Selzer entlässt weitere Mitarbeiter

Weihnachtsgeschenke sehen anders aus

In einer Sondersitzung informierte die Geschäftsleitung des Driedorf-Rother Automobil-Zulieferer Selzer gestern (9. Dezember 2020) die Belegschaft über weitere Maßnahmen im Rahmen ihres „Budgets“.

In einem langfristig angelegten Optimierungsprogram mit dem wohlklingenden Namen „Selzer 2025“ will die Selzer Gruppe den Standort Driedorf zu ihrem Leitwerk entwickeln.

Ziel sei es, so die Geschäftsleitung: Effizienz und Profitabilität zu steigern, um so die Wettbewerbsfähigkeit und die Existenz langfristig abzusichern und den Standort auf die zukünftige Produktion unter Anderem aus dem Bereich der Elektromobilität einzustellen.

Im Rahmen dieses Optimierungsprogramms ist geplant, am Standort Driedorf-Roth 2021 Schwerpunktmaßnahmen durchzuführen und für das Jahr 2022 vorzubereiten.

Dann kommen Allgemeinplätze über Steigerung der Produktivität und andere Wohltaten, die dem Unternehmen und den Eignern guttun. Nachdem nun die halbe DIN A 4- Seite vollgeschrieben ist, ist die Arbeitnehmerschaft an die Reihe.

In dem hier vorliegenden Originaltext heißt es: Der Rückgang der Kundenbedarfe in 2021 erfordert, nach heutigem Kenntnisstand, eine Reduzierung der Beschäftigung. Die Personalstärke in der Produktion und in den produktionsnahen Bereichen muss voraussichtlich um bis zu 61 Mitarbeiter angepasst beziehungsweise reduziert werden.

Weiterhin ist geplant, die Fertigungstiefe durch eine Reduzierung in den Vorfertigungsstufen zu optimieren. Diese sind durch geringe Nutzungsgrade, ältere Anlagen mit hohen Instandhaltungs- und Energiekosten sowie einem hohen Betreuungsaufwand durch indirekte Bereiche belastet.

Der Betrieb der Bereiche Feinschneiden, Ofenhärten und Phosphatieren sowie der Werkzeug-, Vorrichtungs- und Betriebsmittelbau soll bis Ende 2022 eingestellt und durch Zukauf ersetzt werden.

Um den Abbau von bis zu 154 Mitarbeitern sozialverträglich zu gestalten, sollen mit den Betriebsräten zeitnah die Verhandlungen eines Interessenausgleichs und eines Sozialplans begonnen werden.

Fazit: Die Salamitaktik der Führung des einstmaligen Westerwälder Vorzeigeunternehmen geht weiter. Sicherheitshalber haben Lutz Henkel, Dr. Ing. Markus Schiffmann und Klaus Groth auf den abschließenden Satz „Frohe Weihnachten“ verzichtet. Todkranken spricht man derartige Wünsche ja auch nicht aus.  sig/Foto: Gerdau

Weihnachtslieder aus der Rufanlage

Auch die „Westerwäller Jungs“ um Eberhard Nickel aus Schönbach werden in diesem Jahr wegen Corona nicht Live zu hören sein. Ihm hat das keine Ruhe gelassen und er hat sich etwas überlegt: „Ich werde am kommenden Samstag (12. Dezember) ab 16.30 Uhr Weihnachtslieder unserer Band von der Konserve über die Schönbacher Dorfrufanlage abspielen“, freut sich Nickel. Ditmar Zibelius der pensionierte Allgemeinmediziner, wird ihm dabei zur als Co-Moderator zur Seite stehen. Da die „Westerwald-Jungs“ nicht nur Instrumentalmusik machen sondern auch hervorragende Sänger in ihren Reihen haben, kommen die schönen Lieder sicher gut an.

gerdaus-welt findet diese Idee einfach Spitzenklasse. „Die Menschen brauchen in dieser trüben Zeit etwas, dass sie erfreut und was passt da besser als die alten Weihnachtslieder von Menschen gesungen und gespielt die man kennt“, meint Eberhard Nickel, der selber einer der musikalischen Jungs ist.

Archiv-Foto vom Open Air- Konzert Dezember 2017 auf dem Herborner Marktplatz mit den Westerwäller Jungs.

Also Aufgepasst: Am Samstag ab 16.30 Uhr die Ohren gespitzt. Es wird mit Sicherheit eine tolle Sache, die viele Menschen erfreuen wird. sig/Archiv-Foto: Gerdau

Erotikshop in Dillenburg eröffnet

Seit Anfang dieser Woche (1.Dezember 2020) hat der neue sinnliche Erotikshop „mysexysecret“ in der Schelderau 1 in Dillenburg-Niederscheld geöffnet. Man muss schon einige Kilometer zurücklegen, um ein vergleichbares Angebot an Erotikartikel der unterschiedlichsten Art anzuschauen und kaufen zu können. Was bisher lediglich in größeren Städten angeboten wurde, findet man nun auch in nächster Nähe. Der Vorteil gegenüber dem Internetkauf, man kann alles anfassen und bekommt so ein Gefühl auch das richtige Produkt noch diskreter zu kaufen.

Im Erdgeschoß des Bürohauses der ehemaligen Niederschelder Adolfshütte kann man den Erotikshop leicht finden.

Jede Art von Spielzeugen für Paare oder Singles, für erfahrene Nutzer oder neugierige Neulinge, findet man in dem sehr gut sortierten Laden-Geschäft gleich im Anschluss an den schon lange existierenden Video-Verleih „Movie Vision“.

Daniela Hirse ist die Filialleiterin von „mysexysecret“.

Schon im Vorbeifahren auf der B277, vor dem Ortseingang von Dillenburg, kann man das Gebäude sehen. Filialleiterin Daniela Hirse (35) steht ihren Kunden mit Rat und Tat zur Seite und verweist auf ihre umfangreiche Dessous-Kollektion für alle Wünsche und Vorlieben. Auf ihre Diskretion kann man sich absolut verlassen und so wird bereits der diskrete Einkauf zu einem sinnlichen Erlebnis.

Das Angebot an hochwertigen Markenartikeln ist sehr groß.

Neben Vibratoren aller Formen und Ausführungen, gibt es Gleitgele und Öle, Toys für Boys, aber auch viele fantasievolle Sets für sie und ihn. Das komplette Repertoire einschlägiger Markenartikel ist entweder vorrätig oder kann blitzschnell beschafft werden. Dem Anspruch des Hauses folgend sind fast ausschließlich bekannte Qualitätsmarken wie „Womanizer“, „Satisfywe“, „Hidden Desire“, „Fröhle“ und viele andere mehr im Angebot. Nach den Einschränkungen durch die grassierende Covid-19 – Pandemie hoffen die Shop-Betreiber mit interessanten Events für sie und ihn, aber auch für Paare und Gruppen ihren Kunden weitere fantasievolle Einkaufserlebnisse bieten zu können.

Der Shop führt ebenso Bondage-wie BDSM-Zubehör.  „mysexysecret“ ist natürlich auch auf Facebook und Instagram vertreten, um Neuerscheinungen und Aktionen zeitnah bekannt zu machen. Die Öffnungszeiten sind Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 14 bis 19 Uhr (Samstag von 11 bis 18 Uhr). Mittwoch geschlossen. Im Internet ist der Shop unter www.mysexysecret.de zu finden. Telefonische Anfragen und Bestellungen 02771 265008. sige/Fotos: Gerdau  

Was haben Steckrüben mit dem Gießereisterben zu tun?

Von Siegfried Gerdau

Das Gießereisterben in Deutschland geht weiter. Ein Blick ins Internet genügt, um die Zahl der schließenden Betriebe addieren zu können. Die verbleibenden bauen Personal ab und versuchen so die Kurve zu kriegen. Nicht nur Corona macht den Unternehmen zu schaffen. Die immer höher steigenden Energie-, sprich Stromkosten sind schon lange ein Faktor, der ihnen schwer zusetzt. Was bereits 2019 ein Thema war, wird jetzt zusätzlich durch die Pandemie, mit all ihren direkten und indirekten Nebenwirkungen, befeuert.

Heute Mittag besuchte ich die einzige Herborner Gießerei. Sozusagen im letzten Moment. Sie wird es schon in ein paar Tagen nicht mehr geben. Deren Kerngeschäft, der Aluminium-Guss, ist nicht mehr gefragt und die Auftragslage tendierte gegen Null.

