Moselperle und Lost Places

Von Siegfried Gerdau

Moselkenner wussten es schon immer. Wer alle Ecken, Winkel und Dörfchen dieses romantischen Kleinods bereisen will, braucht viel Zeit. Dennoch entdeckt man immer wieder Orte, die man so noch nicht erlebt hat.

Da wo die Mittelmosel beginnt liegt ein Dorf, dass so oder ähnlich schon im Mittelalter existiert hat. Mesenich, ein Weinort wie er im Buche steht. In den kleinen, verwunschenen Gässchen, wagt man es kaum fest auf das alte Kopfsteinplaster zu treten. Der Tagtraum könnte platzen. Fast in jedem der schmucken Häuschen, hat man irgend etwas mit Wein zu tun.

Mesenich lebt den Wein

Rüber und nüber wachsen alte Weinstöcke und erinnern ständig an eine zünftige Weinprobe.

Bei aller Weinseligkeit, gab es hier jedoch schon einmal eine Brauerei.

Der Niedergang hatte schon lange begonnen

Die ersten Touristen kamen zu Beginn des 19.Jahrhunderts an die Mosel. Darunter auch viele englische Maler, schreibt der Chronist. Die Begeisterung über so viel Romantik befeuerte den Moseltourismus.

Im ehemaligen Abtei-Zehnthof Mesenich wurde damals das erste englische Bier gebraut.

Ein englischer Privatmann erkannte den Durst seiner Landleute nach „Porter“ und „Ale“. 1852 richtete er im ehemaligen Abtei-Zehnthof eine Brauerei ein. Das lief wie geschmiert und verlangte nach mehr Platz. Den fand der Unternehmer gegenüber von Mesenich, also auf der anderen Moselseite. Er ließ ein stattliches Brauerei-und Lagergebäude errichten und der Bierumsatz brach alle Rekorde.

Viele Engländer fanden in der Brauerei Lohn und Brot. Nur vier Jahre später im Jahr 1858 beendeten schwere Unglücksfälle diesen Höhenrausch und die Gebäude standen zum ersten Mal leer. Das endgültige Aus kam nach mehren Besitzerwechseln und Nutzungen 1950. Seitdem verfallen die Gebäude immer mehr und was „Grabräuber“ nicht gebrauchen konnten, blieb als Bauruine zurück.

Das einstige prachtvolle Brauereigebäude, liegt im Dornröschenschlaf erstarrt.
Ob der einstige Erbauer der Mesenicher Brauerei jemals von diesem Balkon auf die Mosel sah, bleibt im Dunkel der Geschichte verborgen.

Dem Weinort hat die Brau-Ära nicht geschadet,im Gegenteil. Wenn auch heute die Vergangenheit ihr Tuch des Vergessens über diese Epoche ausgebreitet hat, der Reiz fast verschwundenes neu zu entdecken, ist einfach einzigartig.

Gedenken über die feigen Morde in Israel.

Von Siegfried Gerdau

Mein Radausflug führte mich heute in die Calmont-Region nach Ediger-Eller. Schöne alte Häuser empfingen mich und mitten in dem Ensemble eine alte Synagoge.

Der schmucke Moselort Ediger-Eller

Was für ein Zufall oder war es eine Eingebung? Leise öffnete ich die Tür und betrat mit großer Ehrfurcht das spartanisch eingerichtete Gotteshaus.

Die kleine schmucklose Synagoge ist heute im Gemeindebesitz.

Neben ein paar Gebetstafeln fiel mir sofort ein siebenarmiger Leuchter ins Auge.

Der für jüdische Gotteshäuser typische siebenarmige Leuchter.

Direkt neben dem Eingang eine bescheidene Bibliothek mit Lektüre über das Judentum. Auf einem Gebets-Pult fand ich eine Palmsammlung in der ich zu lesen begann. Einer davon passte so exakt zu den grauenhaften Vorfällen in Israel, dass ich ihn aufschrieb und nachfolgend wiedergebe.

