Die Stadt Herborn hat sich in letzter Zeit bemüht die Schaltkästen für Internet, Strom etc. in der Innenstadt so schön und unauffällig wie möglich zu lackieren. Schon kommen irgendwelchen Deppen auf den Plan, um ihre einfallslosen Schmierereien darauf zu hinterlassen. Mit fällt dazu nur folgender alter, aber immer noch gültiger Spruch ein: „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“.
Wie sagte Albert Einstein so schön: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“
1896 fotografierte der Herborner Fotograf Louis Baumann den Weinberg von der alten Dillbrücke aus. Damals war der gesamte Hügel unbewaldet und überall schaute der Faulschiefer heraus. Heute wachsen dort glücklicherweise Büsche und Bäume und die sind so wichtig für das Herborner Klima. Man kann nur hoffen, dass sich kein geldhungrig Investor an dem schönen Stückchen Erde vergreift, um dort für die meisten Wohnungssuchenden unbezahlbaren Wohnraum zu bauen. Foto: Leihgabe von Winfried Rohrbeck.
Herborn ist eine saubere Stadt. Was bitteschön machen da die Sauberfrauen und Männer von „Dillkind“? Ganz einfach sie räumen den Müll fort, den man nicht immer auf den ersten Blick sieht. Entlang der Dill haben sie bereits tonnenweise das gesammelt, was achtlose Ignoranten in die Landschaft werfen. Da ist alles dabei, was man sich oftmals nicht vorstellen kann. Es fängt bei Zigarettenkippen an und hört bei Dachblechen auf. Dazwischen immer wieder Flaschen und andere Behältnisse, die bei feucht-fröhlichen Zusammenkünften geleert und an Ort und Stelle in die Büsche oder direkt am Platz entsorgt werden.
Kerngruppe der Dillkinder sind Eileen Bornhütter aus Fleisbach (nicht auf dem Foto), Julia Hecker und Kristin Grau aus Herborn (von links)
Am Sonntag trafen sich wieder einmal elf Frauen, Männer und Kinder auf dem Herborner Schießplatz zum gemeinsamen Müllsammeln. Eimer, Mülltüten, Handschuhe, Warnwesten und Müllgreifer hatten die Organisatorinnen Kristin Grau und Julia Hecker (34) dabei oder wurden von den anderen Helfern mitgebracht.
Auch auf Facebook und Instagram werben die Dillkinder um Mit-Helfer.
„Wir treffen uns einmal im Monat, meist am 1. Sonntag um 10.30 Uhr hier am Schießplatz, um dann die Müll-Hot Spots abzugrasen“, erzählt Kristin. Jetzt in Zeiten von Corona teilen sie sich in kleine Grüppchen auf, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Die Gruppe um Uli Reil hatte sich mal wieder den Bereich des Edeka-Parkplatzes und das anschließende Dill-Ufer vorgenommen. Ein weiteres dankbares Betätigungsfeld war die gepflasterte Rampe zwischen den Bahngleisen und den ehemaligen Shell-Hallen (heute Safran).
Julia fügt eine Hinterlassenschaft nach der anderen in ihren Eimer.
Julia staunte nicht schlecht wie viel Müll sich hier in den vergangenen vier Wochen schon wieder angesammelt hatte. Sie vermutet, dass dieser Abschnitt eine heimliche Party-Meile ist. Zumindest ließ die Müllart darauf schließen. Die 38-jährige Kristin, der kein Gestrüpp zu dicht ist, findet einige stark verrostete Dachbleche. „Wenn ich so weiter mache entdecke ich irgendwann noch einmal eine Leiche“, so ihr sarkastischer Kommentar. Zu den sonntäglichen Reinigungstreffen kommen immer zwischen 5 und 22 Personen, weiß die Wahl-Herbornerin. Der Informationsaustausch läuft über Facebook, Instagram und dem Dillkind-Blog.
„Einer muss es ja machen“, meint Kristin Grau ganz pragmatisch.
Sie selber ist mit ihrer Freundin Julia bei einer gemeinsamen Radtour auf den umherliegenden Müll aufmerksam geworden. Die Idee mit vielen verantwortungsbewussten Menschen anderer Leute Müll aufzusammeln war geboren. Da Müll aller Sorten und Größe gerade an Gewässern ein großes Problem ist, schauen sie sich besonders die Dill-Uferbereiche an.
…Das Wasser der Dill mündet irgendwann im großen Meer. Genauso wie unser Müll. Der geht uns also alle etwas an. Fangen wir also bei uns an und sorgen für eine saubere und nachhaltige Region. (Dillkinder)
So entstand der Name Dillkinder, auch wenn der eine oder andere schon dem Kindesalter entwachsen ist. Die Stadtverwaltung unterstützt die Sammelbewegung mit Müllsäcken und anderen Gerätschaften. Auch die immer prall gefüllten Behältnisse nach jedem Sammeltag holt der Bauhof ab. „Wir wollten nicht nur darüber reden, wie dem weltweiten Müllproblem begegnet werden kann, sondern auch aktiv werden. Schließlich muss es jemand tun und das sind dann eben wir“, meint Julia Hecker. Beide Frauen verbindet auch die Liebe zum Fußballsport. Sie sind im Fleisbacher TSV aktiv und schon lange miteinander befreundet.
Julia Hecker(links) und Kristin Grau sind nicht nur beim Müllsammeln ein Team.
Am 19. September findet der World Cleanup Day statt, die größte Bottom-Up-Bürgerbewegung der Welt zur Beseitigung von Umweltverschmutzung und Plastikmüll. 2019 beteiligten sich 21 Millionen Menschen weltweit in 180 Ländern am World Cleanup Day und setzten durch ihre Cleanups (Müllsammelaktionen) ein starkes Zeichen für eine saubere, gesunde und plastik-müllfreie Umwelt. Mach mit bei der weltweit größten Clean Up Sammelaktion World Cleanup Day. Sei auch Du dabei! und befreie unsere Straßen, Parks, Strände, Wälder, Flüsse, Flussufer, Beaches und die Meere von achtlos beseitigtem Abfall und Plastikmüll. (Dillkinder)
Auch „überregional“ ist Dillkind aktiv.