Neben dem Maschinenbau, der schon seit dem vergangenen Jahr immer größere Auftragseinbrüche hinnehmen muss, ist vor allem auch die deutsche Autoindustrie in einer mehr oder weniger hausgemachten Krise. Die „Schlüsselindustrie“ wie sie gerne genannt wird, steht vor ihrer gewaltigsten Umstellung und ob diese gelingt, steht in den Sternen. Mehr als 800.000 Beschäftigte arbeiten hier, direkt und indirekt hängen geschätzt zwei Millionen Menschen vom Wohl und Wehe dieses wichtigsten Wirtschaftszweigs ab. Alle Autohersteller streichen Stellen, bis zu 31 Prozent der Metallbeschäftigten sind in Kurzarbeit.

Den Wasserdampf aus Kühltürmen wie hier bei den Braunkohlekraftwerken der Lausitz wird man schon bald nur noch aus französischen, belgischen, polnischen oder anderen Atomkraftwerken entlang oder in der Nähe der bundesdeutschen Grenzen sehen. Foto: Gerdau

Für die Energiewirtschaft gibt es bisher noch kein ausgereiftes Konzept. Atom- und Braunkohlekraftwerke wurden und werden geschlossen, Wind und Sonne reichen nicht, um die Stromverbrauchspitzen abzudecken. Deutschland kauft deshalb für bestimmte Zeiten Strom zum Beispiel aus französischen Atomkraftwerken. Andererseits suchen die Energieerzeuger händeringend Abnehmer für Stromüberkapazitäten in Zeiten, wenn der Wind kräftig bläst, die Sonne stundenlag vom blauen Himmel scheint, aber in Deutschland keiner diesen Strom braucht, weil gerade Sonntag und Sommer ist. Für diesen überschüssigen Strom zahlen nicht die Käufer, sondern im Gegenteil. Sie lassen sich bis zu einem Euro pro Kilowattstunde dafür geben, dass sie ihn überhaupt abnehmen. Dem deutschen Verbraucher, der die höchsten Stromkosten europaweit bezahlt, wird im kommenden Jahr wieder einmal mehr in die Tasche gegriffen. Natürlich wird auch die Treibstoffsteuer noch einmal kräftig angehoben. Das stecken die kurzarbeitenden oder freigestellten Steuerzahler locker weg, sie sparen ja so viel Geld, weil sie wegen Corona keins mehr ausgeben können. Alles für die Umwelt, sagen uns die Weltverbesserer und alle Länder auf unserem Globus werden schon bald mitmachen, so glauben sie ganz fest. „Am deutschen Wesen soll schließlich die Welt genesen“, sagte Kaiser Wilhelm II. Aber davon hatten damals seine Untertanen auch nicht viel, denn der I. Weltkrieg zwang sie zum Steckrübenessen. Das war ja dann wenigstens vegetarisch und soll sehr gesund sein. Mein Großvater wollte aber nie mehr Steckrüben essen und ich möchte es gar nicht erst versuchen.

Die Politik wurschtelt vor sich hin, träumt von alternativen Antrieben, Null-CO2-Zielen und sauberer Gendersprache. Die ehemaligen Schwellenländer, allen voran die Chinesen, lachen sich ins Fäustchen. Längst haben sie bei den meisten Konsumgütern das Produktionsmonopol. Sacken so ganz nebenbei über 800 Millionen Entwicklungshilfe jährlich von Deutschland ein und schaffen gemeinsam mit Russland eine Freihandelszone. Deutsche Politiker freuen sich über den neuen US-Präsidenten und hoffen, dass er sie die Gaspipeline durch die Ostsee weiter bauen lässt und der Kanzlerin nicht die kalte Schulter zeigt, wie sein ungeliebter Vorgänger.

Wie komme ich jetzt auf das alles. Ach ja, dass Gießereisterben in Deutschland. Bis zum 31.Dezember 2020 haben kränkelnde Unternehmen ja noch Schonzeit und dürfen straflos die drohende Insolvenz bis dahin verschleppen. Mit dem ersten Böller im neuen Jahr müssen die Hosen heruntergelassen werden. Dann sind es nicht mehr nur die Gastronomen, denen das Licht abgedreht wird. Die Politik beschäftigt sich parallel dazu mit der Frage der Impfprioritäten. Keine Frage, ein sehr wichtiges Thema. Andererseits, wenn wir alle im Homeoffice sitzen, tendiert das Ansteckungsrisiko gegen Null. Wer will sich denn dann noch impfen lassen?

Im kommenden Jahr haben wir alle die Wahl. Briefwahl, so wie es aussieht. Corona wird so wenig vorbei sein, wie die Wirtschaftsflaute. Ich kann es mir einfach nicht anders vorstellen. Wir haben die Wahl, die zu wählen, die es können. Keine Traumtänzer und Neusozialisten. Keine Ewiggestrigen oder Nazi-Spinner. Wir sollten Realisten wählen, die ihr Handwerk gelernt haben und sich im Berufsleben davon ernähren mussten. Wir sollten Sprücheklopfern und Heilsbringern eine Absage erteilen. Wir müssen alle an die Wahlurnen gehen, auf dass die Gießereien und alle anderen Wirtschaftszweige wieder schwarze Zahlen schreiben, denn davon leben auch die, die gegen alles sind. Wir brauchen Politiker, die mehr können als Schulden machen. Wir brauchen Parteien, die wieder eigenständige Politik machen. Davon lebt unsere Demokratie und die wollen wir niemals aufgeben.

Feinschmeckertipp aus Herborn

Von Siegfried Gerdau

Wer vermutet hinter der Fassade des schmucken Einfamilienhauses in der Herborner Eichendorffhöhe 37 in der Alsbach schon ein Feinschmeckerparadies. Hier oben, mit Blick über die alte Fachwerkstadt Herborn, sind Maria und Alexander Koch in ihrem Element. Sie verfeinern Schinken, Speck und Schweinefilet und sogar leckerer Käse kommt bei ihnen aus dem Rauch. Auch Putenschinken ist im Angebot.

Maria und Alexander Koch in ihrem Probierstübchen

Um es gleich zu sagen, ich habe mich von der göttlichen Schmackhaftigkeit ihrer Produkte persönlich überzeugt und bin denen restlos verfallen.

Eine klassische Brotzeitplatte für Feinschmecker.

Was treibt Menschen um, solche Köstlichkeit zu kreieren. Die Frage ist relativ einfach zu beantworten, sagt Maria Monika Koch. Die 49-Jährige war es leid immer von ihrem Mann zu hören, dass er den fantasielosen Einheitsgeschmack industriell hergestellter Fleischerzeugnisse leid sei. Sie musste ihm Recht geben. Wenn sie an ihre Herkunft, den Osttiroler Oberkofler-Hof dachte, ist vieles, was man für teures Geld in den Supermärkten kauft, nur ein Abklatsch von dem, was sie von zu Hause gewöhnt war.

Da läuft einem schon beim Anschauen das Wasser im Mund zusammen.

„Dann mach doch mal selber“, sagte Ehemann Alexander und sie machte. Erst einmal musste er jedoch ran. Sie brauchte die richtige Hardware in Form von Räucherschränken. Auch eine externe Küche, die nichts mit der Hauseigenen zu tun hatte, verlangt die Hygienevorschrift. Alexander baute was das Zeug hielt und so ganz nebenbei wurde auch in ihrem schönen Haus so einiges umgebaut. Alles neben der täglichen Arbeit. Dass beide aus Leidenschaft kochen versteht sich von selbst und so ist ihr Name auch Programm.

Der Rauch im Räucherofen machts.

Maria schaute sich in der Nähe nach einem Metzger um, der in der Lage war Spitzen-Fleisch von heimischen Tieren zu liefern. Den fand sie mit Nils Schöndorf aus Angelburg-Lixfeld von der Metzgerei Schneider. Das nötige Wissen für die Schinkenherstellung lernte sie einst bei ihrer Großmutter auf dem Oberkofler-Hof. Ein langer, sorgsamer Prozess, der keine Hektik verträgt. Auch bei den Gewürzen bleibt nichts der Industrie überlassen. Eigene Mischungen aufgrund langer Erfahrung sind Trumpf und schon der Duft von Wacholder und Buchenholz lässt einem in Erwartung der Köstlichkeiten das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Fertig verschnürt.