Psalm 83

1. Ein Psalmlied Asapas.

Gott, schweige doch nicht und sei doch nicht so Stille. Gott halte Dich doch nicht so ruhig.

2. Denn siehe, Deine Feinde toben, und die Dich hassen, richten den Kopf auf.

3. Die machen listige Anschläge wider Dein Volk, und rathschlagen wider Deine Verborg’nen.

4. Wohl her! Sprechen sie, laßt uns sie ausrotten, daß sie kein Volk seien, daß des Namens Israels nicht mehr gedacht werde.

5. Denn sie haben sich vereinigt mit einander und ein Bund wider Dich gemacht……..

Während ich versuchte mich in den Schmerz der Menschen hineinzudenken und mir das Elend der Geiseln vorstellte, fragte ich mich was um Gottes-Willen das jüdische Volk getan hat, dass es über Jahrhunderte immer wieder unter ihren Mitmenschen zu leiden hat.

Der Synagoge fehlt der für christliche Gotteshäuser oftmals vorherrschende Prunk.

Ist es die Intelligenz, die sie schon seit jeher immer wieder zu Beratern von Königen machte. Ist es der Neid, dass sie gleich in welchem Land immer wieder erstaunliches leisten. Ist es Missgunst, dass Juden ihren Vorzeige-Staat Israel buchstäblich aus dem Wüstensand stampften.

Die Gebotstafeln (10 Gebote) sind nicht zu übersehen.

Was sie leisten ist beispielhaft und nur ihr unbedingter Überlebenswille bewahrte sie bisher davor, von ihren hasstriefenden Nachbarn ausgelöscht zu werden.

Die kleine Synagoge in dem hübschen Moselörtchen Ediger-Eller könnte so viel erzählen. Von Hass und Missgunst ihrer Nachbarn, die nicht akzeptieren wollten, dass es auch andere Glaubensrichtungen gibt. Von den vielen Mitglieder der kleinen Glaubens-Gemeinschaften, die über Nacht abgeholt und in Konzentrationslagern umgebracht wurden.

Nationalsozialisten haben dies teils mit Wissen der Deutschen Bevölkerung getan. Diese (Erb-)Schuld ist ein ungeheures Vermächtnis.

Mir bleibt nur zu sagen: Es lebe Israel und Gott möge das jüdische Volk mehr als bisher schützen. Fotos: Gerdau

Die alte Moselfähre

Rund 70 Jahre leistet die alte Fähre zwischen Beilstein und Ellenz-Poltersdorf schon ihren Dienst. Nach dem Krieg wurde sie in Köln gebaut und in Einzelteilen an ihren späteren Bestimmungsort gebracht. Mit ihrem Vierzylinder Klöckner-Humbolt-Deuz-Motor und den 40 Pferdestärken tuckert sie täglich unzählige Male über die Mosel.

Die Tage der Beilsteiner Moselfähre sind gezählt.

Ihre Tage sind jedoch gezählt, sagt der Fährmann. Er denkt, dass im nächsten Jahr eine neue Fähre ihren Dienst übernimmt.

Das macht schon ein wenig traurig. Zu oft haben wir ihre Dienste für 1,50 Euro pro Person und Fahrt gerne beansprucht und das tuckern der Maschine vernommen sowie dem Spiel des Führungsseils zugeschaut.

Wenn ein Frachter oder ein Flußkreuzfahrtschiff ihre Bahn kreuzt, musste sie warten bis das Gewässer frei ist. Den meist zahlreichen Fahrgästen ist es egal. Sie haben Zeit und genießen immer gerne die  kurze Flußüberquerung

Burg Metternich

Hoch über der träg dahinfließenden Mosel ragt die Ruine der Burg Metternich. Wo einst adelige Ritter Feste feierten und das Geld aus der Arbeit ihrer Leibeigenen verprassten, schauen sich heute Bus-oder ganze Schiffsladungen die alte Kulturlandschaft von oben an. Wer möchte kann hier gut essen und trinken oder einfach nur die Seele baumeln lassen.