In Kooperation mit der Stadt Dillenburg @oranienstadt_dillenburg und dem weltweiten „World-Clean-Up-Day“ @worldcleanup organisieren wir am Samstag, den 19. September um 10.30 Uhr (Treffpunkt: Parkplatz bei McDonald/Aldi, Dillenburg) den nächsten Clean-Up in der Oranienstadt und freuen uns über begeisterte Helfer und Mitstreiter. 💚 Falls vorhanden, bitte Müllgreifer, Handschuhe und einen Eimer mitbringen. 🧤🗑 (Dillkinder)
Der am Sonntag eingesammelte Müll war wie immer ziemlich umfangreich. Fotos: privat
Wer Lust hat und etwas für seine Region tun will, kann sich bei Julia Hecker mobil: 0170 984 6815 informieren und wenn er möchte auch seine Hilfe anbieten. Text und nicht namentlich gekennzeichnete Fotos: Siegfried Gerdau
Die Schwimmerinnen und Schwimmer verabschieden Tilaka (Bildmitte mit Plakat)
Einen derartigen Abschied von ihren Freunden hätte sich Tilaka Simon sicher nicht träumen lassen. Am Dienstag versammelten sich Frauen und Männer, alles leidenschaftliche Schwimmerinnen und Schwimmer, vor dem saisonal geschlossenen Herborner Freibad um ihrer Tilaka Dank zu sagen.
23 Jahre lang hat die seit kurzem verwitwete städtische Angestellte ihren Dienst rund ums Schwimmbecken versehen. Immer hatte sie dabei ein Auge und oft auch eine Hand für die Badegäste, die täglich frühmorgens ihre Runden drehten. „Tilaka war immer da, war stehts freundlich und sehr hilfsbereit“, so die einhellige Meinung ihrer zahlreichen Freunde. Im kommenden Mai 2021 geht die Bickenerin in den Ruhestand, aber mit dem Saisonende geht bereits jetzt die segensreiche Zeit voll gegenseitigem Respekt zwischen den Schwimmfreunden und der Angestellten für immer zu Ende.
Als Dankeschön für die vielen gemeinsamen Jahren überreichte Sandra Weil, stellvertretend für alle, der 65-Jährigen (Bildmitte mit Plakat) eine „kleine“ Aufmerksamkeit.
Herborns wohl wichtigstes Kulturdenkmal neben Schloss, Hohe Schule und evangelischer Stadtkirche, ist sicher die Corvinsche Druckerei. Der Großteil der Herborner Bevölkerung kennt die alten Gebäude, aber so richtig kennen wird sie bis auf wenige geschichtlich Interessierte kaum jemand.
Die Corvinsche Druckerei ist eines der erhaltungswürdigsten Kulturgüter Herborns.
Der historische Burgsitz der adeligen Familie Mudersbach wurde im Jahr 1591 von Christoph Corvinius gekauft und in eine akademische Druckerei verwandelt.
Der Anlass: Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg eröffnete im Herbst 1584 mitten in der Stadt die Hohe Schule und er wollte der jungen Akademie auch eine eigene Druckerei zur Seite stellen. Die Hohe Schule sollte damals auf der Grundlage des reformierten Bekenntnisses ein geistiges Bollwerk für die katholische Gegenreformation sein. Die Academia Nassauensis war eine universitätsähnliche deutsche Hochschule. Sie bestand von 1584 bis 1817. Die Theologische Fakultät der Hochschule existiert im Theologischen Seminar (Schloss Herborn) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in veränderter Form weiter.
Die Arbeiten der Professoren, Gelehrtenübungen und die notwendigen Lehrbücher mussten gedruckt und die protestantische Welt mit Schriftwerken versehen werden.
Hier in diesen Gemäuern wurde vor 400 Jahren die Piscator-Bibel gedruckt.
Graf Johann fand mit Corvinius in der Frankfurter Druckerei dessen Vaters den geeigneten Mann. Dieser tiefgläubige, reformierte Christ verstand sein Handwerk und hatte beste Beziehung zu der damaligen Gelehrtenwelt. Er kam mit 6 Gesellen und zwei Druckpressen nach Herborn. Seine Mitarbeiter wurden auf das reformierte Bekenntnis verpflichtet und darauf ohne Erlaubnis des Landesherrn nichts zu veröffentlichen. Er erhielt finanzielle Zuwendungen, Heu und Brennholz und wurde von allen bürgerlichen Lasten und Steuern befreit.
Corvinius erste drucktechnische Leistung war der von Olevian besorgte Auszug aus Calvins „Institutio Christianae Religions“. Dieser wurde Anfang 1586 gedruckt. Bis zu seinem Tod 1620 hatte Corvinius etwa 900 Drucke aufgelegt.
Die Herborner Druckerei brachte Werke hervor, deren Bedeutung weit über dem lokalen Akademiebetrieb hinausging. Das entsprach dem europäischen Rang der Hohen Schule in den ersten 50 Jahren ihres Bestehens.
Besonders die Piscator-Bibel, die erste vollständige deutsche Bibel nach Martin Luther und zugleich das erste deutsche Bibelwerk 1602 bis 1604, das Piscator vom Lateinischen ins Deutsche übersetzte, machte Furore. Der Universitätsdrucker versah die einzelnen Kapitel mit Vorreden, angehängten Erklärungen schwieriger Textstellen und Lehren. All das atmete natürlich den reformierten Geist und die Piscator-Bibel rief dementsprechend heftige Reaktionen auch im lutherischen Lager hervor.
