Ausstellung in der Herborner Alten Färberei (Haus der Vereine)

Ausstellung in der Herborner Alten Färberei (Haus der Vereine)

Siegfried Gerdau

Vom 19. bis 29. November 2020 stelle ich gemeinsam mit der Malerin und Kunstlehrerin Benita von Wendt einige meiner schönsten Fotos in der Alten Färberei aus.

Wahl-Erdbacherin Benita von Wendt

Während Benita ihre neuesten Werke der Öffentlichkeit präsentiert, wird der bekannte Herborner Bildhauer Christoph Oester (Atelier Christoph Oester, Uckersdorf) mit meisterhaften Skulpturen der Ausstellung einen

besonderen Reiz verschaffen. Oester ist auch der Schöpfer der Herborner Bronze-Figurengruppe Ecke Sandstraße/Hauptstraße.

Der Uckersdorfer Bildhauer Christoph Oester

Der 38-jährige Eduard Rangnau komplettiert die Aussteller mit wunderschönen Bronze-Skulpturen. Der Metall-und Glockengießer, beziehungsweise Kunstgießer gehört einer Zunft an, die nicht mehr allzu häufig anzutreffen ist. Man darf gespannt sein, was er präsentieren wird.

Eduard Rangnau

Der Eintritt ist frei

Öffnungszeiten werden noch bekannt gegeben.

Wenn Corona uns kein Strich durch die Rechnung macht, wird die Veranstaltung sicher ein Erfolg.

Bekommt der Herborner Stadtanzeiger noch eine Chance?

Von Hans-Dieter Wieden

Der Herborner Stadtanzeiger soll mit Wirkung zum 30. September 2020 ersatzlos eingestellt werden.

Ende August hat die Stadtverordnetenversammlung entschieden, die Hauptsatzung zu ändern. Ab 1. Oktober sollen amtliche Bekanntmachungen nur noch online auf der Homepage der Stadt Herborn erfolgen.

Dass damit auch die Einstellung der seit 2006 bestehenden Publikation verbunden ist, kann man nicht mal der „offiziellen Seite“ des Herborner Stadtanzeigers auf der städtischen Homepage https://www.herborn.de/nc/unsere-stadt/stadtanzeiger-herborn/ entnehmen.

Der Eindruck verfestigt sich, dass mal wieder entschieden wurde, ohne erkennbar die Alternativen zu prüfen oder gar die Bevölkerung zu fragen.

Es ist leider zutreffend, dass die finanzielle Situation nicht erst seit Corona die Stadt zwingt, zu sparen. Sparen gehörte noch nie zu den hervorstechenden Tugenden kommunaler Politik und ist sicher auch nicht leicht, da Einsparungen und die Minderung von Dienstleistungen Widerstand bei den Betroffenen erzeugt. An dieser Stelle Ende mit Mitleid mit den Entscheidungsträgern.

Wirtschaftlichkeit der Entscheidung

Hans-Dieter Wieden

Der Veröffentlichung im Stadtanzeiger vom 12. September 2020, der das Aus in zwei Wochen verkündet, ist nicht zu entnehmen, wie viel denn die Stadt jetzt nun jährlich einspart. Es ist die Rede von einem „hohen Kostenblock“, ohne dies näher zu erläutern.

Für Kenner der Materie, man hatte sich damals entschieden, ein eigenes Amtsblatt (so hieß es damals noch) herauszugeben, war die Entscheidung Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Es war im Ergebnis wirtschaftlicher ein Anzeigen finanziertes Mitteilungsblatt herauszugeben, als weiter teure Anzeigen für die amtlichen Bekanntmachungen in den Zeitungen zu schalten. Das finanzielle Risiko für das für die Stadt und die Bevölkerung kostenlose Amtsblatt als Vorläufer des Stadtanzeigers trug der damalige Verlag, der viele vergleichbare Mitteilungsblätter in Hessen anbot.

Gut, die Zeiten haben sich geändert. Die Presselandschaft hat sich geändert.

Die Lesegewohnheiten ändern sich stetig, aber es gibt sie noch, die Menschen in unseren Reihen, denen es wichtig ist, Nachrichten Schwarz auf Weiß und auf Papier zu lesen und entweder das Internet meiden oder sich nur mit Mühe dort zurecht finden.

Die Kosten auch für Druckerzeugnisse sind gestiegen. Mir stellen sich für die Beurteilung der weitreichenden Entscheidung, den Herborner Stadtanzeiger einzustellen, folgende Fragen:

  1. Wie hoch ist das Volumen, dass die Stadt durch diese Entscheidung jährlich einspart
  2. Wie hoch sind die Kosten für eine Ausgabe des Herborner Stadtanzeigers
  3. Welche Alternativen wurden geprüft und wenn nicht, warum nicht?
    1. Der Stadtanzeiger erscheint vorübergehend nur noch alle vierzehn Tage
    1. Die Abgabe der Druckausgabe erfolgt gegen Entgelt oder im Abonnement
    1. Die Finanzierung erfolgt durch Werbung der örtlichen Gewerbetreibenden

Kosten-/Nutzenanalyse

Neben einer reinen Kostenbetrachtung beinhaltet eine Wirtschaftlichkeitsanalyse auch die Betrachtung des Nutzens. Ergebnis ist die Antwort auf die Frage:
„Überwiegt der Nutzen die Kosten.“

Seit der Erstausgabe unseres Herborner Stadtanzeigers hat sich viel auch inhaltlich getan. Das Layout ist heute modern gestaltet, aus dem Amtsblatt wurde ein Mitteilungsblatt und später ein Blatt, dass in seiner Aufmachung mit den Anzeigenblättern und mancher Zeitung mithalten kann.