Nicht ohne Grund hat die „Bergziege“, wie sie schon als Kind genannt wurde, ihrer Spezialitätenmanufaktur den Namen „Feines aus dem Rauch“ gegeben. Die sorgsam ausgewählten Stücke werden zusammen mit den Gewürzmischungen unter anderem nach Rezepten ihrer Oma eingepökelt. Zwei bis drei Wochen verbringt das Fleisch nun in seinem Gewürzbett in einem der zahlreichen Kühlschränke. Danach werden die Stücke mit Baumwollkordel gebunden. Jetzt geht’s ans räuchern und das ist dann Alexanders Part. Kalträuchern mit Buchenspänen ist angesagt und das gibt dem späteren Schinken seinen ganz eigenen Geschmack. Der erste Räuchergang dauert bis zu 14 Stunden und dann wird das Fleisch im hauseigenen Reifekeller aufgehängt. Diese Prozedur wird mindestens vier bis fünfmal wiederholt, bis dass Lende, Knobi-Nuss, Wacholder-Nuss, Naturbauch, Osttiroler und Oberkofler zum Verzehr fertig sind. Jeder Schinken bekommt von der ersten Minute an seine ganz eigene Laufnummer, die ihn bis zur Auslieferung an den Kunden begleitet. Die Koch‘s garantieren dazu, dass jeder Schinken vor der Auslieferung persönlich bis aufs Detail überprüft und geschmacklich kontrolliert wird.  Ein zünftiger Speck, über Buchenholz geräuchert, fehlt natürlich auch nicht im Sortiment. Wie es auch auf den alten Bergbauernhöfen in ihrer österreichischen Heimat üblich war, gibt es auch einen feingeräucherten „Rauchkas“ im Angebot. Was wären all die Köstlichkeiten ohne einen hauseigenen Absacker. Der 4-Kanter, den es in 0,7 Liter Flaschen gibt, rundet den Schmaus sachgerecht ab.

Ein Osttiroler und dazu ein Gläschen 4-Kanter.

Alexander Koch ist stolz auf seine gar nicht so kleine aber sehr gemütliche Schinken-Probierstube. Eine eigene Bier-Zapfanlage für ein ausgesuchtes Bier ist darin der i-Punkt. Leider kam direkt nach Fertigstellung Corona und legte alles still. Das war gar nicht so gut.

Die Homepage von „Feines aus dem Rauch“ Made by Bergziege ist sehr informativ und spiegelt genau die hochwertigen Produkte aus der Manufaktur wider.

Alles reine Handarbeit.

Bestellen lassen sich die Köstlichkeiten ganz einfach per Internet. Die Internetseite von „Feines aus dem Rauch“ hält dafür eigene Bestellzettel bereit. Der Kunde kann wählen, wie er bezahlt, ob er die Ware abholt oder an seine Adresse schicken lässt. Alle ist transparent und auch die verbindliche Preisliste lässt keine Fragen offen.

Der Knobi-Nuss ist etwas für Kenner.

Da ich die Idee hatte, meine Lieben mit Weihnachtsgeschenken der besonderen Art zu beglücken, habe ich alles ausprobiert. Allerdings nicht per Post. Ich wollte mir beim Abholen einfach noch einmal den unnachahmlichen Duft der Herborner Feinschmeckerwelt um die Nase wehen lassen. Hier noch die Kontaktdaten: www.feines-aus-dem-rauch.de. mail: feinesausdemrauch@gmail.com, phone: 02772 5746377, mobil: 01573 9406823.

Weihnachten wie immer, nur ein wenig anders

Von Siegfried Gerdau

In keiner Jahreszeit denken die Menschen mehr an ihre Lieben als in der Vorweihnachtszeit. Es werden Verwandtenbesuche geplant, Weihnachtsfeiern vorbereitet und über allem steht oft wochenlang die Frage: „Was schenke ich denn dieses Jahr bloß“. Immer soll es etwas sein, was die Lieben zu Hause noch nicht hatten. Nur keine Krawatten, Socken oder die berühmt berüchtigten Haushaltsgeräte, hoffen er oder sie. Während die Männer meisterhafte Verdränger sind und bis auf den letzten Tag vor dem Fest davon ausgehen, dass Heiligabend noch weit entfernt ist, sieht das bei den Frauen in der Regel deutlich anders aus. Da gibt es die ganz Umsichtigen, die schon das ganze Jahr immer mal wieder etwas ganz Besonderes in den heimischen Geschäften finden und es tatsächlich bis zur Bescherung geheim halten können.

Weihnachtseinkäufe? Ganz klar in den Herborner Einzelhandelsgeschäften.

„Normalfrau“ hingegen hat ihre genau festgelegte Zeit, um auf Beutezug zu gehen. Dann jedoch hat sie ganz klare Ziele im Auge und die möglichen Wunschzettel im Kopf. Während die Herren der Schöpfung die BH-Größe ihrer liebsten und besten Ehefrau der Welt wohl immer und ewiglich ein unergründliches Geheimnis bleibt, greift sie zielsicher seine Konfektionsgröße von den Strümpfen bis zur Kragenweite aus dem reichhaltigen Vorweihnachtsangebot des Textilhandels. Das alles ist in diesem Jahr mitten in der schlimmsten Pandemiephase von Covid-19 nicht anders. Die Herborner Geschäfte bleiben zu den ganz normalen Zeiten auf (an den Weihnachtssamstagen einige sogar bis 18 Uhr) und die Straßen sind schon jetzt-zumindest an den Freitagen-mit Menschen gefüllt. Und doch ist etwas anders. Fast alle laufen mit der Mund-Nasen-Schutzmaske umher und auch Umarmungen sieht man keine. Die Ellenbogen hingegen haben schon blaue Flecken, ob der ungewöhnlichen Begrüßung, die dem Händedruck völlig gewichen ist. Den rituellen Kaffeeklatsch in einem der zahlreichen Herborner Cafés, vermissen viele Einheimische aber auch Auswärtige, die trotz Corona die Stadt besuchen. Die arg gebeutelten Gastronomen haben, pfiffig wie sie sind, auf Coffee-to-go, also Kaffee zum Mitnehmen, umgeschaltet. Zahlreiche Restaurants bieten ihre Speisen ebenfalls auf diesem Weg an und so sieht man die Menschen auf den Bänken in der Stadt sitzen und mit dicken Backen kauen oder trinken.

Die Herborner Altstadt ist auch in der Corona-Zeit schön.

Einzig das Hinterteil wird ein wenig kalt, aber wenn der Himmel trocken bleibt, kann man auch das verschmerzen. Die schöne Weihnachtsbeleuchtung verbreitet ihr warmes Licht und die Herrnhuter Sterne machen klar: Es geht mit Riesenschritten auf das wichtigste Fest des Jahres zu. Ach ja der Weihnachtsmarkt. Er sei der gemütlichste in Hessen, behauptete ein Radiosender und dem pflichten jährlich hunderte oder gar tausende Besucher bei. Zuerst sollte er in den Stadtpark verlegt werden, aber die Pandemie wächst und wächst. Also müssen wir in diesem Jahr in Herborn wohl auf das Glühwein-Zelt, den heißen Apfelwein und Bratwurststände verzichten. Geht das denn überhaupt, fragen sich die eingefleischten Weihnachtsmarktgeher. Ja sicher das geht, sagen die ganz Vorsichtigen und hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder so ist wie immer. Geben wir dem hässlichen Virus keinen Zentimeter nach und halten uns an die Regeln, um das Weihnachtsfest gesund feiern zu können. Die Geschenke kaufen wir natürlich im gut sortierten Einzelhandel unserer Stadt und entlasten so ganz nebenbei die Paketpostboten. Fotos: Gerdau

Meine zwei Wochen im Danni

Den nachfolgenden Erlebnisbericht von Miriam (vollständiger Name bei gerdaus-welt bekannt) möchte ich hier in meinem Blog zur Diskussion stellen. Miriam, eine junge Frau, die den Schutz unserer Umwelt ebenso wie den Schutz aller Lebewesen zum Kerninhalt ihres Lebens gemacht hat, wollte buchstäblich am eigenen Leib erleben, was und warum im Danni (Danneröder Forst) passiert und welche Menschen dort unter schwierigen Bedingungen agieren. Ich selber möchte mich jeden Kommentars zu dem Bericht enthalten, obwohl ich sehr wohl eine Meinung zu den Vorgängen habe. Die Genehmigung zur Veröffentlichung in meinem Blog habe ich von der Autorin über eine dritte Person erhalten. sig

Ankunft

Mit dem Fahrrad und einem vollgepackten Wanderrucksack steige ich aus dem Zug, in Stadtallendorf und fahre im kalten Regen in Richtung Danni.

Und dann umgibt mich nur noch das Geräusch vom Wald, von meinem Atem und von dem Fahrrad auf dem Schotterweg. Seit meinem ersten Aufenthalt im Dannenröder Forst im September hat es der Wald mir angetan und ich brannte schon seit Wochen darauf, in meinen Herbstferien wiederzukommen. Kühle, frische Luft, Nieselregen und Barrikaden begleiten mich auf dem Weg durch den Wald. Aufgetürmte Holzhaufen, ordentlich gebaute Hochbeete mit Blumen, Tripods, Löcher oder einfach nur dicke Stämme, die in den Weg gerollt wurden: alles, um die Rodung des Waldes und den Bau der A49 zu verhindern.