Professor Johannes Alsted legte 1620 sein „Compendium Philosophicum“ vor, dass ebenfalls in der Corvinschen Druckerei gedruckt wurde. Auf 3 400 Seiten hatte er das gesamte Wissen seiner Zeit, eingeteilt in 27 wissenschaftliche Fächer, zusammengetragen. Eine Neuauflage erschien im Folioformat 1630 unter dem Titel „Enzyclopaedia“ und war gleichzeitig die erste deutsche Enzyklopädie überhaupt.
Die Blütezeit der Hohen Schule dauerte von 1584 bis 1639. Dann folgte eine Zeit der Nachblüte bis 1727 allerdings nur noch mit deutschem Rang. Die letzte Phase der Akademie dauerte noch bis zum Jahr 1817. Aber damals hatte sie höchstens noch eine provinzielle, nassauische Bedeutung.
Der Herborner Buchdruck hatte eine unbestritten hohe Qualität. Es mangelte jedoch immer an der entsprechenden Kapazität. Die Ursache lag nicht an einer gewissen wissenschaftlichen Beschränktheit, sondern an dem bescheidenen Zuschnitt der Herborner Verhältnisse. Mit den großen Druckereien in Amsterdam, Frankfurt oder Nürnberg konnte sich die Corvinsche nie messen.
Als markantes Wahrzeichen steht am Ende des Corvinschen Grundstücks der Bürgerturm.
Die gesamte Anlage ging später in den Besitz der Herborner Familie Paul über. Ein schlüssiges Konzept für deren Weiternutzung von „Pauls Hof“ stand lange Jahre aus. Ernst Paul, der ehemalige Rektor der Comeniusschule in Herborn, verkaufte den Familienbesitz vor einigen Jahren. Der gesamte Komplex wurde von den Käufern an den Lahn-Dill-Kreis vermietet.
In diesem Zusammenhang vielleicht noch ein Wort: „Die Herborner Bürger lieben ihre Stadt und sind stolz darauf sie im rechten Licht präsentieren zu können. Besonders die Kulturgüter liegen ihnen am Herzen und um deren Erhalt hat sich die Administration in der Vergangenheit mehr oder weniger gut gekümmert. Einen besonderen Verdienst an dem schönen Fachwerkgesicht der Stadt hatten und haben jedoch seine Bürger. Sie investierten und investieren immer noch viel Geld und Zeit, damit nicht nur Touristen und Tagesgäste mit Freude durch die Stadt an der Dill schlendern sondern die Einwohner hier gerne und gut leben.
Beim Blick vom Kirchhof auf das historische Ensemble fühlen sich die Besucher ins Mittelalter zurückversetzt.
Ein sehr weiser alter Spruch noch zum Schluss, den ich einst an einem Haus in Merenberg las: „Wer da bauet an der Straßen, muss die Leute reden lassen.“
Quellen: „Von der Hohen Schule zum theologischen Seminar Herborn 1584 bis 1984, Die Einrichtung der Hohen Schule a) Akademische Druckerei von Joachim Wienecke.
Der Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung und dem historischen Bildmaterial meines Freundes Winfried Rohrbeck, Herborn.
Sie ist Beichtmutter, seelischer Mülleimer und vor allem eine sehr warmherzige, verschwiegene Gesprächspartnerin. Nein, Anja Hähner ist keine Sozialarbeiterin, sie betreibt seit fast genau 7 Jahren die Frittenbude Tweety’s in der Herborner Bahnhofstraße, genau gegenüber der Sparkasse. Currywurst mit Pommes in mehreren Ausführungen sind das Kerngeschäft der 54-jährigen Frohnhäuserin.
Anja Hähner ist die Seele von Tweety’s.
Ihr Sohn Andy ist der Namensgeber des schmucken Imbisses. Er sagte als kleiner Junge immer Tweety zu ihr. Woher er diesen Namen hatte, wusste keiner. Da Tweety jedoch geschützt ist, hängten die Hähners einfach noch ein s dran. Eigentlich wollte Anja ja eine Waffelbäckerei in der Innenstadt von Herborn aufmachen. Das zerschlug sich aber aus den unterschiedlichsten Gründen. Da sie schon immer mit Leib und Seele kochte und das ganz sicher nicht schlecht, wurde eine Imbissstube daraus. Um die etwas zurückgebliebene Frittenbude am Pertuisplatz musste sie hartnäckig werben. Schließlich hatte der Eigentümer ein Einsehen und richtete das Anwesen mit viel Engagement und Geld wieder her.
Die Herborner „Frittenbude“ Tweety’s mit Chefin Anja Hähner.
Anja Hähners Traum von der Selbstständigkeit verwirklichte sich. Schon lange hat sie ihre Stammkunden und die halten ihr nicht nur wegen der leckeren Würste die Treue. Gerade kommt eine junge Frau und möchte eine Portion Pommes mit Mayonnaise haben. Bezahlen will sie die mit einem Gewinnschein aus der letzten Weihnachtsverlosung. Auch das gibt es bei Anja. Jedes Jahr schon Anfang November beginnt der Losverkauf bei Tweety’s und der geht bis kurz vor Weihnachten. Jedes Los gewinnt, aber am meisten gewinnt zum Beispiel die Kinder-Krebsstation in Gießen, die den Gewinn aus der Aktion erhält. Wer Glück hat, zieht eines der süßen Tierchen, die Anja Hähner in ihrer ohnehin knappen Freizeit selber bastelt. Die kann man aber auch bei ihr an der Bude, direkt von dem Ausstellungs-Baum auf der Theke, für kleines Geld kaufen.
Diese niedlichen Figuren bastelt Anja in ihrer knappen Freizeit.