Im tief darunter liegenden Beilstein, dem Dornröschen der Mosel, tanzt der Bär. Ganze Heerscharen von Touris wälzen sich fast täglich durch die schmalen Gassen des mittelalterlichen Kleinods.

Der kleine Hund freut sich über jeden Gast

Hier wo einst Heinz Rühmann im Jahr 1936 den wohl bekanntesten deutschen Lustfilm „Wenn wir alle Engel wären“ vor dem Krieg drehte, sind besonders in der Saison Touristen aller Nationen vertreten.

Schöne Cafés, Restaurants für alle Ansprüche und an allen Ecken Moselwein aus den besten Lagen, der Gegend laden zum Verweilen ein. Wanderer in Profi-Ausrüstung, Radfahrer aller Kategorien und Menschen ob groß oder klein, die einfach nur den Reiz der einmaligen Mosel-Landschaft genießen wollen sind unterwegs. Ambitionierte Wanderer lieben den Moselsteig, der teils ziemlich anspruchsvoll sein kann.

Wer jedoch gemütlich mit dem Rad fahren will, findet an der Mosel sein Traumland. Ob flach oder hügelig, die meisten Radwege sind geteert oder nutzen die hervorragenden Flurwege der Winzer.

Hotelzimmer oder Pensionsunterkunft gibt es in allen Preisklassen und Ausstattungen. In Beilstein muss niemand auf der Straße schlafen und fast in Rufweite über der Mosel ist der Fremden-Verkehrsort Ellenz-Poltersdorf eine weitere gute Adresse. Von hier hat man an vielen Stellen einen zauberhaften Blick auf Burg, Ort und Mosel.

Hier wachsen unter anderem die Trauben für das leckere Goldbäumchen. Die Winzerfamilie Claudia und Udo Loosen am Goldbäumchenweg, verkaufen nicht nur ihre hochwertigen eigenen Erzeugnisse, sonder bieten Wohnmobilreisenden bis zu 14 Stellplätze an.

Weingut Loosen

Wer hier nächtigt, fühlt sich schon wenig später, wie zu Hause. Im ebenfalls der Familie gehörenden Gästehaus finden auch Nicht-Wohmobilisten eine schöne Bleibe. Cochem, mit seiner einzigartigen Burg, ist nur wenige Kilometer weit entfernt. Per Rad, Bus oder Schiff gut erreichbar, bietet sich die alte Stadt für einen Tagesausflug geradezu an.

Ellenz mit WoMo Stellplatz unterer Bildrand Mitte

Auf geht’s, die Mosel ist schon lange kein Geheimtip mehr. Wer rechtzeitig für einen WoMo-Stellplatz oder ein Zimmer bucht, kann hier einen wunderschönen Urlaub verbringen. sig/Fotos: Gerdau

Herbst an der Mosel

Die letzten Rosen des Jahres blühen auch noch an der Mosel

Von Siegfried Gerdau

Der Oktober hat es bisher gut mit uns gemeint. Sommerliche Temperaturen,  über die zu freuen, man sich fast nicht mehr getraut.

Die Blätter färben sich.

Die Blätter an den Bäumen sagen es deutlich, es ist Herbst, auch an der Mosel. Ausflugsdampfer fahren gefühlt schneller als sonst, als wollten sie die Zeit stoppen.

Die Ausflugsschiffe nehmen in Cochem immer noch viele Reisende auf.

Die Uferstraßen teilen sich Wohnmobile mit dem alltäglichen Berufsverkehr und schweren Winzermaschinen. Die oft im Rentenalter befindlichen Wohnmobilisten nutzen die letzten Sonnenstrahlen. An den Stoßstangen ihrer fahrbaren Unterkünften kleben Autokennzeichen aus halb Europa.