Generalstabsmäßige Planung. Von wegen Chaoten Treff.

Auf der anderen Seite des Waldes komme ich an der Mahnwache vom Bündnis „Wald statt Asphalt“ in Dannenrod raus. Hier stehen eine Bühne, Infozelte, ein Zeltplatz, Toiletten, eine KüfA (Küche für Alle) und der Infopoint, der sich um die Organisation kümmert. Überall hängen Banner, die erklären, warum wir hier sind: „keine A49“, „Danni bleibt“ oder „mit Vollgas in die Klimakatastrophe“.

Erst mal ist Ankommen angesagt: am Infopoint eine kleine Einweisung abholen, Sachspenden direkt selbst in die Materialzelte räumen und etwas zu essen besorgen. Auf der Bühne läuft ein wenig Programm, live-Musik und es werden Reden gehalten. Es kommt der Aufruf, dass der Maulbacher Forst, der südlich vom Danni liegt, unbedingt Unterstützung benötigt, weil dort etwa fünf Aktivisti versuchen, die Räumung alleine aufzuhalten. Die Strukturen seien wenig ausgebaut und der Wald bald verloren. Und somit beginnen meine zwei Wochen im Danni: die ständigen Infos von der Räumung und Rodung entlang der geplanten Autobahntrasse und die friedliche Stimmung im Camp, wo sich die Menschen vereinigen, die zusammen für diesen Wald kämpfen werden.

Einer „arbeitet“ 19 schauen zu.

Am Montagmittag laufe ich zusammen mit zwei Freundinnen in den Wald, ca. 20 Minuten, bis wir im Barrio (Baumhausdorf) „Oben“ ankommen. Wir möchten klettern lernen und finden schnell einen Menschen, der uns die Grundkenntnisse beibringt, um ein Seil hochzuklettern und sich später mit einer Acht wieder abzuseilen. Denn so funktioniert es hier: du kannst jederzeit einfach einen Menschen fragen und um Hilfe bitten. Können wird weitergegeben und geteilt. Jeder Mensch, der diskriminierungsfrei leben möchte, ist hier willkommen. Es ist eine geordnete und gut organisierte Anarchie, die hier herrscht und gut funktioniert.

Was auf den ersten Blick wie ein wildes Cowboy und Indianerspiel aussieht, ist für Demonstranten und Polizisten schon lange kein Spaß mehr.

Später laufen wir weiter zum Bario „Unterwex“. Hier graben wir stundenlang ein tiefes Loch, in welches ein Stamm reinbetoniert wird und somit die folgende Räumung behindern wird. Wir dürfen im Barrio zu Mittagessen und freunden uns mit den Bewohner*innen dort an. Es wird Englisch und Französisch geredet, weil Menschen aus ganz Europa kommen und jede*r miteinbezogen werden soll.

Und als wir dann abends aus dem Wald rauskommen, sehen wir schon von Weitem die ca. 60 Polizeiwagen, die an der Landstraße stehen und davor ein Tieflader, der einen Bagger transportiert. Seit 10 Stunden ist der Bagger besetzt, erfahren wir und laufen sofort hin, um von außerhalb zu supporten. Sprüche rufen, filmen, Essen organisieren, oder einfach nur präsent sein, damit verbringen wir die Zeit, bis die Kletter-Cops anrücken und die Aktivisti mit einer unsicher wirkenden Kran-Konstellation vom Bagger pflücken. Die fünf Aktivisti werden von der Polizei mitgenommen und in die Gefangenensammelstelle gebracht. Wir supporten bis zum Schluss, denn Solidarität ist hier oberstes Gebot: „You are not alone!“

Die handwerklich perfekt gezimmerten Baumhäuser haben keine Überlebenschancen.

Jesus Point

Am Mittwoch besuchen wir nochmal das Barrio Oben, als wir angerufen und gefragt werden, ob wir nicht eine neue MaWa (Mahnwache) mit aufbauen wollen. Wir sagen sofort zu. Die MaWa Jesus Point zwischen Stadtallendorf und Niederklein, am Rand des Herrenlos Walds (eigentlich Herrenwald) soll ein legaler Safe Space und zentraler Anlaufpunkt für Aktivisti aus dem Wald und Übernachtungsplatz für Durchreisende sein. Das klappt auch ganz gut, viele Menschen, die vom Bahnhof kommen, schauen bei uns vorbei und sogar über Nacht haben wir Gäste.

Doch Donnerstag kommt der Aufruf vom Ordnungsamt, unsere MaWa könne nicht genehmigt werden, da dieser Ort ein Wasserschutzgebiet sei (Warum das lustig ist? Dieser Ort soll einmal der Autobahnzubringer werden).

Nach einem Termin beim Ordnungsamt am Freitag und anschließender Ortsbesichtigung wird die MaWa zumindest tagsüber genehmigt und ist jetzt während der Räumung und Rodung des Herrenloswaldes ein wichtiger Anlaufpunkt. Die Polizei darf dich nämlich nicht davon abhalten, zu einer offiziellen Versammlung zu gehen und dich dort aufzuhalten. Des Weiteren darf sie deine Personalien auch nicht kontrollieren, wenn du auf dem Weg dorthin bist. Also schaut gerne mal vorbei, aktuell wir dort überall Hilfe benötigt.

Erlebnispädagogik-Gruppenübungsaufgabe und Lebensmittelrettung

Montag – zweite Woche

Immer noch wird jede Hilfe im Camp dringend benötigt. Es gibt viele Aufgaben, die übernommen werden müssen: eine Schicht am Infopoint übernehmen, in der KüfA beim Schnippeln helfen, Toiletten putzen, Wasserkanister auffüllen, usw. Es gibt hier Basisstrukturen, die funktionieren müssen, damit der Widerstand gegen die Rodung gelingt. Und es wird auch viel Hilfe abseits der Aktionen benötigt.

Wir haben heute die Aufgabe übernommen, ein neues Gemeinschaftszelt aufzubauen. Ein Haufen Stangen, eine Plane und keine Anleitung: es hätte auch eine Erlebnispädagogik-Gruppenübungsaufgabe sein können. Nach über drei Stunden steht das Zelt.

Später am Nachmittag fahren wir zu dritt mit einem Auto nach Stadtallendorf, um zu containern. Auf Grund der extrem hohen (und übertriebenen) Polizeipräsenz in und um Stadtallendorf und dem Danni, fragen wir vorher bei den Ladenbesitzer*innen, ob wir es dürfen. Bald 1,5 Stunden stehen wir in riesigen Containern und finden noch viel Essbares. Die Mülltrennung bei Rewe ist hier katastrophal: Zwischen Glasscherben, Styropor, Gemüse, ausgelaufenen Joghurtpackungen und Waschmittel retten wir die noch genießbaren Lebensmittel. Die Mülltonnen von Aldi sind da schon viel ordentlicher, aber dafür holen wir dort zwei riesige Tüten mit Fleisch- und Wurstprodukten raus. Als nächstes finden wir über 150 Eier, die noch haltbar sind. Kistenweise haben wir Lebensmittel gerettet.

Das muss man sich mal vorstellen: Tiere werden in Massentierhaltung gequält und später geschlachtet, damit sie später im Müll landen?! Es ist bei jedem gefundenen Produkt wieder aufs Neue ein Schock, Ärger über unser System, Wut und Trauer. Warum passiert bei uns so etwas? 1/3 der noch haltbaren Lebensmittel werden in Deutschland weggeworfen! Wir merken wieder mal, dass unsere Gesellschaft viel zu reich und verwöhnt ist. Eine Gesellschaft, in der es verboten ist, Essen zu retten, weil es ökonomischer ist, es wegzuwerfen.

Wir bringen die containerte Ware in die MaWa zur KüfA. Hier wird zwar in der Regel vegan gekocht, aber es gibt auch viele, die Freegan essen: also containerte Tierprodukte essen, ansonsten aber vegan/vegetarisch vorziehen. Und so geht ein weiterer Tag im Danni zu Ende.