Immer mittwochs gibt es bei der zweifachen Mutter und jungen Großmutter leckeren, selbstgebackenen Kuchen. Wie sie dafür noch Zeit hat, weiß sie selber nicht. Sie liebt die Menschen und behandelt alle mit dem gleichen Respekt. Besonders ihre jungen Kunden, die oft „ihrer“ Anja nur ein wenig erzählen wollen, haben sie ins Herz geschlossen. Vielleicht ist das der Grund warum ihr Verkaufsstelle noch nie mit Graffiti beschmiert oder sonst irgendwie beschädigt wurde. Dirk Ronzheimer von der Herborner Stadtverwaltung antwortet ganz pragmatisch auf die Frage, warum er denn hier seinen Mittagsimbiss kauft: „Weil es immer gut schmeckt und die Chefin so nett ist“. Sehr Stolz ist Anja auf die Tatsache, dass sie gerade wieder einmal die Kontrolle der Lebensmittelüberwachung ohne jegliche Beanstandung hinter sich gebracht hat. Das ist für die fleißige Frau Ehrensache. „Sauberkeit steht für mich an erster Stelle“, stellt sie in aller Bescheidenheit fest.
In diesem Spruch, der an der Scheibe der Würstchenbude klebt, steckt viel Wahres.
Die Corona-Pandemie macht auch ihrem Geschäft zu schaffen. Obwohl ihr Stand mustergültig und entsprechend der Hygienevorschriften ausgerüstet ist, kommen gerade die Laufkunden seltener. Dann ist es oftmals eng. Unterstützung bekommt sie keine und sie muss sehen wie sie über die Runden kommt. Das betreffe sie aber nicht alleine, stellt sie mit einem feinen Lächeln fest und taucht den Korb mit Fritten in das sprudelnde Fett. Das Leben geht weiter und die Kunden haben Hunger auf das leckere Essen bei Tweety’s. Fotos: Gerdau
Interview mit den Verfassern des Artikels „Aus der Geschichte lernen und die Stadt Herborn weiterentwickeln“ Hans Dieter Wieden und Ronald Lommel.
? Wie kamen sie denn auf die Idee sich mit der Herborner Stadtentwicklung zu befassen
H.D. Wieden: Der Ausgangspunkt war die Bebauungsplanung am Hintersand und die Erweiterungspläne Eitzenhöfer. Diese hatten den Geschichtsverein Anfang des Jahres sehr beschäftigt. Im Nachgang kam aktuell das Thema Weinberg dazu. Während eines gemeinsamen kaffeetrinkens kam die Frage auf, wo liegt eigentlich das Hauptproblem solcher Ereignisse, dass solche Einzelprojekte immer völlig isoliert von den Wirkungen auf Stadtbild, Stadtentwicklung und Klima durchgezogen werden. So hat sich bei uns der Eindruck vertieft, dass diese Einzelentscheidungen genau die Ursache dafür sind, dass unsere Stadt nicht richtig vorankommt. Wir sind dann zu der Erkenntnis gekommen, dass wir ein Stadtentwicklungskonzept brauchen, das diese Punkte berücksichtigt. Somit entstand dieses Papier.
Hans Dieter Wieden besetzt in der Stadtverwaltung Frankfurt eine leitende Stellung.
? Die Stadtentwicklung ist doch eigentlich Sache der Politik. Haben sie das Gefühl, dass da etwas schleift.
H.D. Wieden: Ich vermisse bei den politischen Entscheidungen den notwendigen Weitblick. Man muss bei Einzelentscheidungen zwingend darüber nachdenken, wie diese sich auf die Stadtentwicklung auswirken. Es hat in der Vergangenheit schon einige Stadtentwicklungsprozesse gegeben, die aber allesamt nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwunden sind. Wir beide sind zwar im Geschichtsverein, glauben aber dennoch nicht, dass alles bewahrt werden muss. Unser Credo ist: Wir müssen aus der Geschichte für die Zukunft lernen. Eine Stadt, also auch die unsrige, muss sich immer weiterentwickeln, weil sich auch die äußeren Umstände ändern. Man muss jedoch wissen wo man hin will, nur dann kann man auch in Einzelprojekten vernünftig entscheiden.
R. Lommel: Man muss auch wissen, was man hat. Wir haben ein wunderschönes Städtchen. Das wird von Menschen, die von außen kommen, immer wieder bestätigt. Es kann daher nicht sein, dass man das Stadtbild isoliert darstellt und links und rechts entwickeln sich betonierte Krebswucherungen. Eine Vision dient doch dazu, das Gefühl von Heimat, von meiner Stadt, erhalten und nicht kaputtgemacht wird. Es gab ja mal eine Altstadtmanagerin, die sich darum kümmern sollte, dass sich die Geschäfte in der Innenstadt weiterentwickeln und nicht leer stehen. Noch mal zum Thema Geschichte. Die ist ja nicht einfach nur Selbstzweck. Geschichte dient dazu, dass man die Zukunft positiv in den Blick nehmen kann. Geschichte hört nie auf. Es ist eine Linie die von der Vergangenheit in die Zukunft führt. Sie muss ich immer im Hinterkopf haben, damit ich Zukunft gestalten kann. Für mich ist Heimat ganz wichtig und unbedingt erhaltenswert. Außerdem inspiriert mich schon immer der Bibelspruch „Suchet der Stadt Bestes (Jer 29,4-14). Das ist für mich als evangelischer Pfarrer eine Leitlinie, die mein Handeln ein Stück weit bestimmt. Auch ich sehe ein geplantes Gesamtkonzept als Voraussetzung für alle Einzelmaßnahmen.
Ronald Lommel war bis zu seiner Pensionierung viele Jahre als evangelischer Pfarrer in Herborn tätig.
? Braucht man denn für all diese Maßnahmen nicht die nötigen Mittel, die derzeit nicht da sind.
