null. Empirisch liegt der Wert immer irgendwo dazwischen. Man kann aber davon ausgehen, dass eine höhere Kongruenz dazu führt, dass Medien über politische Ereignisse in diesem Raum berichten. Was wiederum zu einer höheren Wahlbeteiligung führt.“
Im Ergebnis fand er heraus: Wenn sich ein Einzugsgebiet einer Lokalzeitung geografisch erhöht und somit weniger aus den einzelnen Gemeinden berichtet wird, führt das zu einer De-Lokalisierung und zu einer Ent-Öffentlichung des Lokalen. Die Folgen beschreibt Kübler wie folgt: „Es würde zu einer Entfremdung zwischen Gemeindepolitik und Bevölkerung kommen. Letztens wurde ich gefragt, ob das für die Gemeindepolitiker nicht auch angenehm wäre – schließlich würde niemand mehr kritisch über sie berichten. Aber diese Sichtweise ist falsch. Weil die Politik mit der Bevölkerung abgestimmt sein muss. Wenn sie es nicht ist, kann es sein, dass Politiker etwas beschließen, das völlig gegen die Interessen der Bevölkerung gerichtet ist. Dann kann es zu Protesten kommen. Die Politik würde so unberechenbar, das wäre auch für die Behörden ein Problem.“
Die Uni Zürich liefert zudem einen Grund, warum die Digitalisierung der Lokalzeitungen wirtschaftlich – mal abgesehen von der Zahl der Abos – wenig erfolgreich ist: „Je kleiner der Markt, desto schwieriger ist es. Früher haben lokale Medien davon profitiert, dass Unternehmen aus der Region auf ihren Seiten Anzeigen geschaltet haben. Heute ist das entkoppelt. Sie können den Guardian oder die New York Times lesen und bekommen dabei Werbung für ihren lokalen Metzger angezeigt. Die neuen Möglichkeiten der Online-Werbung haben den klassischen Werbemodellen den Boden entzogen, besonders im Lokaljournalismus.“
Zeitungssterben bedroht lokale Demokratie
Je weniger die Medien über lokale Politik berichten, desto geringer ist die Wahlbeteiligung – das zeigt eine neue Studie. Was tun? Ein Kommentar!
Zeitungssterben führt auch zum „Kampf“ gegen Amtsblätter vieler Kommunen
Je stärker die Lokalzeitungen unter Druck geraten, desto härter gehen die Verlage übrigens auch gegen Kommunen vor, die versuchen, diese Lücke der Berichterstattung in immer größeren Einzugsgebieten zu schließen. Immer häufiger kommt es zu Klagen gegen Amtsblätter der Kommunen, wenn diese „journalistische Berichterstattung“ betrieben oder Anzeigen in ihren Lokalzeitungen veröffentlichen. Beides ist in der Tat rechtlich nicht erlaubt. Amtsblätter dürfen nicht „journalistisch“ berichten und auch Anzeigen sind maximal in einem sehr eng gefassten Rahmen erlaubt. Was rechtlich zulässig ist und was nicht, darüber haben wir bei KOMMUNAL mehrfach ausführlich berichtet, unter anderem in einem Audio-Podcast mit dem Deutschlandfunk, den Sie HIER Nachhören können.
Meine persönliche Meinung zum Thema:
Die Entscheidung ob Zeitung bleibt oder nicht, trifft alleine der Bürger. Wer jedoch glaubt der Gegenwert von fünf Päckchen Zigaretten im Monat sei für eine Tageszeitung zuviel, braucht sich nicht zu beschweren, wenn er in absehbarer Zeit keine Informationen aus seinem Umfeld mehr erhält. Sicherlich gibt es auch noch andere Faktoren, die an der Existenz der gedruckten Medien nagen. Zeitung ist jedoch auch ein Kulturgut und wer darauf Wert legt, sollte sich wirklich überlegen, ob er dies wegen ein paar Euro im Monat aufs Spiel setzen möchte. Das große Sterben der Lokalzeitungen wird sich rasant beschleunigen – das dies ist eine Gefahr für die lokale Demokratie, zeigen Studien
Kommentare
Anna-Lena Wallenfels
Wenn ja wenigstens noch was Lokales drin stehen würde. Das hat so sehr nachgelassen und es geht fast nur noch ums Weltgeschehen (was natürlich nicht weniger wichtig ist). Das ist bei vielen Leuten die ich kenne der Grund, dass sie keine Tageszeitung mehr wollen.