Action im Herrenloswald

Mittwoch

Halb fünf morgens: der Wecker klingelt. Ich zittere vor Kälte und Aufregung, während ich mir meine drei Klamottenschichten anziehe. Der Aktionsrucksack ist gepackt: Trinken, Essen, Edding, Kleber, Glitzer, Regenhose, Taschenlampe. Mein Handy lasse ich zurück, ebenso wie alles andere, was auf meine persönlichen Daten hinweist. Hier hat jede*r Aktivisti einen Waldnamen. Der Soli-Bus wartet bereits auf dem Schotterplatz an der Mahnwache. Wir fahren los. Im Bus ist Trubel: Alle malen sich die Gesichter an und kleben sich die Hände mit Sekundenkleber und Glitzer zu. Das sind Maßnahmen, um die Personalienfeststellung zu verhindern. Wir werden kurz vor Stadtallendorf am Waldrand rausgelassen. Mit bestimmt 40 Aktivisti und unterschiedlichen Aktionslevels laufen wir auf dem Forstweg in den Herrenloswald, um ihn am heutigen Tag vor der Räumung zu beschützen. Ob die Polizei heute wirklich hier sein wird, wissen wir noch nicht.

Es ist noch früh, also fangen wir an, eine neue Barrikade mitten auf dem Weg zu bauen: Wir schleppen Äste, Stöcke, Stämme an und werfen alles auf einen Haufen, bis er sich hoch türmt. Gegen 7 Uhr machen wir uns auf den Weg und suchen einen Ort, an dem wir eine Sitzblockade errichten wollen. Wir setzen uns unter Grandma (eine 200 Jahre alte Eiche), wir erneuern den Kleber auf den Händen und ziehen uns unsere Vermummung ins Gesicht. Nur eine Person hat ein Handy dabei und über die bekommen wir die aktuellen Infos aus dem Live- Ticker: Die Polizei ist am nördlichen Teil des Herrenlos Waldes aktiv ist und dort ist Harvester (Rodungsmaschine) im Anmarsch. Wir kontaktieren den Soli-Bus, der uns abholt und in den Norden fährt.

Mit unserer Gruppe, die durch Nachzügler noch mächtig Zuwachs bekommen hat, gehen wir erst mal zu der offiziell angemeldeten MaWa, denn darauf haben wir das Recht. Über eine Stunde wird diskutiert, wie wir vorgehen sollen. Immer mehr Aktivisti stoßen dazu, bis wir bestimmt 60 Menschen sind. Dann geht es los: waldkundige Personen zeigen uns den Weg. Wir schleichen fast eine Stunde durch den Wald, müssen leise sein, uns bücken, bis der Ort der Rodung in der Nähe ist. Die Situation ist folgende: Wir kommen von oben, müssen eine Straße überqueren, eine Polizeikette durchbrechen und auf der anderen Straßenseite in den Rodungsbereich reinrennen und etwas finden, das sich blockieren lässt.

Wir schleichen leise, in Viererreihen vorwärts, fangen an zu rennen und brechen aus dem Wald aus. Wir haben den Überraschungseffekt auf unserer Seite und die Polizei ist unvorbereitet. Die Polizist*innen fangen an zu schreien und mit den Schlagstöcken zu schwenken. Viele von uns sind nicht bereit, polizeiliche Repression zu erleben, doch wir sind dabei, um den Aktivisti mit hohen Aktionslevels den Zugang vorzubereiten. Mehr als zehn Aktivisti schaffen es, ein Harvester wird besetzt und eine Sitzblockade errichtet. Zwei Menschen wurden leicht verletzt, die Situation ist etwas chaotisch und unübersichtlich. Wir ziehen uns in den Wald zurück und supporten, indem wir Sprüche rufen: „You are not alone, you are not alone!“ Dann starten wir noch einen zweiten Versuch, noch mehr Aktivisti durch die Polizeikette zu bringen, doch die Cops kommen im Wald von rechts und links und wir werden zurückgedrängt. Wir rennen und die Polizei rennt uns hinterher, denn auch wir befinden uns innerhalb der Rodungszone. Etwa 300 Meter hinter der mit Flatterband abgesperrten Zone bleiben wir stehen. Eine Gruppe Polizist*innen stehen in einiger Entfernung Wache, damit wir nicht noch einen Versuch wagen. Und so drehen wir um und laufen zurück durch den Wald zur Mahnwache und werden mit dem Soli-Bus zurück nach Dannenrod ins Camp gebracht.

Später erfahre ich, dass die Rodungsarbeiten für zwei Stunden aufgehalten werden konnten. Der Großteil der Cops sei freundlich gewesen und habe die Kleingruppe Aktivisti lediglich für zwei Stunden gekesselt und versucht Personalien aufzunehmen. Dann wurden sie wieder freigelassen, mit einem Platzverweis, in dem nicht mal ein Name stand.

Hoch in den Bäumen

Plattformbau – Donnerstag

Nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt haben, suchen wir unser Material zusammen und laufen in den Wald. Heute sind wir zu fünft, zwei Menschen mit Erfahrung und drei mit Lernbereitschaft, und dem Plan eine Plattform zu bauen, die später mal ein Baumhaus werden soll. Fuchs hat bereits zwei Bäume ausgesucht und Paletten und Baumaterial beschaffen. Wir befinden uns etwas abseits der anderen Barrios, auf einem südlichen Teil der Trasse, nahe am Waldrand, wo bisher nur wenige Baumhäuser existieren. Im nahegelegenen Barrio „Woanders“ leihen wir uns Werkzeug aus und gehen auf die Suche nach geeigneten Stämmen, die die Last tragen können. Wir finden einen dicken Stamm und mit der Zwei-Mensch-Säge sägen wir ihn in die richtige Länge, tragen ihn zu fünft an Ort und Stelle und fangen an, ihn zu entrinden. Währenddessen werden in den Bäumen schon mal Seile festgemacht, an denen wir später hochklettern und uns sichern können. Unsere Idee ist, den Stamm auf ca. 10 m Höhe zu ziehen und ihn dort als Giebelbalken im Baum festzubinden. Später soll daran dann die Plattform aufgehangen werden. Fuchs zeigt uns zunächst noch verschiedene Knoten und dann darf ich mein erlerntes Kletter-Können anwenden und gehe mit den Raupen-Knoten das Seil nach oben. Wir spannen mit sogenannten Polyprop-Seil eine Traverse (Verbindung) von einem Baum zum anderen und verwenden die gerade gelernten Knoten. Dann bauen wir einen Flaschenzug aus Rollen und einem langen Seil und befestigen diesen am Baum, an der Traverse und an unserem Stamm, um so den Stamm die 10 Meter im Baum hochzuziehen. Zu viert ziehen wir mit all unserer Kraft und Brokkoli legt den Stamm oben in eine Astgabel. Wir binden das Flaschenzugseil fest und der Stamm ist erst mal gesichert Nun zeigt Fuchs uns, wie zwei Stämme aneinandergebunden werden: Mastwurf, Schlierenstich, Acht, viel Wickeln, wieder Schlierenstich und eine Acht. Fuchs und Brokkoli klettern wieder hoch und wir finden noch eine Person, die uns hilft, den Flaschenzug noch weiter anzuziehen, bis der Stamm an der perfekten Stelle sitzt und festgebunden werden kann.

Das alles hat uns tatsächlich einen ganzen Tag gekostet und bis alle von uns wieder aus den Bäumen raus waren, Werkzeug und Material zurückgebracht oder versteckt wurde, war es auch schon fast dunkel. Es war ein großartiger Tag, ich durfte so viel lernen und habe viele neue Dinge ausprobiert und freue mich einfach nur noch aufs Abendessen!

Plattformbau- Freitag

Dank der Möglichkeit zu Duschen, kommen wir erst recht spät los in den Wald. Von der MaWa nehmen wir aus dem Materialzelt noch eine riesige Plane mit, die später ein Teil des Dachs werden soll. Ich laufe einen kleinen Abstecher über das Barrio „Woanders“ und leihe mir erneut ihr Werkzeug. Heute bauen wir die Plattform am Boden. Dafür benötigen wir zwei dickere und sehr stabile Stämme, einen etwas dünneren und etwa neun kleinere Querstämme. Während Brokkoli nochmal in die Bäume klettert, um den genauen Abstand zu messen, zeigt Fuchs mir, wie ich mir eine Raupen-Schlinge (eigentlich Prusik), die ich zum Seilklettern benötige, selber knote. Da ich einen eigenen Klettergurt besitze, habe ich jetzt sogar das Material um selbstständig zu klettern.