H.D. Wieden: Nein, man braucht für diese erste Phase der Stadtentwicklung kein Geld. Man spart hingegen eine Menge, weil man Fehler vermeidet. Dazu gehört ein ganz wichtiger Grundsatz, Fehler aus der Vergangenheit muss man nicht wiederholen. Man denke nur an die Zyklen der Stadtentwicklung und das nicht nur in Herborn. So hatten wir zum Beispiel die “ Auto gerechte Stadt“. Damals sind deshalb einige Städte kaputtgebaut worden. In Herborn haben wir Gott sei‘s gedankt den alten Kern erhalten. Aber auch unsere wunderschönen Fachwerk-Häuser, die erhalten blieben, müssen Nutzungen zugeführt werden, dass sie lebendig bleiben und nicht leer stehen. Dafür muss man viel Hirn einsetzen und nachdenken. Das kostet erst einmal kein Geld. Wir haben in unseren Gedanken ganz bewusst das Datum der 800 Jahr-Feier im Jahr 2051 ausgesucht, weil uns die Agenden 2020 und andere nahe liegenden Zeiträume viel zu kurz gedacht erschienen. Viele unserer Stadtgebiete sind planungsrechtlich nicht vernünftig unterlegt. Das führt dazu, dass man bei Einzelprojekten keine klare Richtung hat. Man zieht sich auf die Bebauung der näheren Umgebung zurück und dann entsteht so etwas wie derzeit am Schönblick als Terassenhäuser. Das ist ebenso ein abschreckendes Beispiel wie auch die Bebauung des Pertuisplatzes. Leider kann ich da auch die Bebauung der Diakonie am Herborner Hintersand nicht von ausnehmen. Der entscheidende Fehler war da, dass man nicht die Idee des „Lebens am Fluss“ umgesetzt hat. Die ist im Übrigen nicht neu. Auch braucht die Stadt ein Veranstaltungsgebäude von der Größenordnung, die mindestens der noch bestehenden Konferenzhalle entspricht. Das ist bitter nötig und muss unbedingt in ein Entwicklungskonzept einbezogen werden.
? Bevor wir zum Ende kommen bleibt nur die Frage, haben wir noch etwas vergessen.
R. Lommel: Mir ist wichtig noch einmal deutlich zu sagen, dass der Beschluss der Stadtverordneten vor zwei Tagen in ihrer Sitzung ein ganz wichtiger Anfang war. Dieses positive Zeichen zu den „Planungen“ am Weinberg geschlossen Nein zu sagen, muss ausgebaut werden. So sollten unsere Visionen nicht nur in der Öffentlichkeit diskutiert werden, sondern auch vielleicht im Bauausschuss. Was sind dann die nächsten Schritte, damit nicht wieder solche Dinge wie Pertuisplatz, Schönblick und Weinberg passieren? Man muss jetzt dranbleiben.
H.D.Wieden: Wir machen auf jeden Fall weiter, legen aber Wert auf die Feststellung, dass wir keine Partei sein wollen. Uns wäre es am liebsten, wenn die ersten Stufen der Diskussion in der Bürgerschaft mit interessierten Bürgern stattfänden. Ich ziehe den Hut vor der Abstimmung über den Weinberg, die einstimmig zur Ablehnung des Projektes führte. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass so etwas einmal in Herborn möglich sei. Dennoch ist es mir ganz wichtig, dass gerade die Bürger an diesem Papier über die Stadtentwicklung mitwirken. Mir geht es darum zu erfahren, welche Vorstellungen die Menschen von unserer Stadt in 20, 30 und 40 Jahren haben. Wir werden nicht darauf warten, bis die Politik Initiativen ergreift und ihr auch nicht die Arbeit wegnehmen. Die Vergangenheit hat aber leider gezeigt, dass die Politik momentan leider nicht in der Lage ist, die Dinge zu bewegen.
R. Lommel: Die Bürger müssen die Initiative ergreifen und zwar derart, dass die Parteien diejenigen sind, die die Ergebnisse nur noch zu bündeln haben.
H.D. Wieden: Hier möchte ich noch einen ganz wichtigen Satz aus dem Grundgesetz Art. 20 Abs. 2 S. 2 einbringen: Die Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit. Darüber sollten sich die einen oder anderen klar werden.
Eigentlich wollte ich in meinem Blog die „große Politik“ außen vor lassen. Die Ereignisse in Berlin am vergangenen Wochenende haben mich jedoch aus mehreren Gründen veranlasst diesen aufwühlenden Kommentar von Thomas Schmoll komplett zu übernehmen.
Was passiert denn eigentlich in unserem Land? Es wird demonstriert. OK, dass ist ein demokratisches und hoch zu schützendes Recht. Die Frage ist jedoch ob dieses Recht maßlos erweitert werden kann und auch Gewalt mit einbezogen werden darf. Hier muss ein ganz klares Nein gesagt werden, das aber von den Entscheidern auch durchgesetzt werden muss. Hier liegt der Hase im Pfeffer. Die Durchsetzer, also die Polizei, sind der Arm des Gesetzes und die stehen im Zweifelsfall völlig alleine an der „Front“ und müssen sich mit Pack, Gesetzesbrecher und all denen die den Staat in seiner Gesamtheit verachten, herumschlagen. All zu oft stehen die Frauen und Männer zusätzlich noch am Pranger und egal wie sie es anfangen, es wird immer verbal drauf gehauen. Jeder noch so hohle Schreihals, der gerade sein Handy bedienen kann, filmt was ihm miss-oder gefällt. Hauptsache die Polizei kommt dabei schlecht weg. Ja sicher wird es auch hier und da Übergriffe geben. Die haben aber meist ein nur für die Beteiligten bekanntes Vorspiel und… die Polizisten sind Menschen, die sich ungerne anspucken, beschimpfen und bewerfen lassen. Das müssen die ertragen? Nein sicher nicht. Genauso wenig wie es ein jeder von uns ertragen möchte. Hier gilt es aufzuräumen. Das Gleiche gilt im Übrigen bei den Rettungskräften. Wer Gewalt anwendet muss sich nicht wundern, wenn diese erwidert wird. Aber: Ist es Gewalt wenn ein Gesetzesbrecher, der sich gegen seine Festnahme wehrt, mittels körperlicher Gewalt dingfest gemacht wird? Ganz sicher nicht. Wir wollen alle-zumindest die meisten von uns- in Sicherheit leben. Wir rufen nach der Polizei wenn der Nachbar zu laut schnarcht, ein Kratzer den eigenen Wagen verunstaltet hat und wenn wir von Gewalttätern bedrängt oder sogar körperlich angegriffen werden. Alles völlig selbstverständlich. Kommt dann die Polizei und handelt nicht in unserem Sinne ist sie unfähig, willkürlich und überflüssig. Rettet sie hingegen unsere Unversehrtheit sind es die Guten. Es kommt also auf die Perspektive an und egal in welcher Situation, ist sie immer für eine der streitenden Parteien die böse Polizei.