Der Nutzen der wöchentlich erscheinenden Publikation mit lokalem Bezug liegt in der Information der Bevölkerung, die durch andere Presseorgane nicht möglich ist.

Im Stadtanzeiger erscheinen Nachrichten über und für Herborn, die für ein Verlagshaus mit Sitz in Mainz völlig uninteressant sind. Es gibt nicht mal mehr eine Lokalredaktion in Herborn und die Geschäftsstelle wurde auch schon vor Jahren geschlossen.

Pressemitteilungen über Veranstaltungen der Herborner Vereine erscheinen im Herborner Tageblatt gar nicht oder bis zur Unkenntlichkeit gekürzt. Das gilt gleichermaßen für Ankündigen wie Berichte über die Veranstaltung. In den durch Werbung finanzierten Anzeigenblättchen werden ohnehin nur Terminankündigungen veröffentlicht und in der Regel auch nur dann, wenn man die Online Plattform des Verlages nutzt.

Besserung ist nicht in Sicht.

Bürgerbindung und Transparenz

Der Herborner Stadtanzeiger hat über die vielen Jahre seit seinem Erscheinen, zur Bindung der Bevölkerung zu unserer schönen Heimatstadt Herborn beigetragen.
Allein die Vielfalt an Veranstaltungen der Stadt, des Stadtmarketings und des Werberings sowie der vielen aktiven Vereine in der Kernstadt und den Stadtteilen zeigte, wie lebendig Herborn ist. Darüber sollte auch zukünftig in einer städtischen Publikation berichtet werden.

Wer Transparenz von kommunalpolitischen Entscheidungen und Entscheidungen der Verwaltung will, kann auf eine eigene Publikation nicht verzichten, wenn er nicht Teile der Bevölkerung vom politischen Diskurs ausschließen will.

Fazit

Die Entscheidung der Stadtverordneten, den Herborner Stadtanzeiger einzustellen, war übereilt und sollte nochmals überlegt werden. Es gibt sicher Alternativen.

Die Wirtschaftlichkeit im Sinne der Abwägung von Kosten-/Nutzen und Alternativen sind vorrangig zu prüfen, bevor wir eine wichtige Informationsquelle gerade für die Digitalisierung ferne Bevölkerung einfach so opfern, ohne sinnvoll darüber nachzudenken.

Kommentar zum angekündigten Sterben des Herborner Stadtanzeigers

2006 kam der Herborner Stadtanzeiger auf die Welt-jetzt steht seine Beerdigung vor der Tür.

Er sei teuer, etwas antiquiert und werde angeblich von vielen Menschen nicht gelesen. Die Rede ist vom Herborner Stadtanzeiger, den es ab 1. Oktober 2020 nicht mehr geben wird. Eine Alternative soll die städtische Homepage, sowie die Facebook- und Instagram-Seite sein? Zu kurz gedacht, denke ich. Sollen die älteren Menschen, die mit den neuen Medien nichts anfangen können oder wollen, etwa abgehängt werden? Wurde der Seniorenbeirat vor dem Stadtverordnetenbeschluss denn einmal gefragt? Wahrscheinlich nicht und wenn dann garantiert nicht die Richtigen. Wir reden von der ständig zunehmenden Überalterung der Gesellschaft, aber genau die Seniorinnen und Senioren lesen noch Zeitung. Die liegt den ganzen Tag griffbereit neben Bett oder auf dem Esstisch und wird Zeile für Zeile durchgeackert. Die „lieben Alten“ haben ja Zeit und davon in der Regel viel zu viel. Ist da der PC, Tablet oder Smartphone wirklich eine Alternative? Ganz sicher nicht und wer das behauptet, tut es wider besseres Wissen. Wer etwas verändern will darf die, um die es auch noch geht, nicht im Regen stehen lassen. Wer wissen will wie die Menschen ticken und was ihnen wichtig ist, muss mit ihnen reden-wenn nötig in epischer Breite. sig/Foto: Gerdau

Soeben erreichte mich diese Mail einer jungen Frau. Diese wichtigen Aussagen darin möchte ich unbedingt meiner Leserschaft zur Kenntnis bringen:

…….Heute habe ich im Übrigen gelesen, dass der Herborner Stadtanzeiger eingestellt wird. Das finde ich sehr schade, denn auch wenn das analoge Zeitungsformat vielleicht am Aussterben ist, so sind es gerade die lokalen Blättchen und Hefte der Städte und Gemeinden gewesen, die nach wie vor besondere Beachtung erhalten haben. Unter der Bekanntmachung wurden bereits zahlreiche Kommentare hinterlassen, die das Bedauern über den Wegfall des Stadtanzeigers bekundet haben. Einige haben sogar daruntergeschrieben, dass sie eine ehrenamtliche Mitarbeit am „Stadtblättchen“ der Stadt angeboten haben, diese Unterstützung jedoch abgewiesen wurde.