In der Nähe unseres Arbeitsplatzes ist eine (wegen Borkenkäfern, etc.) gerodete Fläche, wo noch viele gefällte Bäume liegen. Wir bedienen uns einfach. Mit einem dünnen Seil hat Brokkoli vorher die benötigte Länge abgemessen und so sägen wir die Stämme direkt richtig ab und tragen sie zu unseren Bäumen. Zusammen entasten und entrinden wir die Stämme und legen sie schon mal korrekt hin. Rechte Winkel schätzen wir eher ab, da wir nichts zum messen haben. Dann werden mit großen, dicken Nägeln alle vier Ecken verbunden. Fuchs zeigt uns daraufhin erneut, wie zwei Stämme mit dem Polyprop-Seil zusammengebunden werden und jede*r von uns darf es an einer Verbindung ausführen. Als nächstes legen wir die Querbalken darauf, verteilen sie und fangen an zu nageln. Ich halte mich beim Nageln zurück, denn das ist nicht so mein Spezialgebiet; das Binden von Knoten liegt mir besser. Wir legen nun die zwei Pressspanplatten auf unsere Konstruktion und nageln diese auch noch fest. Jetzt haben wir schon eine richtige Plattform! Nur dass sie eben noch auf dem Boden liegt. Für das weitere Vorgehen wird mehr Hilfe benötigt, deswegen verschieben wir es auf die nächste Woche. Doch die Sonne ist sowieso schon fast untergegangen und es wird langsam dunkel und kalt, deshalb verräumen wir das Material und machen uns auf den Rückweg ins Camp.

Abschiedsgedanken

Und somit gehen meine zwei Wochen im Danni zu Ende, denn am nächsten Morgen werde ich abreisen. Ich habe in dieser Zeit extrem viel lernen und die Solidarität dieser Menschen erleben dürfen. Der Widerstand im Danni funktioniert nur durch diesen starken Zusammenhalt, dem Prinzip der Solidarität, der gegenseitigen Hilfe und der Unterstützung. Er funktioniert nur, weil alle ihren Beitrag leisten, so klein er auch sein mag, weil Menschen vor Ort, aber auch in ganz Deutschland aufstehen und weil wir ZUSAMMEN für den Erhalt des Waldes kämpfen. Ich durfte viele tolle Menschen kennenlernen, die den ganzen Tag unterwegs waren, damit alle etwas zu essen bekommen, damit es allen psychisch und physisch gut geht, damit Menschen, die Repression erfahren, Unterstützung bekommen. Ich habe Menschen kennengelernt, die ihr Wissen teilen und Menschen kennengelernt, die sich wissbegierig in die Arbeit gestürzt haben. Ich habe viel Polizei gesehen, aber noch mehr habe ich den Rückhalt gespürt, den mir diese Bewegung gibt. Es ist ein wunderbares Erlebnis, zu bemerken, dass der Widerstand lebt, und er legitim ist. Ich durfte zwei Wochen lang jeden Tag sehen, fühlen und erleben, wofür wir kämpfen: Denn dieser Wald ist wunderschön und er soll weiterleben! Fotos: privat

Parkhaus am Herborner Hintersand

Mein guter Freund Uli Reihl schickte mir heute dieses schöne, von ihm verfasste Gedicht, welches ich völlig wertfrei in meinen Blog stelle. Es gibt zu dem Thema Herborner Parkhaus zwei Fronten und ein Kompromiss ist bisher nicht erkennbar. Es gibt gute Gründe die dafür sprechen, aber mindestens genau so viele die dagegen sind. Gegenseitige Vorwürfe oder sogar Verunglimpfungen sind daher nicht angebracht, noch sehr hilfreich.

Die Linde auf dem Parkplatz Am Hintersand.

Also freuen sie sich, freut euch an dem schönen Gedicht. Es ist eine Meinung und es ist gut, dass es Menschen gibt, die sich nicht scheuen sie auch offen zu vertreten. Ich würde mich freuen auf diesem Wege eine fruchtbare Diskussion lostreten zu können. Unsere Demokratie lebt davon.

Von Uli Reihl

Wer hier ein Parkhaus bauen will

versperrt nicht nur den Blick zur Dill.

Er nimmt die Sicht zur Altstadt weg

und sorgt für Lärm, Gestank und Dreck!

Die Linde -nur so nebenbei-

erlebte Weltkrieg eins und zwei

sah dunkle Seiten und auch lichte

als Zeugin Herborner Geschichte.

Gepflanzt, weil ihre großen Blüten

als Heilmittel den Mensch‘ behüten

vor Husten, Halsweh, Allergie

anstelle schlimmerer Chemie

erfreute später sie, wie toll

die Menschen vor der Villa Stoll.

Und nun muss sie schon wieder ran:

Hilft sie beim Klimaschutz? Sie kann!

Sie kühlt die Luft, die uns erhitzt.

Sie spendet Schatten dem, der schwitzt.

Sie speichert CO2 in Massen

wenn wir sie dies bloß machen lassen!

Wer hier ein Parkhaus bauen will

versperrt nicht nur den Blick zur Dill.

Ob zu, ob offen, ohne Wand:

KEIN PARKHAUS HIER AM HINTERSAND!!!

Wortspiel für Wache oder die es werden wollen

Liebe Mitmenschen

Ein dreiviertel Jahr Corona. Kaum eine Möglichkeit, die Welt zu sehen. Ich kenne so viele Menschen, die so gern reisen und es jetzt nicht können.

Als kleinen Trost habe ich für diese Leute vielleicht eine kleine Wortspielreise anzubieten.

Also wenn ich nicht hier wäre, Italien wär MaiLand.  Rom zum Beispiel: Da saß ich mal ganz bequem auf dem heiligen Stuhl. Glaubt Ihr nicht? Ist doch PETERSPLATZ, meint Ihr? Ihr wisst gar nicht, VATIKAN!

Also, die Corinna, eine gute Freundin, die kommt Australien.  Die ist wegen CORONA aber auch nicht Dublin, nein, die macht gerade Urlaub in VIETNAM.  „Ach“, hab ich zu ihr gesagt,“ das ist aber exotisch. Wo willst du denn da übernachten?“

„Ich denke, dass ich in PNOM PENH“, hat sie mir geantwortet.

Corinna war übrigens auch schon öfter Indonesien.

So ein Ziel ist für uns Deutsche im Moment utopisch, aber eine kleine WINTERTHUR, das müsste doch gehen.

Ich wollte vor kurzem gern mal einen Freund besuchen.

Unterwegs frag ich eine ausländische Mitbürgerin nach dem Weg:

„Oh nix, Mannheim“

Ei, dann gehen wir doch zu ihm, sagte ich, aber sie sprach: „Frankfurt!“

Scheiße, dachte ich: „Gar Kanada! Macht kein Sinn!“

Ich laufe weiter. Steht doch da tatsächlich einer am Straßenrand und pinkelt. Ich fragte: „Was machst du?“

„EiBach!“

Ich dachte noch: „ManderBach ist aber groß!“, da fühlte ich selbst auch schon Druck, etwa da, wo auch die Eiershausen.

Also machte ich auch SCHÖNBACH. So war ich wenigstens das WASSERLOS.

Das hätte ich mal besser bleiben lassen. Ich glaub, dabei habe ich mich erkältet: Mandeln!

Also schnell noch zum Arzt.                                                                      Im Wartezimmer Hochbetrieb: da saß einer neben mir, der kommt aus Mühlheim und leidet an der Ruhr. Er hieß Steinbach, Ludwig Steinbach, und ich merkte gleich, der wollte unbedingt bei mir London.

Ich: „Das is´jetzt Tschad, denn du bist ein ganz Libanese, aber ich bin leider kein Homolulu. Im Gegenteil, ich bin der Schwalm aller Frauen!  

Es waren noch mehr Leute im Wartezimmer:  

Einer mit Alkoholfahne:  voll Knüll !

Ein anderer lief auf allen Vieren. Diagnose: Hunsrück!

Sollte übrigens jemand vorhaben, in gleichnamiges Gebirge zu fahren, dann darf er folgendes nicht Vogesen: festes Schuhwerk, sonst kann man nämlich ganz leicht Abruzzen.

Wo war ich dran? Ach ja, das Wartezimmer.  Eine Frau mit übler Wasserscheide. Aqua Vagina heißt das, glaub ich. Aber lieber das als Rabenscheid, oder Breitscheid, denk ich mir. 

Ja, ich weiß, manchmal bin ich ein ganz Albaner!

Endlich wurde ich ins Sprechzimmer gerufen.

Der Arzt meinte nach kurzer Untersuchung: „Du Hartenroten Rachen!“

Mir war schon alles zu geschwollen. Ich frag nur noch „ Wo,Bicken?“   

Er: „DortMund“

Ich: „Darf ich Essen?“

Er: „Vielleicht nen EschenBurger!“

Und jetzt kommt das GROßE ARBER: „Aber auf keinen Fall ein LINSENGERICHT!“

Ich sag zu ihm: „Ich will gleich noch zu einer Fete, da Kamerunglaublich gut Essen.