· Antworten · 19 Std. ·
Anke
Das ist wie mit so vielem was Kultur betrifft – immer eine Frage des Geldbeutels. Und die Armut in Deutschland wächst leider unaufhaltsam, da überlegt man dreimal ob man eine Zeitung kauft. Zumal der Lokalteil wirklich den geringsten Teil der „lokalen“ Zeitung ausmacht.
· Antworten · 19 Std.
Helga Krell
Ich kämpfe auch schon geraume Zeit mit mir und dem Gedanken die Zeitung ab zu bestellen. 42.80€ ist viel für das Wenige im Lokalteil und die Todesanzeige. Die aktuellen Weltnachrichten habe ich bereits am Abend zuvor im TV gesehen. Sport interessiert mich nur wenn es den heimischen Raum betrifft. Also, was bleibt? 🤷♂️Warum kommt auch der Herborner Anzeiger nicht mehr mit der Zeitung? Wenn ich ihn erhalten will bin ich gezwungen den ganzen Reklamemist von Kompakt dazu zu nehmen. 😫
· Antworten · 18 Std.
Birgit Weigel-Rodius
Für mich gehört meine Tageszeitung unbedingt dazu. Ich kann‘s mir gar nicht anders vorstellen. Auch wenn sie natürlich besser war, als ich noch dort gearbeitet habe😂. Wenn man allerdings als Jounalist für seine Mitarbeit heute noch genauso mies bezahlt wird wie vor 30 Jahren, können keine schönen Geschichten entstehen. Trotzdem bleib ich dem Ding treu bis zum Untergang. Mitarbeiten werde ich zum Selbstkostenpreis nicht mehr. Schade, Ideen hatte ich viele …
· Antworten · 18 Std.
Jürgen Heckmann
Wie immer, auf den Inhalt kommt es an. Leider ist gerade das Herborner Tagblatt ein gutes Beispiel für die Veränderung einer Tageszeitung, wenn Hauptentscheidungsträger sehr weit weg vom Puls der Leser sind. Die Samstag-Sontag Ausgabe hat gefühlt 5% lokalen Anteil am Gesamtumfang. Dann kommt ein fetter Teil Ratgeber, Krankheit und Kultur, dann die Einnahmequelle (wichtig sonst wäre eine Tageszeitung noch teurer) dann noch viel Internationales, alt weil von gestern (Nachteil einer Zeitung). Alles nicht mehr so prickelnd.
Ich hänge aber an meiner Zeitung. Morgens mit einer guten Tasse Kaffee in Ruhe Zeitung lesen (dafür stehe ich auch früher auf) ist kult.
· Antworten · 17 Std.
Peter Heidrich
Ich brauche auch meine Tageszeitung. Ich bin an den Edersee gezogen und bekomme die Waldecker Zeitung in Papier und das Herborner Tageblatt als E-Paper. Ich möchte auch weiter teilhaben an den Herborner Nachrichten. Zeitung ist ein wichtiges Kulturgut.
· Antworten · 17 Std.
Hans-Dieter Wieden
Lieber Siggi, da muss ich Dir recht geben. Man gibt soviel unnötig Geld für Dinge aus, die man nicht braucht. Die Zeitung, ob in Papier oder digital gehört zur Heimat. Außerdem brauche ich das Herborner Tageblatt allein schon um Deine tollen Bilder zu sehen.
· Antworten · 17 Std.
Lukas Philipp Winkler
Ist nicht nur eine Frage des Geldbeutels. Unsere Zeitungsgruppe sorgt leider mit vielen Entscheidungen, die in Mainz getroffen werden, dafür, dass Leser unzufrieden werden. Das Herborner Zeitungshaus ist dicht. War eine frequentierte Anlaufstelle inmitten der Altstadt. Ich freue mich jede Woche auf Deine Unfrage, lieber Siggi. Allerdings finde ich es furchtbar, dass Vereine und Parteien seit Jahren zu Veranstaltungen einladen und einfach niemand von der Presse anwesend ist. Danach nehmen wir uns die Zeit, eigene Artikel zu verfassen, die dann entweder verkürzt, nach langem Bitten und Betteln oder häufig einfach gar nicht veröffentlicht werden.