Persönlich finde ich das ein Armutszeugnis für Herborn und denke, dass man aus so einer kleinen Zeitung, die vielleicht einmal im Monat erscheint, viel machen kann. Vielleicht sollte man künftig deine Blogeinträge monatlich zusammenfassen und an interessierte Haushalte, verteilen 🙂 Ich habe mich auch zu deinen anderen Beiträgen eingelesen und bin ebenfalls sehr beeindruckt, wie du das Herborner Stadtleben von allen Seiten beleuchtest. Ich werde in jedem Fall eine neugierige Leserin bleiben und mich auf kommende Beiträge freuen.

Viele Grüße J.

Das schöne an einem digitalen Blog ist die Tatsache, dass man ihn jederzeit auf dem neusten Stand halten kann.

Hier noch ein Nachbrenner zum Thema Stadtanzeiger.Es wird kolportiert, dass der Stadtanzeiger per Anno die Stadt lediglich 16 500 Euro koste. Wenn das so stimmt, stelle ich mir doch die Frage: Muss für diesen vergleichbar geringen Betrag ein Medium sterben, dass wenn es einmal beerdigt ist, nicht wieder zum Leben zu erwecken ist. So könnte man diese Summe beispielsweise schnell hereinholen, wenn die dicken Stadtbusse nur zu Zeiten des massiven Schüleransturms (morgens, mittags und vielleicht nachmittags) fahren und ansonsten durch „Anruf-Kleinbusse“ der Sprinter-Klasse ersetzt würden.

Schmierfinken treiben auch in Herborn ihr Unwesen.

Die Stadt Herborn hat sich in letzter Zeit bemüht die Schaltkästen für Internet, Strom etc. in der Innenstadt so schön und unauffällig wie möglich zu lackieren. Schon kommen irgendwelchen Deppen auf den Plan, um ihre einfallslosen Schmierereien darauf zu hinterlassen. Mit fällt dazu nur folgender alter, aber immer noch gültiger Spruch ein: „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände“.

Wie sagte Albert Einstein so schön: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“

Herborner Weinberg vor 124 Jahren

1896 fotografierte der Herborner Fotograf Louis Baumann den Weinberg von der alten Dillbrücke aus. Damals war der gesamte Hügel unbewaldet und überall schaute der Faulschiefer heraus. Heute wachsen dort glücklicherweise Büsche und Bäume und die sind so wichtig für das Herborner Klima. Man kann nur hoffen, dass sich kein geldhungrig Investor an dem schönen Stückchen Erde vergreift, um dort für die meisten Wohnungssuchenden unbezahlbaren Wohnraum zu bauen. Foto: Leihgabe von Winfried Rohrbeck.

Der Herborner Weinberg vor 124 Jahren.

Dillkinder halten Herborn sauber

Herborn ist eine saubere Stadt. Was bitteschön machen da die Sauberfrauen und Männer von „Dillkind“? Ganz einfach sie räumen den Müll fort, den man nicht immer auf den ersten Blick sieht. Entlang der Dill haben sie bereits tonnenweise das gesammelt, was achtlose Ignoranten in die Landschaft werfen. Da ist alles dabei, was man sich oftmals nicht vorstellen kann. Es fängt bei Zigarettenkippen an und hört bei Dachblechen auf. Dazwischen immer wieder Flaschen und andere Behältnisse, die bei feucht-fröhlichen Zusammenkünften geleert und an Ort und Stelle in die Büsche oder direkt am Platz entsorgt werden.


Kerngruppe der Dillkinder sind Eileen Bornhütter aus Fleisbach (nicht auf dem Foto), Julia Hecker und Kristin Grau aus Herborn (von links)

 

Am Sonntag trafen sich wieder einmal elf Frauen, Männer und Kinder auf dem Herborner Schießplatz zum gemeinsamen Müllsammeln. Eimer, Mülltüten, Handschuhe, Warnwesten und Müllgreifer hatten die Organisatorinnen Kristin Grau und Julia Hecker (34) dabei oder wurden von den anderen Helfern mitgebracht.

Auch auf Facebook und Instagram werben die Dillkinder um Mit-Helfer.

„Wir treffen uns einmal im Monat, meist am 1. Sonntag um 10.30 Uhr hier am Schießplatz, um dann die Müll-Hot Spots abzugrasen“, erzählt Kristin. Jetzt in Zeiten von Corona teilen sie sich in kleine Grüppchen auf, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Die Gruppe um Uli Reil hatte sich mal wieder den Bereich des Edeka-Parkplatzes und das anschließende Dill-Ufer vorgenommen. Ein weiteres dankbares Betätigungsfeld war die gepflasterte Rampe zwischen den Bahngleisen und den ehemaligen Shell-Hallen (heute Safran).