Polizei muss sich auf den Dienstherrn verlassen können und Respekt in der Bevölkerung haben. Im Bild: Beamte kontrollieren einen LKW. Foto: Gerdau
Wir müssen wieder dahin kommen, dass wir Respekt vor der Staatsgewalt haben und den Kollegen zugestehen, dass sie eine gute Arbeit trotz 12 Stunden Schichten und mehr machen. Ich persönlich habe in meinem langen Leben auch schon manchmal Kontakte mit der Polizei gehabt. Da waren auch welche dabei, auf die ich gut verzichten konnte. Immer jedoch fühlte ich mich zu Recht bestraft und wenn ich für eine Geschwindigkeitsübertretung zur Ader gelassen wurde, geschah das sicher nicht grundlos. Mir ist jedoch nie Gewalt angedroht worden oder gar widerfahren. Warum wohl kann sich jeder denken. Text: Siegfried Gerdau
KOMMENTAR
SONNTAG, 30. AUGUST 2020
Attacke am Reichstag
ntv.de
Ein Tag, um vor der Polizei zu knien
Ein Kommentar von Thomas Schmoll
Drei mutige Beamte hindern Rechtsextreme daran, in den Reichstag einzudringen. Die Politik, vor allem das linke Lager, muss sich bei ihnen bedanken. Will Deutschland eine wehrhafte Demokratie bleiben, braucht es eine Polizei, die respektiert und nicht denunziert wird.
Es wäre eine schöne Überraschung gewesen, wenn die rot-rot-grüne Koalition Berlins beim Thema Innere Sicherheit ausnahmsweise nicht dilettiert hätte. Die Demonstration gegen die staatlichen Corona-Schutzmaßnahmen zu verbieten, war schon hochriskant angesichts der Äußerung von Innensenator Andreas Geisel: „Ich bin nicht bereit, ein zweites Mal hinzunehmen, dass Berlin als Bühne für Corona-Leugner, Reichsbürger und Rechtsextremisten missbraucht wird.“ Es war logisch, dass ein Statement, das das Kundgebungsverbot als politisch motiviert erscheinen ließ, die ohnehin aggressive Stimmung unter Teilen der „Bewegung“ weiter aufheizen würde. Aber soweit hat Geisel offenkundig nicht gedacht. Wie selbstverständlich bescheinigte sich der Sozialdemokrat, alles richtig gemacht zu haben. Ein „Scheitern“ vor den Gerichten? Nein, selbstverständlich nicht. Scheinheilig sagte Geisel: „Gerichtsschelte sollte man nicht betreiben“ – um es dann doch zu tun. „Aber ich bedaure, dass es Verletzte gibt, und ich bedaure die Gefahrensituation, die für Polizistinnen und Polizisten entstanden ist.“ Jedenfalls habe er Recht behalten: „Dass es sich am heutigen Tag so entwickelt hat, war vorhersehbar. „Wenn er sich so sicher war, warum hat Geisel dann nicht alles getan, um das versuchte Eindringen – der Begriff der „Erstürmung“ ist zu hoch gegriffen – in das Reichstagsgebäude zu verhindern? Wie konnte es dazu kommen, dass nur drei Polizisten, einer ohne Helm, am Eingang postiert waren, wo doch die abstrusen Hetzreden bekannt waren, die der Rechtsradikale Atilla Hildmann gehalten hatte, den manche Medien irrerweise nach wie vor als „Vegan-Koch“ bezeichnen? Man sollte meinen, dass Berlins Innensenator und seine Beamten sich im Internet darüber informiert hätten, wie Rechtsextreme und Reichsbürger nach der Verbotsankündigung zum „Sturm auf Berlin“, vereinzelt sogar zum „Sturm auf den Reichstag“ unter Waffengewalt aufgerufen hatten.
Natürlich konnte Polizeisprecher Thilo Cablitz seinem Dienstherrn nicht in den Rücken fallen. Also sagte er: „Wir können nicht immer überall präsent sein, genau diese Lücke wurde genutzt, um hier die Absperrung zu übersteigen, zu durchbrechen, um dann auf die Treppe vor dem Reichstag zu kommen.“ Sinngemäß lässt sich das auf ganz Deutschland übertragen. Die Polizei kann längst nicht mehr an jedem Brennpunkt sein. Zu oft hat die Politik in den vergangenen Jahren die Beseitigung gesellschaftlicher Fehlentwicklungen auf die Ordnungsmacht abgewälzt, die nebenbei auch noch Tempolimits und den Gassi-Zwang für Hundebesitzer überprüfen soll.