Ich fand es schon sehr schade, dass die heimische Presse beim Besuch des Kanzleramtsministers am 1. Februar in Seelbach mit über 80 Gästen nicht anwesend war und der Artikel erst auf mehrfache Nachfrage Ende Februar veröffentlicht wurde. So etwas macht einfach unzufrieden.
· Antworten · 16 Std.
Siegfried Gerdau
Ich bin sehr froh über diese sehr nachdenkenswerten Kommentare. Hoffentlich erreichen sie die zuständigen Stellen. Ich hoffe auf weitere Zuschriften zum Thema.
· Antworten · 13 Std.
Carsten Geiß-Preuschoff
Ich kann mich Lukas Philipp Winkler nur anschließen! Die regionalen Nachrichten haben stark nachgelassen, Vereine fallen völlig „hinten runter“, Berichterstattung über Veranstaltungen derselben ebenso oder werden lieblos irgendwie „abgefrühstückt“. Eine richtige kulturelle Besprechung z.b. von Vereinskonzerten findet gar nicht statt. So kommt es, dass die Zeitung sogar Schuld ist am kulturellen Einerlei: Beispiel des Wirkkreislaufs anhand der Chorszene der Region: es gibt rund 60 Chöre in der Gegend Haiger-Dillenburg-Herborn. Davon sind einige aktiver, andere nicht, einige „besser“, andere legen andere Schwerpunkte. Das merkt man deren Auftritten auch an. Das soll nicht wertend gemeint sein. Wenn nun bei Konzerten seit Jahren nur das Programmheft mit verbindenden Worten abgeschrieben wird oder der Verein schreibt den Artikel selbst, ist natürlich die Besprechung des Konzerts nicht vorhanden. Das merken irgendwann auch die Leser und lesen es nicht mehr. Das wiederum merken die Redaktionen und drucken es nicht mehr mit der Begründung, es interessiere ja niemanden (selbst wörtlich so gehört!). Also erscheinen Chöre nicht mehr in der Zeitung und rücken in der Wahrnehmung der Leute stark nach hinten, es gehen weniger leute zu Konzerten oder nehmen Erfolge wie Wettbewerbsteilnahmen usw wahr. So kommt es, dass die Haltung der Zeitung zum Niedergang der Kulturszene beiträgt, das frustriert, nimmt die aktiven und deren Anhang nicht unbedingt für die Zeitung ein. Siggi, du hast uns selbst gehört, es kann nicht sein, dass ein Großteil der Leute gar nicht weiß, dass wir – ohne zu übertreiben – hessenweit zu den besten Chören zählen! Das ist auch ein „Verdienst“ der Zeitung…
Eine der schönsten und liebreizenden Gegenden, die ich in meinem bisherigen Leben besucht habe, ist zweifelsohne die Provence. Ohne COVID- 19 wäre ich jetzt auch dort wieder unterwegs und würde die Seele baumeln lassen, gut Essen und Trinken und vor allem immer wieder fotografieren.
Das Schöne ist immer bizarr
Wenn ich von der Provence spreche, meine ich nicht den Küstenabschnitt Cote d´Azur am Mittelmeer. Die Heimat des „Homme de Provence“ ist ganz grob umrissen: Cavaillon im Westen, St-Saturnin-les-Apt im Norden, Manosque im Osten und Pertuis im Süden. Hier ist man Frankreich und den Franzosen am nächsten oder fühlt es zumindest so.
Wochenendhaus im Luberon in der Hautes Prairies. Im Hintergrund rechts der „le Tour du Luberon“
Auch der provenzalische Dialekt ist uns Deutschen vielleicht deshalb so sympathisch, weil er den hochfranzösischen Ohren immer ein wenig weh tut. Verstehen tun ihn Franzosen und auch Deutsche nie so ganz richtig, aber das haben Dialekte, wenn sie akkurat gesprochen werden, ja so an sich. Was ist denn nun der eigentliche Reiz einer Gegend, die weder Strände noch Ballermänner hat? Schwer zu beschreiben. Man muss die Provence erfahren und mit allen Sinnen erleben. Angefangen beim Klima, dem Licht, den Farben und natürlich der Lebensfreude und dem „savoir vivre“, dem Wissen zu leben.