Julia fügt eine Hinterlassenschaft nach der anderen in ihren Eimer.

Julia staunte nicht schlecht wie viel Müll sich hier in den vergangenen vier Wochen schon wieder angesammelt hatte. Sie vermutet, dass dieser Abschnitt eine heimliche Party-Meile ist. Zumindest ließ die Müllart darauf schließen. Die 38-jährige Kristin, der kein Gestrüpp zu dicht ist, findet einige stark verrostete Dachbleche. „Wenn ich so weiter mache entdecke ich irgendwann noch einmal eine Leiche“, so ihr sarkastischer Kommentar. Zu den sonntäglichen Reinigungstreffen kommen immer zwischen 5 und 22 Personen, weiß die Wahl-Herbornerin. Der Informationsaustausch läuft über Facebook, Instagram und dem Dillkind-Blog.

„Einer muss es ja machen“, meint Kristin Grau ganz pragmatisch.

Sie selber ist mit ihrer Freundin Julia bei einer gemeinsamen Radtour auf den umherliegenden Müll aufmerksam geworden. Die Idee mit vielen verantwortungsbewussten Menschen anderer Leute Müll aufzusammeln war geboren. Da Müll aller Sorten und Größe gerade an Gewässern ein großes Problem ist, schauen sie sich besonders die Dill-Uferbereiche an.

…Das Wasser der Dill mündet irgendwann im großen Meer. Genauso wie unser Müll. Der geht uns also alle etwas an. Fangen wir also bei uns an und sorgen für eine saubere und nachhaltige Region. (Dillkinder)

So entstand der Name Dillkinder, auch wenn der eine oder andere schon dem Kindesalter entwachsen ist. Die Stadtverwaltung unterstützt die Sammelbewegung mit Müllsäcken und anderen Gerätschaften. Auch die immer prall gefüllten Behältnisse nach jedem Sammeltag holt der Bauhof ab. „Wir wollten nicht nur darüber reden, wie dem weltweiten Müllproblem begegnet werden kann, sondern auch aktiv werden. Schließlich muss es jemand tun und das sind dann eben wir“, meint Julia Hecker. Beide Frauen verbindet auch die Liebe zum Fußballsport. Sie sind im Fleisbacher TSV aktiv und schon lange miteinander befreundet.

Julia Hecker(links) und Kristin Grau sind nicht nur beim Müllsammeln ein Team.

 Am 19. September findet der World Cleanup Day statt, die größte Bottom-Up-Bürgerbewegung der Welt zur Beseitigung von Umweltverschmutzung und Plastikmüll. 2019 beteiligten sich 21 Millionen Menschen weltweit in 180 Ländern am World Cleanup Day und setzten durch ihre Cleanups (Müllsammelaktionen) ein starkes Zeichen für eine saubere, gesunde und plastik-müllfreie Umwelt. Mach mit bei der weltweit größten Clean Up Sammelaktion World Cleanup Day. Sei auch Du dabei! und befreie unsere Straßen, Parks, Strände, Wälder, Flüsse, Flussufer, Beaches und die Meere von achtlos beseitigtem Abfall und Plastikmüll. (Dillkinder)

Auch „überregional“ ist Dillkind aktiv.

In Kooperation mit der Stadt Dillenburg @oranienstadt_dillenburg und dem weltweiten „World-Clean-Up-Day“ @worldcleanup organisieren wir am Samstag, den 19. September um 10.30 Uhr (Treffpunkt: Parkplatz bei McDonald/Aldi, Dillenburg) den nächsten Clean-Up in der Oranienstadt und freuen uns über begeisterte Helfer und Mitstreiter. 💚 Falls vorhanden, bitte Müllgreifer, Handschuhe und einen Eimer mitbringen. 🧤🗑 (Dillkinder)

Der am Sonntag eingesammelte Müll war wie immer ziemlich umfangreich. Fotos: privat

Wer Lust hat und etwas für seine Region tun will, kann sich bei Julia Hecker mobil: 0170 984 6815 informieren und wenn er möchte auch seine Hilfe anbieten. Text und nicht namentlich gekennzeichnete Fotos: Siegfried Gerdau

23 Jahre für „Vormittagsschwimmer“ im Einsatz

Die Schwimmerinnen und Schwimmer verabschieden Tilaka (Bildmitte mit Plakat)

Einen derartigen Abschied von ihren Freunden hätte sich Tilaka Simon sicher nicht träumen lassen. Am Dienstag versammelten sich Frauen und Männer, alles leidenschaftliche Schwimmerinnen und Schwimmer, vor dem saisonal geschlossenen Herborner Freibad um ihrer Tilaka Dank zu sagen.