Gerade in Berlin fallen Grüne und Linke der Polizei immer wieder in den Rücken, für die innere Sicherheit interessiert sich maximal die SPD. Der stellvertretende Bürgermeister des Bezirks Neukölln, der CDU-Politiker Falko Liecke, fasste die Misere jüngst in einem „Welt“-Interview sarkastisch so zusammen: „Die installieren lieber Antidiskriminierungsbeauftragte und stellen Parkmanager ein, statt die Polizei und die Ordnungsämter vernünftig auszurüsten.“
„Nazisymbole, Reichsbürger- & Kaiserreichflaggen haben vor dem Deutschen Bundestag rein gar nichts verloren“, twitterte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Bezeichnend ist, dass er den Polizisten dabei nicht für ihren Einsatz dankte. Das ist umso erstaunlicher, da Scholz als ehemaliger Hamburger Bürgermeister die G20-Straßenschlachten noch im Kopf haben sollte. SPD-Chefin Saskia Esken, die der Polizei schon mal pauschal ein Rassismus-Problem unterstellte, schwieg. Werden Polizisten verletzt, wird kurzes Bedauern geäußert. Werden Kriminelle unter Flüchtlingen oder mit Migrationshintergrund hart angepackt, folgt ein bundesweiter Aufschrei, wird die Polizei schuldig gesprochen, auch wenn die Lage unklar ist.
Anfang August hatten Unbekannte bei der Räumung eines linksradikalen Szenetreffs in Neukölln nach Darstellung der Polizei „mit Gewalt das Helmvisier“ eines Beamten hochgeklappt und ihm anschließend eine Flasche ins Gesicht geschlagen, die Nase gebrochen und am Auge verletzt. Ohne Kenntnis davon twitterte die Grünen-Abgeordnete Susanna Kahlefeld zu dem Einsatz: „Provokation statt Gespräche. Das ist Krach mit Ansage. Der Schiller-Kiez ist besetzt.“ In dieser Weltsicht ist die Polizei immer Schuld und „besetzt“ nun sogar ein Wohnviertel. Das klingt nach Diktatur und nicht nach Demokratie. Die Fraktionsvorsitzende Antje Kapek dankte immerhin „den Beamten auf der Straße“ und verband das mit einer Kritik: „Die Bilder vom Reichstag jedoch hätte es niemals (!!) geben dürfen!“ Sie schloss ihr Statement mit der Ankündigung: „Wir werden in den nächsten Tagen einiges auszuwerten haben und werden das auch tun.“
Darauf darf man gespannt sein. Hoffentlich beinhaltet das ein Nachdenken über eigene Positionen. Hoffentlich nimmt Rot-Rot-Grün das nett gemeinte, aber in seiner Wirkung schlechte Antidiskriminierungsgesetz zurück, das Staatsdiener unter Generalverdacht stellt, rassistisch, frauenfeindlich etc. zu sein. Natürlich muss Kritik auch an Polizisten möglich sein. Aber Stimmungsmache wie vom innenpolitischen Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Benedikt Lux, sollte tabu sein. Der gab der Polizei nach dem Einsatz am Reichstag Nachhilfeunterricht: Er hoffe, dass jetzt jedem bei der Berliner Polizei klar sei, „dass der Feind vor allem rechts steht“, twitterte er. Erst kürzlich veröffentlichte Jonas Stickelbroeck, Sprecher der Grünen Jugend in Krefeld, in sozialen Medien einen Polizeibus mit dem Kommentar „Tiertransporte stoppen“. Dass das (später gelöschte) Posting satirisch gemeint war, darf man Stickelbroeck glauben. Aber er sollte sich fragen, ob Polizisten darüber lachen können und was diese Art des Humors mit ihnen macht. Hoffentlich führen die Ereignisse vom Samstag dazu, dass Grüne und Linke endlich entschieden gegen Polizeiverächter in ihren Reihen vorgehen.
Lorenz Maroldt, der Chefredakteur des alles andere als nach rechts tendierenden „Tagesspiegel“, brachte perfekt auf den Punkt, was erforderlich ist. Mit Blick auf den Einsatz der Ordnungshüter am Reichstag schrieb er auf Twitter: „Alle, die in den vergangenen Wochen voller Verachtung pauschal über die Polizei hergezogen sind, sollten sich schweigend den Einsatz dieser drei Beamten anschauen.“ Recht hat er. Die Politik, auch jener Teil, der sich zum linken Lager rechnet, sollte vor den drei Männern niederknien. Denn will Deutschland eine – im wahrsten Sinne des Wortes – wehrhafte Demokratie bleiben, braucht sie eine starke und gut ausgerüstete Polizei, die respektiert und nicht denunziert wird.
Am 5. November 2017 konnte man auf der Lokalseite des Herborner Tageblatt folgenden Artikel lesen:
Herborn-Hörbach. Ein Hauch von Frankreich verbreitete sich am Samstagnachmittag in Hörbach, Kreuzung Schmalbachstraße und Schmalbachtal. Der Ortsbeirat unter der Führung von Ortsvorsteher Andreas Theis hat gemeinsam mit den Ideengebern Joachim Lechtenböhmer, Norbert Graf, Joachim Knapp und Eckhart Türk eine Initiative „Boule-Platz“ mit Unterstützung des Herborner Bauhofs realisiert und das würdigten zahlreiche Interessenten und Beteiligte im Rahmen einer kleinen Einweihungsfeier. Im August dieses Jahres wurde die ansprechende Anlage gebaut und die Boule-Freunde waren begeistert. Spontan sagten sie zu, sich um den Erhalt der Einrichtung unweit des Bolzplatzes, zu kümmern. Theis lobte in seiner Ansprache das beispielhafte Zusammenwirken von engagierten Bürgern, Ortsbeirat und Stadtverwaltung. Boule, die französische Volkssportart, ist für Jung und Alt gleichermaßen geeignet und die Boule-Bahn in dem Herborner Stadtteil soll nun allen Interessierten zur Verfügung stehen. Das Haus der Jugend als Nachbar, habe bereits signalisiert den Platz regelmäßig nutzen zu wollen. Der Erste Stadtrat Jens Trocha ist selber oft mit den schweren Kugeln, zu Gange. Er wünscht sich, dass sich das: „Wer ist beim Wurf am nächsten dran“, nicht nur auf die Kugel beziehen werde, sondern auch die menschlichen Kontakte untereinander stärke. Er wünscht dem sportlichen Neuzugang in Hörbach viele spannende Spiele und interessante Begegnungen.