Cucuron
Wir Deutschen leben, um zu arbeiten unsere Nachbarn hingegen arbeiten um zu leben, heißt ein Spruch, der viel Wahrheit enthält und dennoch eher ein Klischee ist.
Frühstück im Café Gabi in Loumarin
Die Provence ist keine Gegend die man in der Hochsaison bereist. Dann ist es voll, sehr heiß und auch der Service leidet darunter. Auch die Preise sind dem Ansturm angepasst. Am besten reist man im französischen Frühjahr oder im Herbst bis Ende September. Welcher Jahreszeit ich den Vorzug gebe habe ich in den langen 40 Reisejahren zu unseren französischen Nachbarn noch nicht herausgefunden. Einzig die Lavendelblüte im Ende Mai/Juni ist mir in all den Jahren fast immer durch die Lappen gegangen.
Die kultivierten Reichen und Schönen haben die Traumlandschaft schon lange für sich entdeckt. Sie sind da, wohnen in wunderschön restaurierten Häusern, aber Protz ist selten anzutreffen. Alles passt in die Landschaft und so leben Otto-Normalverbraucher und Millionär eher in einer guten Symbiose.
Centre Ville Loumarin (Café Gabi am Place Ormeau)
Franzosen gehen gerne essen und das bevorzugt an den Wochenenden. Also sind Plätze in guten Restaurants nur mit Reservierung zu haben. Diese sogenannten guten Restaurants sind nicht immer auf den ersten oder zweiten Blick von außen erkennbar. Da hilft schon eher die Speisekarte mit oft den sehr gepflegten Preisen weiter.
Déjeuner in Pertuis
Dass die Gallier sich nur von Schnecken ernähren stimmt übrigens so wenig, wie es die deutschen Sauerkrautesser gibt. Davon abgesehen sind Schnecken und besonders die Saucen dazu sehr lecker.
Ockerfelsen bei Roussilion
Ein weiteres Vorurteil, welches in der Regel von durchrasenden Spanienurlauber gepflegt wird, ist das Märchen vom unsauberen Land, baufälligen Häusern und verrosteten Autos. Alles Käse, und den essen die Franzosen liebend gerne. Er fehlt bei keinem Nachtisch. Bei mehr als 200 Käsesorten aller Geschmacksrichtung kein Wunder.
Bories bei Saignon
Was den Individualreisenden, ob mit PKW oder Wohnmobil, interessieren dürfte. Ich habe in den letzten Jahren nirgendwo so viele Radareinrichtungen gesehen. Erleben möchte ich sie nicht, denn die Bußgelder in Frankreich sind für unsere Verhältnisse dramatisch hoch. In geschlossenen Ortschaften Tempo 50. Auf Landstraßen 80 und auf den „Route Nationale“ ist 90 (bei vier Spuren 110) angesagt. Die meist mautpflichtigen Autobahnen begrenzen bei Tempo 130. Die große Mehrheit der französischen Autofahrer hält sich daran und die meisten sind sehr rücksichtsvolle und höfliche Zeitgenossen. In großen Städten mag das anders sein, aber hirnlose Raser findet man auf der Autoroute sicher selten. Handy am Ohr kostet in Frankreich 135 Euro. Bei Alkohol reagiert die Gendarmerie Nationale sehr empfindlich. Unter 0,5 Promille bis 0,8 kostet es 135 Euro Strafe, ab 0,8 drohen zwei Jahre Gefängnis und ein Bußgeld von 4 500 Euro. Ein Atem-Alkoholtester leistet da oft gute Dienste um das Risiko nach einem schönen Abend einschätzen zu können. Apropos: Ein Kfz-Schutzbrief wird beim Frankreich-Urlaub empfohlen.
Von Montfuron ein Blick auf die französischen Alpen
Fazit: Man sollte sich aber nicht von Dingen schrecken lassen, die man selber herbeiführt und demzufolge auch unterlassen kann. Frankreich ist ein tolles Urlaubsland und wer immer noch glaubt es gäbe Deutschen gegenüber Ressentiments hat sich möglicherweise selber in seinem schlechtesten Licht dargestellt und dabei als Deutscher geoutet.