Die Menschen an der Cochemer „Uferpromenade“ pendeln gut gelaunt zwischen stark frequentierten Restaurants und Einzelhandels-Geschäften. Die letzten Blumen in den kleinen Vorgärten recken ihre Blüten der Sonne entgegen.

Zwischen den vielen Menschen, die den Bussen entsteigen immer wieder zünftig gekleidete Wanderer. Die teils in großen Höhen verlaufende Moselsteige, sind oft ganz schön anspruchsvoll. Radler bewegen ihre Akku-Boliden lieber auf den Radwegen im Tal.

Ein wunderschönes Stück Erde.

Für Menschen, die es lieber ruhig haben wollen, ist der Herbst an der Mosel eine sehr angenehme Reisezeit. Die Sevicekräfte und Pensionsbetreiber atmen auf und freuen sich auf die winterliche Auszeit.

Die Straßen in Cochem sind noch gut gefüllt

An der Mittelmosel sind die meisten Reben geerntet und gepresst. Es ist Zeit für Federweißer und Zwiebelkuchen. Die Winzer laden zu Weinproben mit jungem Riesling ein und der Weinverkauf sprengt nach Winzer-Aussagen alle Rekorde. Winzer Udo Loosen rät seinen Kunden in seinen Wein zu investieren. Mehr Prozente bekäme man bei keinem Bank-Institut.

In den bewirtschafteten Weinkellern genießen die Gäste den leckeren Moselwein

Die Dramen im Nahen Osten und der Ukraine bleiben bei den meisten Touristen außen vor. Sie wollen einfach abschalten und manchesmal gelingt dies auch. Man habe ein Recht darauf sich einfach mal treiben zu lassen und nicht pausenlos von Not und Elend zu hören und zu sehen, sagt eine Frau. Wir ändern eh nichts daran, fügt sie hinzu.

Damals war an der Mosel nicht alles Freud und Sonnenschein.

Das Wetter ändert sich jedoch , sagen die Meteorologen und beim Blick auf den Kalender wundert dies nicht. Spätestens Übermorgen werden sich die Touristenkaravanen auf den Weg nach Hause machen. Das zu erwartende Regenwetter erträgt man doch dann besser in heimatlichen Gefilden. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Fotos: Gerdau

Danke Hessen!

Von Siegfried Gerdau

Der Souverän hat gezeigt, dass er sooo nicht mit sich umgehen lässt.

Natürlich war die Hessen- aber auch Bayern-Wahl eine Reaktion auf die desaströse Regierungspolitik in Berlin.

So fängt der Tag gut an.

Warum auch nicht, es sind ja schließlich auch die gleichen Roten und Grünen Genossen.

Den Hessischen Wähler sei Dank. Ihre hohe Beteiligung an der Wahl hat gezeigt, dass sie alles andere als politikverdrossen sind. Im Gegenteil. Sie haben sehr wohl erkannt, was im Land schief läuft.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Menschen bei der Bundestagswahl auch daran denken, dass sie die Auftraggeber derer sind, die Politik für sie machen sollen und dementsprechend die Vorgaben stellen.

Der Wähler hat es in der Hand und wie es geht, haben die Hessen gestern gezeigt.

Hoch lebe die Demokratie.

Kommentar

Hessen ist gespannt auf den Wahl-Ausgang

Von Siegfried Gerdau

Gestern war in vielen Städten und Gemeinden bei den Parteien in Sachen Wahlwerbung Endspurt angesagt. Noch einmal zeigten sie in Wahlständen und auf Plakaten Flagge. Es ging allerdings weniger um Überzeugungsarbeit-dafür ist es ohnehin zu spät- sondern einfach nur darum Präsenz zu zeigen.