23 Jahre lang hat die seit kurzem verwitwete städtische Angestellte ihren Dienst rund ums Schwimmbecken versehen. Immer hatte sie dabei ein Auge und oft auch eine Hand für die Badegäste, die täglich frühmorgens ihre Runden drehten. „Tilaka war immer da, war stehts freundlich und sehr hilfsbereit“, so die einhellige Meinung ihrer zahlreichen Freunde. Im kommenden Mai 2021 geht die Bickenerin in den Ruhestand, aber mit dem Saisonende geht bereits jetzt die segensreiche Zeit voll gegenseitigem Respekt zwischen den Schwimmfreunden und der Angestellten für immer zu Ende.

Als Dankeschön für die vielen gemeinsamen Jahren überreichte Sandra Weil, stellvertretend für alle, der 65-Jährigen (Bildmitte mit Plakat) eine „kleine“ Aufmerksamkeit.   

Herborns Kulturgüter sind ein Besuchermagnet

Herborns wohl wichtigstes Kulturdenkmal neben Schloss, Hohe Schule und evangelischer Stadtkirche, ist sicher die Corvinsche Druckerei. Der Großteil der Herborner Bevölkerung kennt die alten Gebäude, aber so richtig kennen wird sie bis auf wenige geschichtlich Interessierte kaum jemand.

Die Corvinsche Druckerei ist eines der erhaltungswürdigsten Kulturgüter Herborns.

Der historische Burgsitz der adeligen Familie Mudersbach wurde im Jahr 1591 von Christoph Corvinius gekauft und in eine akademische Druckerei verwandelt.

Der Anlass: Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg eröffnete im Herbst 1584 mitten in der Stadt die Hohe Schule und er wollte der jungen Akademie auch eine eigene Druckerei zur Seite stellen. Die Hohe Schule sollte damals auf der Grundlage des reformierten Bekenntnisses ein geistiges Bollwerk für die katholische Gegenreformation sein. Die Academia Nassauensis war eine universitätsähnliche deutsche Hochschule. Sie bestand von 1584 bis 1817. Die Theologische Fakultät der Hochschule existiert im Theologischen Seminar (Schloss Herborn) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in veränderter Form weiter.

Die Arbeiten der Professoren, Gelehrtenübungen und die notwendigen Lehrbücher mussten gedruckt und die protestantische Welt mit Schriftwerken versehen werden.

Hier in diesen Gemäuern wurde vor 400 Jahren die Piscator-Bibel gedruckt.

Graf Johann fand mit Corvinius in der Frankfurter Druckerei dessen Vaters den geeigneten Mann. Dieser tiefgläubige, reformierte Christ verstand sein Handwerk und hatte beste Beziehung zu der damaligen Gelehrtenwelt. Er kam mit 6 Gesellen und zwei Druckpressen nach Herborn. Seine Mitarbeiter wurden auf das reformierte Bekenntnis verpflichtet und darauf ohne Erlaubnis des Landesherrn nichts zu veröffentlichen. Er erhielt finanzielle Zuwendungen, Heu und Brennholz und wurde von allen bürgerlichen Lasten und Steuern befreit.

Corvinius erste drucktechnische Leistung war der von Olevian besorgte Auszug aus Calvins „Institutio Christianae Religions“. Dieser wurde Anfang 1586 gedruckt. Bis zu seinem Tod 1620 hatte Corvinius etwa 900 Drucke aufgelegt.

Die Herborner Druckerei brachte Werke hervor, deren Bedeutung weit über dem lokalen Akademiebetrieb hinausging. Das entsprach dem europäischen Rang der Hohen Schule in den ersten 50 Jahren ihres Bestehens.

Besonders die Piscator-Bibel, die erste vollständige deutsche Bibel nach Martin Luther und zugleich das erste deutsche Bibelwerk 1602 bis 1604, das Piscator vom Lateinischen ins Deutsche übersetzte, machte Furore. Der Universitätsdrucker versah die einzelnen Kapitel mit Vorreden, angehängten Erklärungen schwieriger Textstellen und Lehren. All das atmete natürlich den reformierten Geist und die Piscator-Bibel rief dementsprechend heftige Reaktionen auch im lutherischen Lager hervor.

Professor Johannes Alsted legte 1620 sein „Compendium Philosophicum“ vor, dass ebenfalls in der Corvinschen Druckerei gedruckt wurde. Auf 3 400 Seiten hatte er das gesamte Wissen seiner Zeit, eingeteilt in 27 wissenschaftliche Fächer, zusammengetragen. Eine Neuauflage erschien im Folioformat 1630 unter dem Titel „Enzyclopaedia“ und war gleichzeitig die erste deutsche Enzyklopädie überhaupt.

Die Blütezeit der Hohen Schule dauerte von 1584 bis 1639. Dann folgte eine Zeit der Nachblüte bis 1727 allerdings nur noch mit deutschem Rang. Die letzte Phase der Akademie dauerte noch bis zum Jahr 1817. Aber damals hatte sie höchstens noch eine provinzielle, nassauische Bedeutung.