„Warum nicht“, sagt der Doc, „GÖNNERN Sie sich ruhig was Fleischiges“.

Also gut, dacht ich, dann Istanbul.

Besser, als wenn ich ein Fuchskaute!

Schon beim Gedanken daran schnürt sich meine Kehle zu. Ich hab sozusagen einen Knoten im Hals, wenn ich dran denke, wie ich die Brocken runter WürgendorF. Da laufen ja die KATZENFURT!

Ich geh also in ein Lokal und eine halbe Stunde nach meiner Bestellung kommt der Koch zu mir an den Tisch und meint, er wollte gerade den Bulgaren, da drehte der sich um und plötzlich  war der Oxford.

Sag ich: „Das war bestimmt die Sau die arabische.


Neulich war ich übrigens noch viel schlimmer krank, ich HADAMAR ganz schlimmen HOUSTON. Ich war so krank, dass mir ein Geistlicher zur BIEBELRIED. Und ich sagte: „Sie wissen doch, verehrter PADERBORN, dass ich genau wie der LÜNEBURGER HEIDE bin. Er legte mir seinen AMRUM und ich dachte mir MANCHESTER nett. Und der Pater sprach: „Warst du überhaupt schon mal in einem Gotteshaus?“ Sag ich: „PASSAUf, bis jetzt noch nicht, weil ich immer Fußball gespielt habe. Sie glauben gar nicht, was ich alles am BALKAN! Erst in HAWAII hab ich mit Fußball aufgehört, weil ich mich irgendwann gefragt habe – „WAIKIKI?“

„Mein Sohn, du warst noch nie in einem Gotteshaus, ich muss dich RÜGEN“.

„Ich wollt ja schon mal, da war ich in SPEYER, aber da hatte der Dom zu. Und außerdem, was soll ich in ALTENKIRCHEN!“

Sagt er: „Ja, wenn der Dom zu ist, dann musst du klingeln, der Dom zu SPEYER ist nämlich eine LEUTKIRCH.“

 „Ja schon“, sag ich, „aber wenn die Glocke so laut ist, dann kommt der Pfarrer am Abend als TAUBERBISCHOFHEIM.“ Ich glaub, der Gute hat den Scherz nicht verstanden. Dauert halt oft etwas länger, BISKIRCHENmänner verstehen. Stattdessen hat er mich gefragt, ob ich mich mit ihm auf eine Bangkok. Gutmütig wie ich bin, hab ich’s tatsächlich getan. Und er textete mich zu, erzählte mir, wohin er zum Essen ging. Also meistens ASERBAIDSCHAN, und dann am liebsten ÖLSARDINIEN, alle Sorten, die krummen wie die KROATEN.

Was wollte ich eigentlich erzählen? Ach ja, ich war sehr krank. Jetzt bin ich aber wieder auf dem BOSTON.

Wohnen tu´ich momentan übrigens in der MAGELLANstraSSe, und zwar Beirut.

Die lebt in einer WG, es ist aber selten wer zu Hause – okay, ab und zu ist der Florida, aber letztes Jahr zum Beispiel, da war gar Kanada. Aber das macht nix, weil Hoyerswerda. Manchmal treffen wir uns alle beim Zähneputzen, sag ich neulich: „Geh´, leih´mir doch mal deinen Kambodscha!“ Ägypten mir.

Ein anderes Mal hab ich mich total erschrocken, geh´ich in den Waschraum, liegt da so eine Art Kamel in der BOTSWANA drin. Sag´ich : „Was um alles in der Welt ist denn das?“

Da sagt das Viech: „Islamabad!“.

Ansonsten wird da wenig gesprochen,  der Braun schweigt, der Marti niqueT, ganz zu schweigen von Karlsruhe.

Deswegen muss ich öfter mal was andres sehen.

Und so zog ich los. Ich war gespannt, wohin der Weg mich FÜRTH. Ich SAARBRÜCKEN und MÜNSTER, BURGEN AN DER MOSEL, KIRCHEN, SAARLAND und klar, ACHENSEE.

Irgendwann kam ich an einen kleinen Fluss, der keine Strömung hatte, das war der GLADBACH. Das Ufer des GLADBACH war BERGISCH. Ich stieg aus und traute meinen Augen nicht. Da saßen zwei kleine BERN. Die kleinen BERN heulten ganz bitterlich. Anscheinend war ich jetzt im WEINVIERTEL. Doch die BERN hatten Angst, denn hinter ihnen lauerte eine Raubkatze.

Ich wusste, was zu TUNIS.

Ich GREIFENSTEIN und sag zur Raubkatze: „Hau bloß ab, sonst mach ich dir BENELUX!“

Ich fuhr DANZIG Kilometer weiter UNNA IZMIR eingefallen, dass ich Hunger habe. In HOMBERG EFZE ich nur noch. Doch kurz drauf kam ich an einem Restaurant vorbei. Das ist ein Ort, an dem vorwiegend OBERHAUSEN.

Als Tagesgericht gab’s eine WESTERWÄLDER SEENPLATTE, aber ich hatte eher Appetit auf Fisch.

„ Vielleicht ein SHANG HAI- Filet“, überlegte ich, während ich das Lokal betrat.

Es dauerte, bis ich einen Kellner erspähte. Ich hatte sooo großen Hunger und dachte vor mich hin: Mensch, OBERWETZ! Aber ich sagte es nicht laut, aus Angst, dass er mich NIEDERSCHELD. Der Ober, der mich dann bediente, war ein gewisser Herr Rossbach. Und ich sagte zu ihm: „Lieber Herr OBERROSSBACH, wenn da jetzt nur schon ein DELAWARE.

Und was soll ich sagen, es war so, dass der Ober einfach nach einem TEL AVIV. Und in dem Moment flog einer heran.

Er hielt seine Hand auf, weil er dachte, für so einen billigen Trick ISERLOHN drin. Aber für so was sieht der von mir CAMARGUE. Weiter ging die Reise: Am Straßenrand nahm ich einen Tramper auf, ein ganz netter Kerl aus den neuen Bundesländern. Der war SCHWERIN Ordnung. Ich dachte: Manchmal ist es richtig gut, wenn man für einen SACHSEN ANHALT. Er erzählte mir von einem großen Saufgelage an einem  Gewässer im OSTEN  und wie betrunken er gewesen sei: PLAU AM SEE! 

In BAD BRÜCKENAU, denk ich mir: „Mensch, da auf der Straße da LICHTENFELS“ und als ich genauer auf den BODENSEE, war es ein totgefahrener Hirsch. Seitdem gibt’s in BAD BRÜCKENAU WILDFLECKEN.

Langsam wurde ich müde. Auf einem Parkplatz machte ich ein Nickerchen. Ich hatte einen Traum: Ich steh am Strand, schau so auf‘s Wasser und denk nur; Nee, WATTENMEER, da kommt plötzlich eine Traumfrau auf mich zu; sie sah meine abstehenden Ohren und ich Zaire.

Tansania ihre Fotoalben aus der Hand gerutscht. Darin Fotos von Queen Elizabeth und anderen KÖNIGSLEITEN. Ich, Kavalier der alten Schule, sag: „Ich heb´ das auf und SYrien sich nicht vom Fleck.

 „Schauen Sie sich mal meinen roten Kopf an“, sagt sie.

Sag ich, „ja, ich SEESHAUPT“.

Sie hatte fast purpurnes Haar und alles war hochgesteckt. Das reinste ROTHAARGEBIRGE!

Und sie hieß VERONA. Ich rannte schnell noch zum Kiosk, um Blumen zu kaufen. „Den Strauß in der Hand fragte ich an der Kasse: „Ist ein Nachlass drin?“

„Sorry, kein RABAT, vielleicht noch ein Kaffee TOGO?“

 Ich verneinte und kam mit dem Strauß ROSENHEIM. Das imponierte ihr ganz offensichtlich. Ich stellte mich vor: „Ich heiße HAGEN“.

Und sie antwortete: „Für dich schlägt MEINHERZHAGEN!“

Tja, so ist das, ich bin halt kein Looser, ich will immer SIEGEN! HAGENAU!

Wir aßen bei mir zu Abend, sie aß Nudeln und ibiza. Sie sagte: „Ich komm übrigens aus Mecklenburg!“, und  ich: „Gott, das kann schon mal  Vorpommern.“

In Wahrheit kam sie BAYERN, was man unschwer an ihrem Dialekt erkannte.