Der provencale Reichtum an Duft und Farbe ist der im Juni/Juli blühende Lavendel
Vive la France und ich liebe es, aber ganz besonders die Provence. Text und Fotos: Siegfried Gerdau
In wenigen Tage ist wieder Vollmond. Das beliebte Fotomotiv ist in dieser Phase für viele Menschen aber auch eine Belastung. Man muss jedoch nicht gleich „Mondsüchtig“ sein, um ihn zu spüren. Interessant ist in diesem Zusammenhang zu wissen, wann es wieder soweit ist oder schon war.
Der Erdtrabant in seiner ganzen Pracht
Jedoch: „Woran erkennt man denn ob der Mond zu-oder abnimmt?“
Ich selber habe mir nachfolgende Eselsbrücke gemerkt:
Für den abnehmenden Mond ist die Schreibweise des kleinen a, das links eine Rundung hat und somit für »abnehmend« steht. Beim zunehmenden Mond muss man dann das altdeutsche (z) verwenden, das seine Rundung rechts hat.
☽ = = zunehmend
Zunehmender Mond
☾ = a = abnehmend
Eine weitere, vielleicht zeitgemäßere Regel vergleicht die jeweilige Form des Mondes mit den Klammern, also den Schriftzeichen:
☽ = ) Klammer zu = zunehmend
☾ = ( Klammer auf = abnehmend
Abnehmender Mond
Aber: Die genannten Merkhilfen funktionieren in dieser Form übrigens nur auf der Nordhalbkugel der Erde. Auf der südlichen Hemisphäre muss man die Regeln umdrehen (sozusagen »auf den Kopf stellen«), denn die Rundung des Mondes ist für einen Betrachter dort genau umgekehrt sichtbar.
Also: Nun viel Spaß bei der Mondbeobachtung und dem Wissen, ob er denn nun kommt oder schon wieder geht.
Mit einer Bilderstrecke möchte ich mich auf diesem Wege bei den Verantwortlichen der Herborner Stadtverwaltung und ganz besonders bei dem Herborner Stadtmarketing mit Jörg Michael Simmer, Michael Menk und Birgit Ernst für ihren Einsatz Danke bedanken.
Auf der 16 Meter breiten und 8 Meter hohen Leinwand war das Mundstuhl-Spektakel am Samstagabend mühelos zu verfolgen.
Dietmar Schäfer mit Drachen und Käfer
Mein lieber Kollege und Freund Jörg Weirich hat mit diesem Layout wieder einmal ein Meisterstück seiner Kunst abgeliefert.
Wer von dem kleinen Breitscheider Ortsteil Medenbach spricht, denkt zuerst an den ganz in der Nähe liegenden Kalksteinbruch. Das Dorf selber hält jedoch ebenfalls einige Schönheiten bereit, die es zu entdecken gilt.
Das Ensemble von Fachwerk und Bruchstein macht den besonderen Reiz aus.
Allen voran die evangelische Kirche mit ihrem bemerkenswerten frühgotischen Chorturm mit seinem pyramidenförmigen Helm und vier kleinen Spitzgiebeln. Er schließt sich an das modernisierte Kirchenschiff an. Der Altarraum wird von einem Kreuzgratgewölbe überdeckt. Der Triumphbogen ebenso wie die flache Nischen bildenden Schildbögen des Gewölbes sind spitzbogig. In den Nischen der Schildbögen befinden sich Reste von mittelalterlicher Wandmalerei, in der südlichen eine Darstellung „Christus vor Pilatus“. Die farbige Fassung des Triumphbogens, der Schildbögen und der Kreuzgrate entstammt der letzten, 1966 durchgeführten Restaurierung.
Im Verlauf der Hauptstraße gibt es vier gusseiserne Brunnen. In ihrer Gestaltung entsprechen sie dem im Dillgebiet üblichen Typ als acht- beziehungsweise viereckigen Brunnentröge. Sie stellten zum Zeitpunkt ihrer Aufstellung die Wasserversorgung des Dorfes sicher. Heute rhythmisieren sie den Straßenverlauf.
An einem der vier Medenbacher Brunnen machen Michael ter Stege-Krauskopf und Gérard Stege mit ihren Pensionshunden Station.