Die CDU lässt Selbstbewusstsein erkennen. Ihre Gegner haben es ihr leichtgemacht. Die Ampel-Fehler in Berlin schlagen bis ganz nach unten durch. Umsonst der Hinweis, dass es um Hessen geht. Fürs Wahlvolk ist es wurscht.

Ganz Verhalten lässt man durchblicken, dass es mit Schwarz/Grün weitergehen könnte. Das sei zwar anstrengend, aber praktikabel, so hört man bei den Parteioberen heraus. Querelen in der Regierungsarbeit der Hessen-Koalition blieben weitgehend unter der Decke und damit können auch die hessischen Grünen punkten.

Die Sonnenblumen verwelken zusehends und von ihrer einstigen Pracht wird schon bald nur noch wenig übrig sein.

Ob die jedoch das miserable, selbstgeschneiderte Image als „Regierungspartei“ aus dem Landtagswahlkampf heraushalten können ist fraglich. Zu sehr haben sie nicht nur den kleinen Mann auf der Straße durch immer mehr mit Verboten und Gängeleien verärgert und verunsichert. Ihre Zeit als Umweltpartei spielt auch in Hessen keine Rolle mehr. Viele Menschen wünschen ihnen zwar nicht die Pest an den Hals, aber dafür ein einstelliges Wahlergebnis. Den Wähler als Souverän und Auftraggeber haben sie geflissentlich übersehen und sich als die Propheten einer neuen Zeit in Szene gesetzt. Das könnte sich nicht nur in Hessen rächen.

Ganz anders die SPD. Ihre Farblosigkeit, die sie als „Juniorpartner“ der Grünen in der Bundespolitik an den Tag legt, setzt sich in Hessen ebenfalls durch. Es mangelt ihr an Profil und Überzeugungsarbeit. Was die hessischen Genossen an Spitzenleuten aufbietet, lockt beim Gegner höchstens ein müdes Lächeln hervor. Ob der designierten Ministerpräsidentin Nancy Faeser die, falls sie scheitern sollte, wieder ins (un) gemütliche Innenministerinen-Nest zurück kriechen will, dieses Vorhaben zu Last gelegt wird, kann man schon am morgigen Sonntag erfahren.

Allzu viele Fehltritte pflastern darüber hinaus den Weg der 44-Jährigen. Was ihrer einstigen Vorgängerin Ypsilanti den politischen Hals gebrochen hat, braucht sie jedenfalls nicht zu fürchten. An die hessischen Linken muss sie keinen Gedanken verschwenden. Die zittern schon seit langem, ob sie überhaupt noch dabei sein werden.

Das gilt auch für die FDP. Die Zünglein-Partei hat sich in Berlin kaum mit Ruhm bekleckert und wurde in Hessen so gut wie nicht wahrgenommen. Ihre Zeit als kleine, aber starke „Wendepartei“ scheint tatsächlich vorbei zu sein. Wenn sie wirklich aus dem Landtag fliegen sollte, wird es spannende Koalitionsverhandlungen geben.

Eine Unbekannte, vor der alle etablierten Parteien zittern, ist der Aufschwung des „Enfant terrible“. Die AfD hat in der vergangenen Zeit ihren Wahlkampf fast ausschließlich von ihren politischen Gegnern bestreiten lassen. Die haben dabei „gute“ Arbeit geleistet. Die immer stärkeren Angriffe aus den Reihen von SPD, CDU und anderen Parteien, haben dazu den Alternativen eher genützt als geschadet. Dazu kommt, dass sich die „Blauen“ als DIE Oppositionspartei fühlen konnten und auch beim Wahlvolk so wahrgenommen werden.

Im Umgang mit der 30 000- Mitglieder-Partei haben die „Platzhirsche“ alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte. Mahnende Worte aus den eigenen Reihen wurden mit viel Fleiß ignoriert und damit Märtyrer am Fließband produziert. Sollte die AfD bei dieser Wahl tatsächlich einen hohen Stimmenanteil verzeichnen, werden sich auch die Medien einen neuen Umgang mit den „schrecklichen Kinder“ überlegen müssen.