Der Herborner Buchdruck hatte eine unbestritten hohe Qualität. Es mangelte jedoch immer an der entsprechenden Kapazität. Die Ursache lag nicht an einer gewissen wissenschaftlichen Beschränktheit, sondern an dem bescheidenen Zuschnitt der Herborner Verhältnisse. Mit den großen Druckereien in Amsterdam, Frankfurt oder Nürnberg konnte sich die Corvinsche nie messen.

Als markantes Wahrzeichen steht am Ende des Corvinschen Grundstücks der Bürgerturm.

Die gesamte Anlage ging später in den Besitz der Herborner Familie Paul über. Ein schlüssiges Konzept für deren Weiternutzung von „Pauls Hof“ stand lange Jahre aus. Ernst Paul, der ehemalige Rektor der Comeniusschule in Herborn, verkaufte den Familienbesitz vor einigen Jahren. Der gesamte Komplex wurde von den Käufern an den Lahn-Dill-Kreis vermietet.

In diesem Zusammenhang vielleicht noch ein Wort: „Die Herborner Bürger lieben ihre Stadt und sind stolz darauf sie im rechten Licht präsentieren zu können. Besonders die Kulturgüter liegen ihnen am Herzen und um deren Erhalt hat sich die Administration in der Vergangenheit mehr oder weniger gut gekümmert. Einen besonderen Verdienst an dem schönen Fachwerkgesicht der Stadt hatten und haben jedoch seine Bürger. Sie investierten und investieren immer noch viel Geld und Zeit, damit nicht nur Touristen und Tagesgäste mit Freude durch die Stadt an der Dill schlendern sondern die Einwohner hier gerne und gut leben.   

Beim Blick vom Kirchhof auf das historische Ensemble fühlen sich die Besucher ins Mittelalter zurückversetzt.

Ein sehr weiser alter Spruch noch zum Schluss, den ich einst an einem Haus in Merenberg las: „Wer da bauet an der Straßen, muss die Leute reden lassen.“

Quellen: „Von der Hohen Schule zum theologischen Seminar Herborn 1584 bis 1984, Die Einrichtung der Hohen Schule a) Akademische Druckerei von Joachim Wienecke.

Der Artikel entstand mit freundlicher Unterstützung und dem historischen Bildmaterial meines Freundes Winfried Rohrbeck, Herborn.

Fotos und Text: Siegfried Gerdau

Tweety’s: Viel mehr als eine Fritten-Bude

Von Siegfried Gerdau

Sie ist Beichtmutter, seelischer Mülleimer und vor allem eine sehr warmherzige, verschwiegene Gesprächspartnerin. Nein, Anja Hähner ist keine Sozialarbeiterin, sie betreibt seit fast genau 7 Jahren die Frittenbude Tweety’s in der Herborner Bahnhofstraße, genau gegenüber der Sparkasse. Currywurst mit Pommes in mehreren Ausführungen sind das Kerngeschäft der 54-jährigen Frohnhäuserin.

Anja Hähner ist die Seele von Tweety’s.

Ihr Sohn Andy ist der Namensgeber des schmucken Imbisses. Er sagte als kleiner Junge immer Tweety zu ihr. Woher er diesen Namen hatte, wusste keiner. Da Tweety jedoch geschützt ist, hängten die Hähners einfach noch ein s dran. Eigentlich wollte Anja ja eine Waffelbäckerei in der Innenstadt von Herborn aufmachen. Das zerschlug sich aber aus den unterschiedlichsten Gründen. Da sie schon immer mit Leib und Seele kochte und das ganz sicher nicht schlecht, wurde eine Imbissstube daraus. Um die etwas zurückgebliebene Frittenbude am Pertuisplatz musste sie hartnäckig werben. Schließlich hatte der Eigentümer ein Einsehen und richtete das Anwesen mit viel Engagement und Geld wieder her.

Die Herborner „Frittenbude“ Tweety’s mit Chefin Anja Hähner.

Anja Hähners Traum von der Selbstständigkeit verwirklichte sich. Schon lange hat sie ihre Stammkunden und die halten ihr nicht nur wegen der leckeren Würste die Treue. Gerade kommt eine junge Frau und möchte eine Portion Pommes mit Mayonnaise haben. Bezahlen will sie die mit einem Gewinnschein aus der letzten Weihnachtsverlosung. Auch das gibt es bei Anja. Jedes Jahr schon Anfang November beginnt der Losverkauf bei Tweety’s und der geht bis kurz vor Weihnachten. Jedes Los gewinnt, aber am meisten gewinnt zum Beispiel die Kinder-Krebsstation in Gießen, die den Gewinn aus der Aktion erhält. Wer Glück hat, zieht eines der süßen Tierchen, die Anja Hähner in ihrer ohnehin knappen Freizeit selber bastelt. Die kann man aber auch bei ihr an der Bude, direkt von dem Ausstellungs-Baum auf der Theke, für kleines Geld kaufen.

Diese niedlichen Figuren bastelt Anja in ihrer knappen Freizeit.