Wie Eingangs schon bemerkt ist Medenbach jedoch besonders durch seinen Kalksteinbruch bekannt. Das Kalkvorkommen ist Teil eines urzeitlichen Korallenriffs, das sich von Langenaubach über Breitscheid bis nach Erdbach zieht.
Auf verschiedenen Ebenen wird je nach Vorkommen der wertvolle Kalkstein abgebaut.
Die allumfassende Bedeutung des Medenbacher Sedimentgesteins Kalk ist nur Wenigen bewusst.
Kalk ist die Entwicklung des Lebens auf der Erde. Seit jeher verhilft das Mineral jedem Lebewesen zu Wachstum und Stabilität. Bereits vor mindestens 14.000 Jahren kannten die Menschen den Kalk als Baustoff und setzten ihn zum Tünchen und zur Mörtelherstellung ein. Mit der Zeit entdeckte man immer neue Wirkungsweisen und Einsatzbereiche. Das hat sich bis heute nicht geändert. Im Gegenteil. Die Nutzungsmöglichkeiten sind unüberschaubar. Ob in Häusern und Straßen verbaut oder bei der Produktion von Glas und Kunststoffen, zahlreichen Hygieneartikeln, Papier und Schmuck, Lebensmitteln und Getränken eingesetzt – Kalk ist überall und ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Der Medenbacher Kalk wird unter anderem als Zuschlag für Hochöfen, Stahlwerke und Eisengießereien gewonnen.
Stillgelegter Kalksteinbruch
Er dient als Zusatzstoff im Hühnerfutter oder als Düngemittel für die Landwirtschaft. Kalksteinmehle werden in Rauchgasentschwefelungsanlagen verwendet. Zahlreiche Polier- und Schleifmittel – darunter auch Zahncreme – basieren auf Kalkstein. Beton, Zement, Fliesen, Gläser und Scheiben sind ohne Kalkanteile nicht herstellbar.
Wunderschöne Formen und Farben entstehen im Verwitterungsprozess von Jahrmillionen.
Wer weiß denn schon, dass die massiven Kalksteine nach einem langen Weg durch zahlreiche Verarbeitungsprozesse als Zitronensäure (dem Grundstoff für die Getränke-, Kosmetik- und Pharmaindustrie) oder in mehrwertigen Alkoholen, Klebstoffen, Farben und Lacken, zum Beispiel als Weißpigmentextender (Streckmittel) in Dispersionsfarben landen. Als Propylenoxid sind sie unverzichtbare Weichmacher in der Kunststoffindustrie. Auch als Kalkseife ist Kalk ein wichtiger Rohstoff für die Papierindustrie, ebenso in Schmiermittel und Stabilisator bei der Herstellung von Kunststoffen. Selbst beim Zahnarzt kommt man mit Kalk in Form von synthetischen Gipsen für die Gipsabdrücke beim Zahnarzt in Berührung. Das chemisch gefällte Calciumcarbonat, dem Calciumpräcipitat ist in vielen Produkten des täglichen Bedarfs wie Zahnpasta, Kosmetika, Papier, Gummiwaren, Mineralfarben und Arzneimitteln zu finden.
Um das Maß der Anwendungen und Einsatzarten voll zu machen muss noch die Kosmetika, zum Beispiel als Putzkörper in Zahnpasta, zur Mattierung in Puder oder mit Peelingwirkung erwähnt werden. Text und Fotos: Siegfried Gerdau
Mohnblumen sind nicht nur wunderschön, sondern auch sehr eigen. Man kann sie in der Natur betrachten, aber wenn sie gepflückt werden ist es mit der Schönheit innerhalb kürzester Zeit vorbei. Ich habe in meinem großen Fundus gekramt und dabei sind mir viele Mohnbilder aus Polen, Frankreich und Deutschland in die Hände gefallen, denen ich hier in meinem Blog ein Denkmal setzen möchte.
Seit 2013 steht oberhalb der BAB 45 Höhe Wilnsdorf eine der in zeitgenössischer Betrachtung futuristischsten Autobahn-Kirchen. Der lange geplante und letztlich in Beton und Holz realisierte Bau ist über den Autohof erreichbar und lehnt sich an den großen Rastplatz für die Könige der Landstraße und Autobahnen an.