Ich zeigte ihr an der Wand ein Gemälde und sagte: „Das ist ein Picasso.“

Sie sagte: „Was, das ist ein Picasso. SO MAL I A !“

„Ja“, sag ich, „es gibt schon GUATE MALA“.

„DA VINCI mir mehr von!“

Ja, diese Frau wollt ich Libyen. Ich stellte sie mir im Badeanzug vor und wusste: Die Frau, die kommt im Bikini-AToll. Die könnte man grad mal ins BETHLEHEM.

Mir stand der Schweiz auf der Stirn, denn sie hatte Offenbach keine Hemmungen. „BOR MI O!  Ich will dir meinen Leib zig mal zeigen! Und wenn er dir von der einen Seite zu langweilig wird, dann, dann…“-  „was dann? „Ja, dann Dresden.“

Als MARIA LAACH und ich schließlich ihr linkes Elfenbeinküste, waren meine Klagenfurt.

Fast gierig betrachtete ich sie und sie erklärte mir: „Schau, das ist MAINSPITZDREIECK.“

Nun freute ich mich doch gehörig auf das, was kommen sollte, als sie vor Entsetzen aufschrie: „Was is´n des?“

Sag ich: „Buenos Aires!“  

Und dann fragte sie sie: „Ja, und was ist das  andere?“

 „ERDA?“, frag ich: „Ja, das ist mein Stockholm! Und der ist FULDA!“

 Sagt sie: „Ja, da braucht man aber a Guadeloup´ ! Und wo sind die Haare?“

„Gibt’s nicht, das ist ein KAHLER ASTEN“, sag ich.

„Genua!“, sagt  sie.

Und ich:  „Das mach ich auch, ich BAGDAD nicht!“.

So ging dieser erotische Traum am Schluss noch in den BAHRAIN.

So, ich hoffe, da war für jeden ein Reiseziel Dubai. Falls immer noch nicht, dann könnte ich noch LUXEMBURG empfehlen, da gibt’s WASSERBILLIG!!!  

ASSLAR?

Danke dir lieber Uli für dieses unterhaltsame Wort-Spiel. Es hat mich zu dieser späten Stunde genötigt, meine Hirnwindungen zu strapazieren. Vielleicht kann ich den Einen oder Anderen auch davon überzeugen, seinen Grips anzustrengen.

Von gutem und schlechtem Wetter

Der im alten Dillkreis bestens bekannte Langenaubacher Lehrer und Volkskundler Karl Löber aus Rabenscheid brachte 1935 ein Büchlein heraus, das den bezeichnenden Namen „Volkskunde des Dillkreises“ trug. Gedruckt wurde das 62 Seiten umfassende Werk im Druck und Verlag der Buchdruckerei E. Weidenbach in Dillenburg.

Im Kapitel VI fand ich einen Artikel, der mir ganz besonders gut gefiel und der es mir Wert war, ihn hier in gerdaus-welt abzudrucken. Lange habe ich überlegt, ob ich bestimmte Bezeichnungen oder Wörter übersetzen soll. Ich lass es aber genauso, wie er es zu Papier brachte.

Von gutem und schlechtem Wetter

Wer viel im Feld und Wald und auf der Viehweide ist, der lernt es schon als Kind, auf Wind und Wetter zu achten. Und weil in der Natur nichts ohne Sinn und Gesetz geschieht, hat der Bauer, der vom Wetter so stark abhängig ist, die Witterungsvorgänge im Jahreslauf mit vielen Sprüchen und Redensarten begleitet. Damit versucht er Ordnung und Regel in dieses vielgestaltige Naturgeschehen zu bringen. Die allereinfachsten Wetterregeln lernt er aus der Windrichtung. So weiß zum Beispiel der Rabenscheider, dass ihm die „Bradscher“ Luft im Sommer schönes Wetter und im Winter stramme Kälte bringt, dass das Wetter umschlägt, wenn er die Gusternhainer Glocke und die Eisenbahn bei Driedorf hört, dass es unfehlbar Regen gibt, wenn der Wind von Hohenroth kommt, und dass das ganz „schroh Wärrer“ übers Dorf „jägt“, wenn die Wetterfahne nach Weißenberg und Liebenscheid zeigt.

Eine Windrose, ein Wetterkompass in jedem Dorf, einfach und sicher. Schwieriger wird es schon, wenn es gilt, eine regelmäßige Wiederkehr bestimmter Wetterlagen festzuhalten. Die das versuchende Wettersprüche enthalten vielleicht manchen Irrtum und Aberglauben, verraten aber meist so sichere Beobachtungen, dass sie tatsächlich brauchbar und wahr sind, wenn auch noch lange nicht ein „Hundertjähriger Kalender“ dabei herauskommt.

Die „Nächte zwischen den Jahren“ (25. Dezember bis 5. Januar) stehen seit Urväterzeiten als die „Zwölften“ tief verwurzelt im Volksglauben als heilige Nächte. In ihnen entscheidet sich das Geschick des kommenden Jahres. Darum erscheint es verständlich, dass man jeder Nacht in den Zwölften einen Monat zuteilt, dessen Wetter so werden soll wie das seiner Nacht.

So wie der Wind an Pauli Bekehrung weht, soll er während zwei Drittel des Jahres wehen. Regnet es am Karfreitag, dann soll auch der stärkste Regenguss des Jahres dem Land nichts schaden:

„Wann ‚t raant uff Christi Groob, wierd et Land nimmer soot“.

Sturm im April hat der Landmann gern:

„Wann der April bläst ie sei Horn, da stiet’s gout im Haa un Korn“.

Mairegen ist fruchtbar:

„Wann’s Raant uff de irschte Mai, git’s Gärscht uff jeder Ley“.

Das Wetter gewisser Tage hat bestimmte Vorbedeutung:

„Gehannsdogsraa dauert siwwe Wuche“.

Es soll auch dann keine Nüsse geben. Ähnliches sagt man vom „Siwweschläfer“. Man hat oft beobachtet, dass nach trockenem Frühjahr und Vorsommer um Johanni endlich Regen kommt, der dann oft nicht aufhören will. Drum sagt man:

„Im Gehanni sei de Raa reif“.

Und einem alten Westerwälder Pfarrer wird nacherzählt, er habe in der Kirche gesagt:

„Ihr Leu helft m’r bäre vier Gehannsdog; no Gehannsdoog kaan aicht allaa“.

Strenge Winter sind aus mancherlei Anzeichen zu erkennen.:

Mache de Mäus deife Gäng, da gitt‘s en strenge Wenter“.

„Zejt de Feldmaus ient Dorf, sorg für Hulz“.

Tiere wissen überhaupt allerlei vom Wetter:

„Wann de Katz uff der Ank leit, gitt’s schroh Wärrer“.

„Wann der Specht schnarrt uff’m Horn, gitt’s Raa hau orrer morn“.

In unserer Heimat, sonderlich auf dem Westerwald, sind die Winter meist streng und schneereich. Das ist aber für die Saat besser, als wenn der Winter verjungt hat, das heißt als wenn es früh warm wird, um im März und April wieder kalt zu werden. Unzeitiges Frühjahr bringt uns Schaden (ausgewinterte Frucht). Drum sagten die alten Leute:

„Lejwer iem Jannewar en Wulf als wej en Mick“.

Früher kamen nämlich in harten Wintern Wölfe aus den Ardennen über den zugefrorenen Rhein in den Westerwald. Andere sagten:

„Wann iem Jannewar en Grosspitz rausguckt, sull mer se birrem Hulzschlejel dudschlo“.

Erst wenn der „Jägmond“ seine Schuldigkeit getan und auch der März sein Teil Schnee brachte, kann ans „Lenze“ gedacht werden. Aufziehender Nebel „kimmt no drei Dog redour“ und bringt dann Regen:

„Wann em de Niwwel em de Kopp erim hinke, da kotze se gern“.

Nasser Nebel heißt nämlich auf dem Westerwald „Himmelsgekotz“. Im Sommer ist Regenwetter oft abends vorher an einer dunklen Wolkenwand, die über der Kalteiche hängt, kenntlich:

„Kallajecher Hout dout selle gout“.

Gewitter aus dem Osten sind stark und bringen heftigen Regen:

„Wann der Wind kimmt vo Gejsse, raants, dat all Bäche flejsse“.

Die Bestimmung vom Wetter hängt oft mit bekannten Markttagen zusammen. So sagt man:

„Wannt raant un schneit, ist der Hajersch Lauxmaarde net weit“.

Uns wenn um den 24. Oktober „beim Elsoffer Maard de Dier zougemacht wierd“, dann ist der Jahreskreislauf geschlossen. sig/Fotos: Gerdau