Das Foto von der Eröffnung der Herborner Boule-Bahn .Der damalige 1. Stadtrat, Bürgermeisterkandidat und leider viel zu früh verstorbene Jens Trocha in seinem Element.
Am vergangenen Samstagnachmittag, drei Jahre nach dem An-Boulen am 4.November, trafen sich wieder einmal viele Menschen auf der Anlage, darunter auch einige damalige Ideengeber zum gemeinsamen Boulen, Essen und Trinken.
Doch groß war das Erstaunen als sie den Medenbacher Kalksteinfindling am Platzrand entdeckten, der mit einer Tafel und der Aufschrift Jens-Trocha-Platz versehen war. Trotz der großen Freude darüber stellte sich die Frage, wer hat denn den dahin gestellt. Allgemeine Ratlosigkeit. Keiner weiß es oder hat auch nur die leiseste Ahnung . Egal, alle fanden die Idee großartig. Auch dadurch werde einem großartigen Herborner Respekt gezollt und sein Andenken lebendig gehalten.
Die tolle Idee eines unbekannten Spenders die Hörbacher Boule- Anlage als Jens-Trocha-Platz zu taufen, fand großen Anklang.
Also in Zukunft ist klar: Wir gehen nach Hörbach auf den Jens-Trocha-Platz zum Boulen. Hört sich doch großartig an, oder nicht? sig/Fotos: Gerdau
In der Herborner Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstagabend im Merkenbacher Bürgerhaus sprachen sich die Parlamentarier aller Fraktionen einstimmig gegen eine Bebauung des Herborner Weinbergs aus.
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Dorothea Garotti, fand es beachtlich und so von ihr noch nicht erlebt, dass ein Dringlichkeitsantrag diese Einigkeit aller Fraktionen erfahren habe. Obwohl sie von Parlamentspräsident Jörg Michael Müller (CDU) noch kurz vor der Verlesung des Antrags augenzwinkernd wegen einer Unaufmerksamkeit gerügt wurde: „Kollegin Garotti, sie genießen keinen Welpenschutz, sie machen das lange genug“, beeindruckte sie mit einem Statement, dass es in sich hatte. Sie führte die Artenvielfalt von Flora und Fauna ebenso ins Feld, wie auch den Schutz von Habitatbäumen. Die schmale Straße, die direkt am Naturdenkmal Weinberg vorbeiführt, sähen einschlägige Behörden als für eine Erschließung nicht geeignet an. Die extreme Steillage erforderten dazu große Erdbewegungen. Der Grundstückseigentümer hätte ab dem 1. Oktober die Berechtigung dort oben im Nikolaisgrund alles bis auf die Habitatbäume zu fällen, ohne dass vorher noch einmal genehmigen lassen zu müssen. Garotti appellierte an die Parlamentarier durch die Signalisierung einen Bauantrages bei Eingang abzulehnen, dem Investor zusätzliche Kosten im Vorfeld zu ersparen. Ihr Statement endete mit: „Wir werden eine Bebauung grundsätzlich ablehnen“ und dafür erhielt sie den Beifall aller Anwesenden.
Der Weinberg, Nikolaisgrund oder Pfeifers-Loch, wie der Volksmund den Mischwald unterhalb des Aussichtsturm Dillblick auch nennt, ist gerettet.
Was wohl viele Parlamentarier brüskiert hatte, war die Erkenntnis, dass sie zwar im Vorfeld über das Vorkaufsrecht für die Grundstücke abgestimmt hatten, diese Abstimmung aber völlig überflüssig war. Die Verwaltung hätte es einfach versäumt die Politiker darüber zu informieren, dass der Termin dazu schon verstrichen war, so konnte man hören. Also war dies schon damals lange „hinterm Pflug“. Das brachte Klaus Enenkel (FWG) in Harnisch. Zu einen bemängelte er die Tischvorlage, die er als ungenügend in der Sache bezeichnete. So hätte er sich gewünscht, dass man über die Grundstücksfläche Nikolaisgrund ausreichend informiert worden wäre. „Es schmeckt mir außerdem überhaupt nicht, dass wir über die Fristen im unklaren gelassen wurden, so nach dem Motto vielleicht merken die das ja gar nicht“. Das werde, wenn das so weiter geht und was meine Person betrifft,in Zukunft so richtig Ärger geben, fügte er aufgebracht hinzu.
Ein wenig verwunderlich war die Tatsache, dass in Sachen Weinberg-Bebauungsabsichten und der damit verbundenen Eingriffe in die intakte Natur die Signale wohl bei den meisten Parlamentariern auf Rot standen, aber Bürgermeisterin Katja Gronau die wohl übersehen hatte. Es war im Verlauf der Sitzung jedenfalls nicht klar erkennbar, dass sie den Argumenten Herborn-Klima-Stadt und Erhalt des zu schützenden Waldgebiets oberhalb des Weinbergs positiv gegenüber gestanden wäre. Eine klare Haltung für die Stadt und deren Bürger sieht anders aus. Es gilt immer noch der Grundsatz, dass sich Einzelinteressen dem Gemeinwohl unterzuordnen haben.
Fakt ist, dass am Donnerstagabend nicht nur das Herborner Klima gesiegt hat, sondern auch die Basisdemokratie. Es wurde deutlich, dass Volkes Wille und Vernunft mit rein demokratischen Mitteln und mittels Einhaltung parlamentarischer Spielregeln, durchzusetzen sind.
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