Denen und natürlich auch allen anderen Menschen, gleich welcher Kultur oder Glauben, ist das von einem Förderverein betriebene und auch finanzierte 1,5 Millionen Euro teure Kirchlein gewidmet. Nicht für die Ewigkeit gebaut und dennoch dauerte es eine gefühlte halbe Ewigkeit, bis das an Origami erinnernde Projekt schließlich seiner Bestimmung übergeben werden konnte.
Von Dortmund auf der Autobahn kommend fallen die beiden Spitztürme, die beim Vorbeifahren zu einem verschmelzen, um sich dann wieder zu trennen, sofort ins Auge. Ist der weiße, fensterlose Bau, der an die Reinheit des Glaubens erinnert, schon sehr seiner Zeit voraus, setzt sich die anspruchsvolle Architektur in seinem Innern machtvoll fort.
Komplett aus Holzplatten sehr eigenwillig in Wabenform konstruiert, erinnert lediglich das Kreuz im Altarraum an eine Kirche. Es fällt auf, dass man sich sofort nach dem Betreten durch die Glastür heimisch und geborgen fühlt. Die wohltuende Stille streichelt die Seele und man ist bereit Lärm und Alltagsballast außen vor zu lassen. Auf einem Pult liegt ein Gästebuch. Es gibt Auskunft über die Besucher, die sich gerne in ihm verewigen und ihre Sorgen auch darin abladen. Gleich daneben eine Kerzengalerie an der man in Erinnerung an seine Lieben eine Lichtlein anzünden kann. Wer möchte, versenkt einen Obolus in dem Geldkästchen-die Anlage muss ja auch unterhalten werden.
Ein Besuch lohnt sicher nicht nur für Gläubige und ist hiermit auch Fotografen herzlichst angeraten.
Anfahrt: Über die BAB 45 Ausfahrt Wilnsdorf (Ausfahrt 23), dann in Richtung Neunkirchen immer der Ausschilderung Autobahnkirche nachfahren. Am Ende der Parkflächen neben dem Hotel-Hochhaus „Qualitel“ sieht man dann die Spitztürme. Weitere Infos: Ute Pohl, Telefon: 02736/6716. Text und Fotos: Siegfried Gerdau
Die Information, die Jürgen Heckmann in dem Römerkastell bei Bad Homburg vor der Höhe erhielt, wollte ich meinen Followerinnen und Followern nicht vorenthalten.
Jürgen schreibt: Ich war gestern auf der Saalburg und habe mir das Original des Pferdekopfes aus Waldgirmes angeschaut.
Dabei kam ich mit einer Fremdenführerin ins Gespräch. 15 Fremdenführerinnen und Fremdenführer arbeiten auf der Saalburg. Das sind alle Einzelunternehmer und haben derzeit keine oder kaum Aufträge. Sie bekommen keine Hilfe in Form von Krediten oder sonstige finanziellen Zuwendungen. Denen bleibt nur Hartz 4. Die Fremdenführerin, die mit mir sprach, hat eine Bekannte in der Agentur für Arbeit, solche Leute werden dort als „Einhörner“ geführt. Dies sei ein Synonyme für freischaffende Künstler beziehungsweise Kulturschaffende oder Personen die im Dienste der Kultur stehen.
Mein Fazit: Hauptsache wir geben den Großkonzernen ihre Abwrackprämien und Co. Die Saalburg gehört dem Land und das hätte doch Kurzarbeitergeld auf Basis der letzten Steuererklärung zahlen können.
Dennoch: Die Saalburg war echt top. Morgens um 9 Uhr und Regen hat man das Ding fast für sich allein und der Pferdekopf ist die Fahrt wert. Text und Foto: Jürgen Heckmann
Info:
Der Pferdekopf von Waldgirmes wurde 2009 auf einem Feld bei Lahnau-Waldgirmes gefunden. Er gehörte vermutlich zu einem Reiterstandbild, das auf dem Forum der dortigen römischen Siedlung stand. Das Fundstück wird seit August 2018 im Saalburgmuseum öffentlich ausgestellt. Der Pferdekopf ist aus vergoldeter Bronze, wiegt 14 Kilogramm und ist 55 Zentimeter groß.
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