Die restlichen 17 vom Landeswahlausschuss für die Landtagswahl am morgigen Sonntag zugelassenen Landeslisten, werden teilweise an der 5-Prozent-Hürde scheitern oder höchstens Achtungserfolge einfahren.

Die Bayern-Wahl, die am gleichen Tag stattfindet, wird wenig Überraschendes zu Tage bringen. Zu stark ist die CSU im Land der Bajuwaren.

Gesetz für einen besseren Schutz hinweisgebender Personen (Hinweisgeberschutzgesetz – HinSchG)

Aufforderung zum Denunzieren und „in die Pfanne hauen?“

Am 2.Juli 2023 trat in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft, welches den Schutz von Hinweisgebern (Whistleblowern) regelt.

Natürliche Personen, die im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit oder im Vorfeld einer beruflichen Tätigkeit Informationen über Verstöße erlangt haben (hinweisgebende Personen), können die Informationen über Verstöße an die zuständigen Meldestellen übersenden.

Das Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) besagt in diesem Zusammenhang, dass Hinweisgeber, die Missstände im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit melden, einen besonderen Schutz genießen, und regelt gleichzeitig den Umgang mit Meldungen. Unternehmen und Behörden ab 50 Mitarbeitern sind demnach dazu verpflichtet einen internen Meldekanal einzurichten.

Das „Whistleblowerschutzgesetz“ (Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) regelt den Umgang mit Meldungen zu Betrügereien, Korruption und anderen Missständen in Behörden und Unternehmen; ebenso mit Hinweisen auf mangelnde Verfassungstreue von Beschäftigten im öffentlichen Dienst, auch wenn dabei keine konkreten Straftaten vorliegen. Enthalten sind Vorgaben zu Verfahren und Vertraulichkeit der Meldungen und Maßnahmen zum Schutz der Hinweisgeber vor Repressalien – aber auch Haftung, Schadensersatz und Bußgelder im Falle bewusst falscher Angaben.

Meldestelle bei der Justiz

Zusätzlich will der Bund eine externe Meldestelle beim Bundesamt für Justiz errichten. Die Länder können eigene externe Meldestellen einrichten. Eine Pflicht, die Abgabe anonymer Meldungen zu ermöglichen besteht weder für interne noch für externe Meldestellen. Es wird lediglich vorgegeben, dass die Stellen auch anonym eingehende Meldungen bearbeiten sollten.

„Beamtinnen und Beamte, die eine Meldung oder Offenlegung nach dem Hinweisgeberschutzgesetz vornehmen, sind von der Einhaltung des Dienstwegs befreit.“

Selbst Verdachtsmomente sind meldewürdig

Für eine Meldung genügen dabei schon „Verdachtsmomente“ (§ 3 Abs. 3 HinSchG).

Ob Mitarbeiter die Meldesysteme mittels verleumderischer oder missbräuchlicher Meldungen nutzen, um Kollegen anonym anzuschwärzen, soll jedoch kein Problem sein. Laut eines Whistleblowing- Reports, zielen weniger als 9 Prozent der eingegangenen Meldungen darauf ab, einzelnen Mitarbeitenden oder dem Unternehmen zu schaden. sig/Foto: Gerdau

Ältester Herborner feiert seinen 104. Geburtstag

Kurt Walter Ernst hat den II. Weltkrieg von Anfang bis Ende erlebt und war anschließend viele Jahre in russischer Gefangenschaft. Jetzt feiert der geistig topfitte Herborner im Kreis der Familie seinen 104. Geburtstag.