Immer mittwochs gibt es bei der zweifachen Mutter und jungen Großmutter leckeren, selbstgebackenen Kuchen. Wie sie dafür noch Zeit hat, weiß sie selber nicht. Sie liebt die Menschen und behandelt alle mit dem gleichen Respekt. Besonders ihre jungen Kunden, die oft „ihrer“ Anja nur ein wenig erzählen wollen, haben sie ins Herz geschlossen. Vielleicht ist das der Grund warum ihr Verkaufsstelle noch nie mit Graffiti beschmiert oder sonst irgendwie beschädigt wurde. Dirk Ronzheimer von der Herborner Stadtverwaltung antwortet ganz pragmatisch auf die Frage, warum er denn hier seinen Mittagsimbiss kauft: „Weil es immer gut schmeckt und die Chefin so nett ist“. Sehr Stolz ist Anja auf die Tatsache, dass sie gerade wieder einmal die Kontrolle der Lebensmittelüberwachung ohne jegliche Beanstandung hinter sich gebracht hat. Das ist für die fleißige Frau Ehrensache. „Sauberkeit steht für mich an erster Stelle“, stellt sie in aller Bescheidenheit fest.

In diesem Spruch, der an der Scheibe der Würstchenbude klebt, steckt viel Wahres.

Die Corona-Pandemie macht auch ihrem Geschäft zu schaffen. Obwohl ihr Stand mustergültig und entsprechend der Hygienevorschriften ausgerüstet ist, kommen gerade die Laufkunden seltener. Dann ist es oftmals eng. Unterstützung bekommt sie keine und sie muss sehen wie sie über die Runden kommt. Das betreffe sie aber nicht alleine, stellt sie mit einem feinen Lächeln fest und taucht den Korb mit Fritten in das sprudelnde Fett. Das Leben geht weiter und die Kunden haben Hunger auf das leckere Essen bei Tweety’s. Fotos: Gerdau

„Fehler aus der Vergangenheit muss man nicht wiederholen“

Interview mit den Verfassern des Artikels „Aus der Geschichte lernen und die Stadt Herborn weiterentwickeln“ Hans Dieter Wieden und Ronald Lommel.

? Wie kamen sie denn auf die Idee sich mit der Herborner Stadtentwicklung zu befassen

H.D. Wieden: Der Ausgangspunkt war die Bebauungsplanung am Hintersand und die Erweiterungspläne Eitzenhöfer. Diese hatten den Geschichtsverein Anfang des Jahres sehr beschäftigt. Im Nachgang kam aktuell das Thema Weinberg dazu. Während eines gemeinsamen kaffeetrinkens kam die Frage auf, wo liegt eigentlich das Hauptproblem solcher Ereignisse, dass solche Einzelprojekte immer völlig isoliert von den Wirkungen auf Stadtbild, Stadtentwicklung und Klima durchgezogen werden. So hat sich bei uns der Eindruck vertieft, dass diese Einzelentscheidungen genau die Ursache dafür sind, dass unsere Stadt nicht richtig vorankommt. Wir sind dann zu der Erkenntnis gekommen, dass wir ein Stadtentwicklungskonzept brauchen, das diese Punkte berücksichtigt. Somit entstand dieses Papier.

Hans Dieter Wieden besetzt in der Stadtverwaltung Frankfurt eine leitende Stellung.

? Die Stadtentwicklung ist doch eigentlich Sache der Politik. Haben sie das Gefühl, dass da etwas schleift.

H.D. Wieden: Ich vermisse bei den politischen Entscheidungen den notwendigen Weitblick. Man muss bei Einzelentscheidungen zwingend darüber nachdenken, wie diese sich auf die Stadtentwicklung auswirken. Es hat in der Vergangenheit schon einige Stadtentwicklungsprozesse gegeben, die aber allesamt nach kurzer Zeit wieder in der Versenkung verschwunden sind. Wir beide sind zwar im Geschichtsverein, glauben aber dennoch nicht, dass alles bewahrt werden muss. Unser Credo ist: Wir müssen aus der Geschichte für die Zukunft lernen. Eine Stadt, also auch die unsrige, muss sich immer weiterentwickeln, weil sich auch die äußeren Umstände ändern. Man muss jedoch wissen wo man hin will, nur dann kann man auch in Einzelprojekten vernünftig entscheiden.

R. Lommel: Man muss auch wissen, was man hat. Wir haben ein wunderschönes Städtchen. Das wird von Menschen, die von außen kommen, immer wieder bestätigt. Es kann daher nicht sein, dass man das Stadtbild isoliert darstellt und links und rechts entwickeln sich betonierte Krebswucherungen. Eine Vision dient doch dazu, das Gefühl von Heimat, von meiner Stadt, erhalten und nicht kaputtgemacht wird. Es gab ja mal eine Altstadtmanagerin, die sich darum kümmern sollte, dass sich die Geschäfte in der Innenstadt weiterentwickeln und nicht leer stehen. Noch mal zum Thema Geschichte. Die ist ja nicht einfach nur Selbstzweck. Geschichte dient dazu, dass man die Zukunft positiv in den Blick nehmen kann. Geschichte hört nie auf. Es ist eine Linie die von der Vergangenheit in die Zukunft führt. Sie muss ich immer im Hinterkopf haben, damit ich Zukunft gestalten kann. Für mich ist Heimat ganz wichtig und unbedingt erhaltenswert. Außerdem inspiriert mich schon immer der Bibelspruch „Suchet der Stadt Bestes (Jer 29,4-14). Das ist für mich als evangelischer Pfarrer eine Leitlinie, die mein Handeln ein Stück weit bestimmt. Auch ich sehe ein geplantes Gesamtkonzept als Voraussetzung für alle Einzelmaßnahmen.