In Schackstedt in Sachsen-Anhalt wurde der Jubilar als einziges Kind einer landwirtschaftlich orientierten Familie geboren. Nach der allgemeinen Schulzeit arbeitete er bis zum 17. Lebensjahr im heimischen Betrieb und meldete sich 1938 freiwillig zur Wehrmacht. Dass der Mann, auf den er seinen Eid geschworen hatte, schon bald fast die ganze Welt in Brand steckte, ahnte er damals noch nicht.

Vom ersten Kriegstag an war er als Kradmelder auf fast allen Kriegsschauplätzen dabei. „Ich habe Glück gehabt und war nur einmal verwundet“, sagte der Mann, der das Trauma dieses schrecklichen Krieges bis heute nicht überwunden hat. Mit seiner Kompanie machte er schon sehr früh im heimischen Raum Station und war bei der Herborner Familie Adelmann im Quartier. Das Kriegsende 1945 erlebte er als russischer Gefangener in Rumänien. Von dort ginge es in Fußmärschen nach Rumänien. Irgendwann hatten die Sowjets ihn völlig unbegründet im Verdacht, ein Angehöriger der Division Brandenburg zu sein. Die deutsche Spezialeinheit des Amtes Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht, war bei der Roten Armee besonders verrufen. Er lernte viele russische Gefängnisse kennen, darunter auch die berüchtigte Lubjanka“ in Moskau, ein Synonym für massenhafte willkürliche Verhaftungen, Folterungen und Erschießungen. Man verurteilte ihn schließlich zu 25 Jahren Straflager in Workuta am Eismeer. Nach drei Jahren Haft unter unmenschlichen Bedingungen, ging es nach Stalingrad und er half bei Aufbau der total vernichteten Stadt an der Wolga. Nach langen Verhandlungen des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow wurde Kurt Ernst mit dem letzten Kontigent Kriegsgefangener in die Heimat entlassen.

Lange Zeit wohnte er im Auffanglager Friedland, bis er auf die Idee kam die Schwester seines einstigen Quartiergebers als seine eigene auszugeben. Der Trick gelang, und so kam er nach Herborn.

Er bekam als ehemaliger Kriegsgefangener bevorzugt eine Stelle an der Bahn und wurde Zugführer. In dieser Zeit lernte er seine spätere Ehefrau Helene Adelmann kennen und schon bald fand die Hochzeit statt. Das Paar bekam eine Tochter Bettina, die den immer noch Alleinlebenden heute gemeinsam mit der guten Nachbarin Ingrid Fischer umsorgt. Essen auf Rädern und der tägliche Besuch der mobilen Pflege sind die Voraussetzungen für seine Selbständigkeit. Kurt Ernst erledigt seine anfallende Post wie Rechnungen bezahlen und mehr, immer noch alleine. Vor wenigen Tagen feiert er gemeinsam mit der ganzen Familie seinen Ehrentag mit einem Essen in einem Donsbacher Restaurant.  sig/Foto: Gerdau

SGH Kartoffelfest 2023

Mit einem solchen Ansturm an hungrigen Besuchern hatte der Sozial-Gruppe-Herborn (SGH) Vorsitzende Kurt Meinl am Tag der Deutschen Einheit nicht gerechnet.

Seine vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer waren zum traditionellen Kartoffelfest mit ihren Herborner Hatscheln, Bratwürsten und Pommes im Hof der Hohen Schule gut darauf vorbereitet. Dachten sie. Nach noch nicht einmal einer Stunde waren 300 Hatscheln gebacken und unters Volk gebracht. Zum Glück hielten die Würste länger durch und die schmeckten ebenfalls sehr lecker. Auch das gute Pils vom Westerwald erfreute sich großer Beliebtheit. Staunend stellte man fest, dass der Bierwagen seine Zapfanlagen nicht in Betrieb nehmen musste. Die Gläser wurden nach einem ausgeklügelten Verfahren von unten gefüllt.

Gegen 14 Uhr fielen die ersten Regentropfen, aber da war bereits alles gegessen und getrunken.

sig/Fotos: Gerdau