Ronald Lommel war bis zu seiner Pensionierung viele Jahre als evangelischer Pfarrer in Herborn tätig.

? Braucht man denn für all diese Maßnahmen nicht die nötigen Mittel, die derzeit nicht da sind.

H.D. Wieden: Nein, man braucht für diese erste Phase der Stadtentwicklung kein Geld. Man spart hingegen eine Menge, weil man Fehler vermeidet. Dazu gehört ein ganz wichtiger Grundsatz, Fehler aus der Vergangenheit muss man nicht wiederholen. Man denke nur an die Zyklen der Stadtentwicklung und das nicht nur in Herborn. So hatten wir zum Beispiel die “ Auto gerechte Stadt“. Damals sind deshalb einige Städte kaputtgebaut worden. In Herborn haben wir Gott sei‘s gedankt den alten Kern erhalten. Aber auch unsere wunderschönen Fachwerk-Häuser, die erhalten blieben, müssen Nutzungen zugeführt werden, dass sie lebendig bleiben und nicht leer stehen. Dafür muss man viel Hirn einsetzen und nachdenken. Das kostet erst einmal kein Geld. Wir haben in unseren Gedanken ganz bewusst das Datum der 800 Jahr-Feier im Jahr 2051 ausgesucht, weil uns die Agenden 2020 und andere nahe liegenden Zeiträume viel zu kurz gedacht erschienen. Viele unserer Stadtgebiete sind planungsrechtlich nicht vernünftig unterlegt. Das führt dazu, dass man bei Einzelprojekten keine klare Richtung hat. Man zieht sich auf die Bebauung der näheren Umgebung zurück und dann entsteht so etwas wie derzeit am Schönblick als Terassenhäuser. Das ist ebenso ein abschreckendes Beispiel wie auch die Bebauung des Pertuisplatzes. Leider kann ich da auch die Bebauung der Diakonie am Herborner Hintersand nicht von ausnehmen. Der entscheidende Fehler war da, dass man nicht die Idee des „Lebens am Fluss“ umgesetzt hat. Die ist im Übrigen nicht neu. Auch braucht die Stadt ein Veranstaltungsgebäude von der Größenordnung, die mindestens der noch bestehenden Konferenzhalle entspricht. Das ist bitter nötig und muss unbedingt in ein Entwicklungskonzept einbezogen werden.

? Bevor wir zum Ende kommen bleibt nur die Frage, haben wir noch etwas vergessen.

R. Lommel: Mir ist wichtig noch einmal deutlich zu sagen, dass der Beschluss der Stadtverordneten vor zwei Tagen in ihrer Sitzung ein ganz wichtiger Anfang war. Dieses positive Zeichen zu den „Planungen“ am Weinberg geschlossen Nein zu sagen, muss ausgebaut werden. So sollten unsere Visionen nicht nur in der Öffentlichkeit diskutiert werden, sondern auch vielleicht im Bauausschuss. Was sind dann die nächsten Schritte, damit nicht wieder solche Dinge wie Pertuisplatz, Schönblick und Weinberg passieren? Man muss jetzt dranbleiben.

H.D.Wieden: Wir machen auf jeden Fall weiter, legen aber Wert auf die Feststellung, dass wir keine Partei sein wollen. Uns wäre es am liebsten, wenn die ersten Stufen der Diskussion in der Bürgerschaft mit interessierten Bürgern stattfänden. Ich ziehe den Hut vor der Abstimmung über den Weinberg, die einstimmig zur Ablehnung des Projektes führte. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass so etwas einmal in Herborn möglich sei. Dennoch ist es mir ganz wichtig, dass gerade die Bürger an diesem Papier über die Stadtentwicklung mitwirken. Mir geht es darum zu erfahren, welche Vorstellungen die Menschen von unserer Stadt in 20, 30 und 40 Jahren haben. Wir werden nicht darauf warten, bis die Politik Initiativen ergreift und ihr auch nicht die Arbeit wegnehmen. Die Vergangenheit hat aber leider gezeigt, dass die Politik momentan leider nicht in der Lage ist, die Dinge zu bewegen.

R. Lommel: Die Bürger müssen die Initiative ergreifen und zwar derart, dass die Parteien diejenigen sind, die die Ergebnisse nur noch zu bündeln haben.

H.D. Wieden: Hier möchte ich noch einen ganz wichtigen Satz aus dem Grundgesetz Art. 20 Abs. 2 S. 2 einbringen: Die Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit. Darüber sollten sich die einen oder anderen klar werden.

Das Interview führte Siegfried Gerdau